Die allzu schnelle Show für junge Wähler

Die ARD-Sendung „Überzeugt uns!“ überzeugte Zuseher und Kritik nicht.

Symbolbild ARD
Symbolbild ARD
Symbolbild ARD – (c) imago/teutopress (imago stock&people)

Ein langes Pult, sieben deutsche Spitzenpolitiker (sitzend), zwei Moderatoren (stehend) und ein sehr später Sendetermin (23 Uhr). So viel zu den Eckpfeilern des ARD-Show-Experiments „Überzeugt uns“ von Montagnacht. Auch Deutschland wählt im Herbst, drei Wochen vor Österreich. Sieben Spitzenpolitiker erhielten die Chance, junge Wähler von ihrer Partei zu überzeugen. Das Publikum war nicht begeistert, die Kritik ebenso wenig. Aus österreichischer Sicht ist man milder, eine solche Show wünscht man sich hier zwischen Sommergesprächen, runden Tischen und Zweier-Duellen.

Was aber stimmt: Die Show wollte zu viel. Die Moderatoren Ingo Zamperoni (moderiert „Tagesthemen“) und Ronja von Rönne (schreibt Bücher und u. a. für „Die Welt“) peitschten ihre Gäste (etwa Grünen-Chef Cem Özdemir und Alexander Gauland von der AfD) im Stakkatostil durch 90 Minuten. Rönne war nie verlegen um lockere Sprüche, die manchmal daneben gingen, und spitze Bemerkungen vor allem gegen den AfD. Zu Beginn verriet sie das inoffizielle Motto: „Dies ist eine Sendung für die Generation Y, deren Aufmerksamkeitsspanne ungefähr so lange wie ein Katzen-Gif ist. Nehmen Sie es uns nicht übel, dass wir Sie unterbrechen werden.“ Die Kandidaten wurden u. a. gebeten, Sätze zu vervollständigen, Fragen von Facebook-Usern in 15 Sekunden zu beantworten. Sehr daneben gingen satirischen Filmchen: In einem wurden Politiker, darunter Angela Merkel, zu Drogensüchtigen. Da half auch nichts, dass die Moderatoren erinnerten: „Das war ziemlich aufs Korn genommen.“ Mancher Gast konnte seinen Unmut schon live auf Sendung nicht verbergen. (awa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2017)

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