„Heute“: Eine Kampfansage an „Österreich“

Eva Dichand, Chefin der Gratiszeitung „Heute“, erwägt, auch eine Sonntagsausgabe herauszugeben. „Österreich“, so Dichand, mutiere derzeit "komplett zur Gratiszeitung".

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)

„Die Presse“: Es heißt, Sie wälzen neue Pläne für „Heute“: Gibt es das Gratisblatt bald auch am Wochenende?

Eva Dichand: Eventuell ja. Wir evaluieren gerade unsere Marktchancen und Kosten. Entweder nur Sonntag oder eine Samstags-/Sonntagsausgabe mit einem kreativen Vertriebskonzept.

Müssten Sie da redaktionell aufstocken?

Dichand: Wir stocken dauernd redaktionell auf. Allerdings würde es ein eigenes Team geben. Die Ausgabe würde sich auch inhaltlich wesentlich von den Wochentagsausgaben unterscheiden. Wir wollen ja schließlich nicht die sechste normale Tageszeitung am Sonntag sein.

Mit welcher Auflage wäre zu rechnen – da sind ja viel weniger Pendler unterwegs?

Dichand: Die Auflage müsste mindestens so hoch wie unter der Woche sein, also rund 350.000 Exemplare. Wir haben derzeit laut Media-Analyse 500.000 Leser jeden Wochentag alleine in Wien.

Immer wieder gibt's Gerüchte, Ihr Schwiegervater („Krone“-Hälfteeigentümer Hans Dichand) hätte mit „Heute“ zu tun. Günther Havranek (er hält über eine Stiftung die Mehrheit am „Heute“-Verlag; Anm.) sah sich nach Aussagen, er sei von Hans Dichand als Kontrolleur bei „Heute“ eingesetzt worden, sogar genötigt, einen Eid zu schwören, dass das nicht der Fall ist. Was steckt da dahinter?

Dichand: Das ist eine Profilierungsneurose seines Sohnes (Thomas Havranek hat die Aussage in einem Telefonat mit dem Magazin „News“ gemacht; Anm.). Es wird seit Jahren versucht, eine Verbindung an den Haaren herbeizuziehen. Es gibt keine. Herr Havranek kennt Hans Dichand nicht einmal persönlich, wie er auch schriftlich mitgeteilt hat.

 

Was würde eine Sonntagsausgabe von „Heute“ für „Österreich“ bedeuten?

Dichand: Noch weniger Inserate, noch mehr Probleme. „Österreich“ mutiert derzeit komplett zur Gratiszeitung. Man versucht, unsere Boxen und Standorte zu kopieren und durch eine dünne Gratisauflage eine möglichst hohe Reichweite zu erzielen, die fälschlicherweise immer für Gratis- und Kaufprodukt gemeinsam angepriesen wird. In der Gratisauflage fehlen jedoch wesentliche inhaltliche Teile, sie wird immer auf 32 Seiten Stärke gehalten. „Heute“ dagegen ist eine Vollzeitung mit, je nach Werbeaufkommen, bis zu 48 Seiten. Der Leser merkt das natürlich – wir haben deutlich höhere Entnahmequoten. Die Media-Analyse-Reichweiten z.B. in Wien – 35 Prozent für „Heute“, 23,2 Prozent für „Österreich“ – spiegeln unsere Überlegenheit wider. Das sind um 50 Prozent mehr Leser.

 

Hat Ihnen Ihr Mann zur Media-Analyse gratuliert, die „Heute“ bei den Jungen (bis 39) in Wien mehr Leser und mehr Reichweite bescheinigt als der „Krone“?

Dichand: Die „Krone“ ist nach wie vor die klare Nummer eins. Das schmälert jedoch den Erfolg von „Heute“ nicht. Gratistageszeitungen haben in ganz Europa jüngere Leser als etablierte Kaufzeitungen. Die Bevölkerungsverteilung nach Alter – also die Realität – entspricht jedoch der Leserverteilung der „Kronen Zeitung“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2009)

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