Haben die deutschen Medien die AfD stark gemacht?

"Wer für jede neue Provokation eine neue Einladung in eine Talkshow erhält, fühlt sich zum Provozieren ermuntert", sagt der deutsche Bundespräsident Steinmeier.

Wer lädt wen zu welcher Sendung ein? Und weshalb? Keine unbedeutende Frage. Dasselbe gilt freilich für die Zeitungen.
Wer lädt wen zu welcher Sendung ein? Und weshalb? Keine unbedeutende Frage. Dasselbe gilt freilich für die Zeitungen.
Wer lädt wen zu welcher Sendung ein? Und weshalb? Keine unbedeutende Frage. Dasselbe gilt freilich für die Zeitungen. – (c) Reuters

Der Werbewert von skandalösen Aussagen ist enorm. Dass verbale Ungeheuerlichkeiten oft mit medialer Präsenz belohnt werden, stört auch den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier: Die deutschen Medien hätten den Provokationen der AfD im Wahlkampf zuviel Raum gegeben", sagt er. Tabubrüche dürfen sich nicht auszahlen", so Steinmeier in der deutschen "Zeit" - ohne die Partei beim Namen zu nennen. "Wer für jede neue Provokation eine neue Einladung in eine Talkshow erhält, fühlt sich zum Provozieren ermuntert."

"Nicht jeden Furz kommentieren"

Viele machen nun, nach geschlagener Wahl, die Medien als (mit)schuldig aus. Der Grüne Hans-Christian Ströbele brachte die Kritik kürzlich im ZDF auf den Punkt: „Ich empfehle allen, nicht jeden Furz oder jeden Spruch, den ein AfDler loslässt, selbst wenn er schlimm ist, tagelang, wochenlang immer wieder zu drehen und zu kommentieren.“ Die Berichterstattung und die Talk-Shows hätten am Ende nur der AfD genutzt, lautet sein Resümee.

Bei der Ursachenforschung für den Erfolg der AfD ist man schnell beim medialen Sündenbock. Arbeitsministerin Katarina Barley (SPD) und Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU) beklagten kürzlich über den medialen Fokus auf Personalisierung. In Interviews gehe es nur selten um Inhalte, kritisierte Barley. Bär entrüstete sich über die mediale Praxis in Lokal- und Boulevardmedien: „Ich wurde in meinem Wahlkreis gefragt, ob ich tätowiert bin oder Piercings habe.“

AfD fühlt sich von Medien benachteiligt

Brender stritt indes ab, dass Medien das Geschäft der Rechtsradikalen verrichteten. Die Diskussion gehe zurück in die 1960er-Jahre, als rechtsextreme Parteien in Deutschland reüssiert hätten, betonte er. Längst ist bekannt, dass Rechtspopulisten auf eigene Onlineportale und Echokammern in den sozialen Medien setzen und die sogenannten Mainstream-Medien meiden. Es ist überdies nicht ohne Ironie, dass just die AfD die Abschaffung des Rundfunkzwangsbeitrags auf ihre Banner geschrieben hat.

Übrigens fühlt sich auch die AfD oft von den Medien ungerecht behandelt - und etwa bei den Polit-Talkshows von ARD und ZDF nicht angemessen vertreten. Laut parteieigener Auswertung seien von 162 eingeladenen Politikern bei ZDF und ARD im ersten Halbjahr 2017 nur vier AfD-Politiker vertreten gewesen. "Es ist schwer, mit Themen durchzudringen, wenn sie vor allem von den öffentlich-rechtlichen Medien nicht transportiert werden", sagte der Parteivorsitzende Jörg Meuthen im Juli dem "Focus". Man überlegte gar, sich bei Polit-Talkshows einzuklagen.

 

 

(Red.)

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