TV-Kritik: Straches Kniefall vor dem „Kaiser“

Die ORF-Satireschiene am Donnerstag: Intelligent platzierte Stammtischthemen. „Seine Hoheit“ Robert Palfrader sezierte den sonst wortgewaltigen FPÖ-Chef und seine Schwächen mit messerscharfem Humor.

(c) ORF (Hans Leitner)

Der „Kaiser“ hielt wieder Hof und lieferte am Donnerstagabend im ORF ein Gustostückerl der politischen Satire: Seine Hoheit gewährte dem Untertanen H. C. Strache Audienz – der kam (offenbar hatte ihm keiner seiner Berater abgeraten), verbeugte sich artig und brachte außer einigen Lachern kaum etwas hervor. „Seine Hoheit“ Robert Palfrader sezierte den sonst wortgewaltigen FPÖ-Chef und seine Schwächen mit messerscharfem Humor – elegant, ohne ihn so weit bloßzustellen, dass Strache gänzlich das Gesicht verloren hätte. Das ist die Kunst, die Palfrader in seiner Sendung „Wir sind Kaiser“ zelebriert. Das von Strache mitgebrachte Geschenk – ein Plakat – beförderte der „Kaiser“ direkt in die „Rundablage“ und murmelte: „Beim Haider waren die Taferln noch kleiner.“ Den seiner Meinung nach zu weit nach rechts neigenden Strache versuchte er erst mit Klangschalen-Vibrationen, dann mit einem ausgleichenden Gewicht auszutarieren. Und als Strache tatsächlich versuchte, ein paar politische Stehsätze anzubringen, machte ihn Palfrader elegant mundtot: „Er ist ein guter Stimmenimitator! Klingt wie ein Kärntner mit oberösterreichischem Migrationshintergrund.“ Da konnte selbst Strache nur lachen – ob das beim Betrachter den Eindruck von Hilflosigkeit oder Souveränität hinterließ, darüber scheiden sich die Geister.

Palfrader jedenfalls hat einmal mehr gezeigt, wie intelligent, witzig und hintergründig Satire sein kann. Wermutstropfen im Champagner, mit dem er auf den Quotenerfolg der Sendung anstoßen kann (am Donnerstag sahen 526.000 zu, bei 25Prozent Marktanteil): „Wir sind Kaiser“ geht nur mehr dreimal regulär auf Sendung, am 18.März folgt ein Best-of – danach ist der Kaiser-Thron im ORF verwaist. Und Palfrader spielt die Hauptrolle in Franz Molnárs „Liliom“ am Volkstheater – Premiere ist am 5.März.

 

Alfons Haider: „Verschissenes Land“

Auch die nachfolgende ORF-Sendung – „Willkommen Österreich“ mit den spitzzüngigen Verbalrabauken Christoph Grissemann und Dirk Stermann – hatte es in sich: ORF-Moderator und Schauspieler Alfons Haider sprach in einem Gefühlsausbruch davon, in „einem verlogenen, verschissenen Land“ zu leben – er habe nach seinem Outing als Homosexueller alle Jobs verloren, der ORF habe ihn „hinausgeschmissen“, seiner Mutter hätten Schläger eine Rippe gebrochen, weil „der Bua eine schwule Sau“ sei. In Ö3 rechtfertigte Haider am Freitag die heftige Wortwahl: Er sei „provoziert“ worden. Schon um 17 Uhr fanden sich dazu auf diepresse.com 160 Kommentare. Wer's versäumt hat, kann zumindest den „Kaiser“ auf Youtube noch anschauen. Das Fernsehen hat es mit diesem Abend jedenfalls seit Langem wieder einmal geschafft, den Stammtischen das Gesprächsthema zu diktieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2010)

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