TV-Premiere: Dem Bösen in Pregau auf der Spur

Am Montag startet der ORF-Vierteiler „Pregau“, eine Art Austro-„Breaking Bad“. Das Ungewöhnlichste an dem Krimi ist die gleichnamige App mit integriertem Lügendetektor.

Pregau
Pregau
Pregau – (c) ORF (Hubert Mican)

Vielleicht ist es nur ein Zufall, doch es fällt auf. Wenn der ORF im Fiktionalen Neues wagt, begibt er sich raus aus der Stadt und rein in die Provinz. Wobei das nicht despektierlich oder abwertend gegenüber dem Land und seiner Bevölkerung klingen soll, wie unlängst ein Leser dieser Zeitung unterstellte. Aber es ist einfach so: „Braunschlag“ spielte auf dem Land, viele Kriminalgeschichten spielen in abgeschiedenen Dörfern oder in den Bergen, und das nicht nur in der „Landkrimi“-Reihe, sondern auch bei den „Spuren des Bösen“ oder den „Toten vom Bodensee“. Nur die „Vorstadtweiber“ bleiben in der Hauptstadt.

Diesmal wird also der fiktive steirische Ort Pregau zum Schauplatz des gleichnamigen, aufwendig gestalteten Vierteilers. Den Pkw-Kennzeichen mit der Abkürzung „LN“ nach zu schließen, liegt das Städtchen irgendwo im Bezirk Leoben. Pregau ist für kaum etwas bekannt, außer für seine Tierkörperverwertungsanstalt, den kreuzenden Jakobsweg und die Autobahnausfahrt. Hierher gezogen sind sie trotzdem, der Hannes und seine Frau Maria Bucher. Weil er bei seiner alten Polizeidienststelle in Salzburg rausgemobbt wurde und sie zurück in den Schoß ihrer Großfamilie kehren wollte. Denn Maria (gespielt von Ursula Strauss) ist eine geborene Hartmann. Ihr Vater Johann (Wolfgang Böck) und dessen Bruder Elias (Karl Fischer) führen die Spedition im Ort mit dem dazugehörigen Stolz, und sie sind verfeindet mit der Familie Hölzl. Das klingt ein wenig nach Shakespeare und Capulet versus Montague.

Dabei soll der Lang-Krimi, den der ORF als Herbstevent an vier Hauptabenden in einer Woche ausstrahlt, nach deren Eigendefinition eher so etwas wie das österreichische „Breaking Bad“ sein. Weil die dörfliche Idylle trügt und die Hauptfigur zwar nicht aufgrund einer plötzlichen Krebserkrankung, aber aus Furcht aufzufliegen, völlig irrationale Dinge tut. Erzähler Hannes (Maximilian Bruckner) erklärt dem Zuseher aber in den ersten Minuten, wohin die Reise geht: „Es wäre mit Sicherheit alles anders gekommen, wenn ich diesen einen Fehler nicht gemacht hätte. Dann wären ja niemals so viele Menschen gestorben“, sagt er da. Mitten in der Nacht erwischt er, der Streifenpolizist, seine Nichte Rosa (kurzer Auftritt von Song-Contest-Teilnehmerin Zoe Straub) und ihren Freund Gregor beim betrunken und zu schnell Fahren. Anstatt ihnen eine Strafe zu verpassen, lässt er sich von seiner Nichte oral befriedigen. Noch in derselben Nacht kracht das junge Paar gegen eine Felswand, Rosa stirbt, Georg überlebt schwer verletzt. Um das Erlebte zu vertuschen, verstrickt sich Hannes in ein Lügengeflecht. Aber auch sonst hat in Pregau so gut wie jeder Protagonist ein Geheimnis oder eine psychische Störung. Und auffallend viele Familienmitglieder haben einen Hang zu inzestuösen Beziehungen.

 

Achtung, Lüge erkannt!

Das Außergewöhnlichste an dieser Krimiproduktion ist die gleichnamige App, die das Wiener Start-up Tonio entwickelt hat und damit zum ersten Mal Zusatzinfos zur Serie anbietet. Das Onlineangebot kann auf dem PC oder via Smartphone abgerufen werden. Die dafür angewendete, spezielle Technologie versteckt Informationen in der Audio-Spur des Films, die für Smartphones und PCs decodierbar ist. In die App integriert ist zum Beispiel ein Lügendetektor, der immer dann ausschlägt (z. B.: „Lüge von Maria erkannt!“), wenn ein Protagonist die Unwahrheit sagt. Und das passiert ziemlich oft. Zudem gibt es für jede Hauptfigur einen Kriminalakt, die App erkennt, wie weit der Zuseher bereits ist und befüllt den Akt mit zusätzlichen Informationen zur jeweiligen Person. Der Gerichtspsychiater Reinhard Haller hat zudem Hintergrundinformationen zu Verhaltensweisen von Opfern und Tätern geliefert. Ein Video-Tagebuch der sensiblen Sandra, Tochter von Maria und Hannes Bucher, ergänzt die App. Insgesamt lässt sie den Zuseher selbst zum Ermittler werden.

Wer sich auch beim Fernsehen gern von Push-Benachrichtigungen ablenken lässt, wird mit der App seinen Spaß haben. Das Austro-„Breaking Bad“ enthält schon ziemlich viel „Bad“, etwas mehr „Breaking“ hätte nicht geschadet.

ZUR SERIE

„Pregau – Kein Weg zurück“ ist ab kommenden Montag in vier Teilen, jeweils um 20.15 Uhr auf ORFeins zu sehen. Weitere Folgen: Di, 27., Fr, 30. und Di, 4. Oktober. Mit u. a. Ursula Strauss, Maximilian Brückner, Patricia Aulitzky, Robert Palfrader.

Die gleichnamige Begleit-App, produziert von Tonio,kann man im App-Store gratis herunterladen (Eingabe: Pregau). Sie zeigt einem Lügen der Protagonisten an und liefert Hintergrundinformationen und zusätzliche Videos zur Serie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2016)

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