Sexismus: Schmähpreis "Rosa Handtaschl" für Felix Baumgartner

Für seine sexistischen Aussagen gegenüber Puls4-Infochefin Corinna Milborn erhält der Extremsportler den Negativpreis des Frauennetzwerks Medien.

Fotomontage des Frauennetzwerks Medien: Felix Baumgartner mit dem ''Rosa Handtaschl''
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Fotomontage des Frauennetzwerks Medien: Felix Baumgartner mit dem ''Rosa Handtaschl''
Fotomontage des Frauennetzwerks Medien: Felix Baumgartner mit dem ''Rosa Handtaschl'' – (c) Frauennetzwerk Medien (Benoit Duchatelet CC BY 2.0, Fot)

Er ist Stratosphärenspringer, Ärmelkanal-Gleitflieger und Hochhaus-Springer - und ab heute auch Träger des "Rosa Handtaschls": dem österreichischen Extremsportler Felix Baumgartner wird vom Frauennetzwerk Medien ein Negativpreis für frauenfeindliche Äußerungen in den Medien verliehen. Anlass sind seine sexistischen Aussagen gegenüber Puls4-Infochefin Corinna Milborn

Milborn hatte zuvor ein Sujet des Unterwäscheherstelles Palmers, das auf dem Bauch liegende Frauen in knappen Höschen zeigt und als "Osterhöschen" bezeichnet wurde, kritisiert. Setting (schmuddeliger Teppich, Erdhaufen) und augenscheinlich niedriges Alter der Models erinnerten sie an Menschenhändler.

Baumgartner hingegen fand die "Mädels" auf dem Plakat "weltklasse" und würde gern "gerne mal dazwischen rein" springen, "auch ohne Fallschirm". Er unterstellte Milborn Eifersucht, was er mit "bei der Figur auch kein Wunder!" beschrieb.

"Das ist Sexismus pur, Herr Baumgartner"

"Das ist Sexismus pur, Herr Baumgartner, rückständig und schlichtweg verantwortungslos", schreibt das Frauennetzwerk Medien am Freitag. "Von solchen Botschaften sollten Frauen verschont bleiben. Deshalb ein verdientes 'Rosa Handtaschl' für ihre Landung ganz unten." Mit dem "Handtaschl" weist das Frauennetzwerk "auf Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens hin, deren Frauenbild von offensichtlichem Sexismus geprägt ist". Bewertet werden "unterschwellige Angriffe, herabwürdigende Aussagen, klischeehafte Darstellungen oder Ignoranz gegenüber Frauen und ihren Leistungen".

Milborn selbst hat Baumgartner als Reaktion auf seinen Angriff in ihre Diskussionssendung "Pro und Contra" eingeladen: "Ich möchte mit Ihnen über Ihr Frauenbild und die Auswirkungen diskutieren", sagte sie in einer an den Extremsportler gerichteten Stellungnahme auf Facebook. "Sie sind ja schon aus dem All gesprungen. Sie sind also sicher nicht zu feig dafür - oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen".

Bislang hat sich Baumgartner nicht zu der Einladung geäußert. Seine Agentur war am Freitagmittag für die APA nicht erreichbar. Er selbst befindet sich in den USA, wo er am Donnerstag mit illustren Gästen wie Arnold Schwarzenegger seinen Geburtstag feierte. "Ich zähle darauf, dass er kommt", sagte Milborn am Freitag. "Ich bin sicher, dass er den Mut hat, seine Aussagen auch direkt mit mir zu besprechen."

Der Schmähpreis

Mit dem "Rosa Handtaschl" weist das Frauennetzwerk Medien auf Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens hin, deren Frauenbild von offensichtlichem Sexismus geprägt ist. 

Vor Felix Baumgartner wurden unter anderem profil-Herausgeber Christian Rainer (Entwicklung des Magazins "hin zum billig-sexistischen Boulevard"), Handballtrainer Gunnar Prokop ("Die Frau gehört in die Kuchl, soll die Kinder erziehen und aus") und ORF-Chefredakteur a.D. Werner Mück (Anblick einer profilierten Redakteurin eine "Beleidigung für die Zuseher") mit dem "Rosa Handtaschl" ausgezeichnet.

Das Frauennetzwerk Medien ist ein überparteilicher Verein für Journalistinnen und Frauen in Medienberufen, der 1999 in Wien gegründet wurde.

http://www.frauennetzwerk.at/

(Red./APA)

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