Kern gibt "Österreich" weder Interviews noch Inserate

"Nur, weil ich kandidiere, heißt das noch lange nicht, dass ich alles mitmachen muss", meint Kanzler Christian Kern. Wolfgang Fellner ortet "undemokratischen Stil a la Donald Trump.

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(c) Screenshot

Der Streit zwischen der bunten Zeitung "Österreich" und Bundeskanzler Christian Kern eskaliert wegen eines internen Papiers der SPÖ, aus dem "Österreich" in den vergangenen Tagen wiederholt Passagen veröffentlichte. In dem Papier ist unter anderem von Kerns Prinzessinnenhaftigkeit die Rede. Auf Facebook verkündete der Kanzler am Montagabend: "Nur, weil ich bei einer Wahl kandidiere, heißt das noch lange nicht, dass ich alles mitmachen muss."

Die Tageszeitung "Österreich" führe eine Kampagne gegen seine Person. Jeden Tag würden verleumdende Texte und abwertende Fotomontagen veröffentlicht: "Offenbar erwartet sich der Herausgeber dadurch mit anderen Kandidaten bessere Geschäfte." Die moralische Qualifikation in diesem Fall überlasse er gerne anderen, aber es sei sein gutes Recht zu sagen: "Ich mache da nicht mehr mit."

Kerns Vorhaben lautet folgendermaßen: "Keine Interviews mit mir in 'Österreich', keine TV-Diskussionen auf oe24. Und natürlich auch keine Wahlkampf-Inserate." Für ihn ist klar, dass er als Politiker kritische Berichterstattung aushalten müsse und sie sich bei inhaltlichen Fragen sogar mehr wünschen würde: "Aber hier geht es nicht um kritische Berichterstattung, sondern um eine Kampagne und um einen Angriff auf die politische Kultur im Land."

"Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner reagiert harsch: Es sei ausgewogen berichtet worden, der Abdruck des "Dossiers", das den Streit auslöste, sei "journalistische Pflicht" gewesen.

 

Politiker sollten nicht als "Strafe" für sie nicht genehme Berichte Interview-Verbote und Inseraten-Boykotte verhängen. Das ist schlechter, undemokratischer Stil a la Donald Trump.

Wolfgang Fellner

Zum Stein des Anstoßes ist das interne Dossier, das offenbar von einem früheren SPÖ-Pressesprecher der Ära Alfred Gusenbauer für den mittlerweile gefeuerten Berater Tal Silberstein verfasst worden war, tauchte schon vor einiger Zeit in Auszügen in der "Kronen Zeitung" auf. "Österreich" veröffentlichte es in den vergangenen Tagen mehrfach. Das von Kern gezeichnete Bild darin ist wenig schmeichelhaft. Er wird unter anderem als "Prinzessin" und "ungemein eitel" bezeichnet. Ferner schreibt der Verfasser: "Er hält Kritik (mediale Schelte) nicht aus und reagiert nervös, um nicht zu sagen panisch."

Übrigens: In der SPÖ wurde am Montagabend klar gestellt, dass der Inserate-Boykott nur die Wahlkampf-Aktivitäten der Sozialdemokraten betrifft. Nicht umfasst sind Werbeschaltungen des Kanzleramts. Diese würden vom Bundeskanzleramt "strikt nach Marktanteil vergeben", präzisiert Kanzleramtsminister Thomas Drozda.

 

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(APA/Red.)

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