TV-Beobachtungen

Puls 4: Fast zurück im Wahlkampf

Beim ersten "Pro & Contra" auf dem neuen Sendeplatz am Mittwoch sah man Christian Kern, Gernot Blümel und Norbert Hofer in ihren neuen Rollen.

Am Mittwochabend diskutierten Medienminister Gernot Blümel, Infrastrukturminister Norbert Hofer und die Parteichefs Matthias Strolz (Neos) und Christian Kern (SPÖ) auf Puls 4.
Am Mittwochabend diskutierten Medienminister Gernot Blümel, Infrastrukturminister Norbert Hofer und die Parteichefs Matthias Strolz (Neos) und Christian Kern (SPÖ) auf Puls 4.
Am Mittwochabend diskutierten Medienminister Gernot Blümel, Infrastrukturminister Norbert Hofer und die Parteichefs Matthias Strolz (Neos) und Christian Kern (SPÖ) auf Puls 4.

Die innenpolitische Debattenpause im Fernsehen ist also vorbei. Erstmals seit der Angelobung der neuen türkis-blauen Regierung am Montag vor Weihnachten trafen am Mittwoch in "Pro & Contra" auf Puls4 Vertreter der Regierung auf Vertreter der Opposition. Die kleine Zeitreise zurück in die Wahlkampfzeit vor drei Monaten ließ einen schon kurz nach der ersten Werbepause mit der Frage zurück: "Wie haben wir solche Diskussionen eigentlich täglich ausgehalten?" Eine zweite Frage blieb ebenso unbeantwortet: Wieso waren nur die Klubobmänner von SPÖ und Neos zu Gast und niemand von der Liste Pilz?

Das angetretene Männer-Quartett war jedenfalls eines, in dem alle bis auf Neos-Chef Matthias Strolz in neuer Rolle auftreten konnten (oder mussten). Der neue ÖVP-Kanzleramtsminister Gernot Blümel nannte den früheren Bundeskanzler Christian Kern mit hörbarer Genugtuung immer wieder "Herr Klubobmann" - und dieser konterte nüchtern mit "Herr Blümel". Höflicher war Blümels Regierungspartner Norbert Hofer, wenn auch nur bei der Anrede. Er sprach Kern hie und da noch mit "Bundeskanzler" an, was seine Angriffigkeit vor allem gegen Ende der Sendung nicht minimierte. 

Ganz bei sich und in seiner (Wahlkampf-)Rolle blieb Strolz, als er betonte, wie sich die Neos im neu gewählten Parlament positionieren werden: "Als Kontrollkraft, Hüter der Verfassung und Reform-Turbo." Das ging nicht, ohne die "Fürsten der Finsternis" zu erwähnen, die die Neos aus dem Dunkel treiben wollten. Selbstironischer Nachsatz: "Sie kennen mein Lied, ich habe es an jeder Ecke gesungen". Danke, wir haben es noch nicht vergessen. 

Zum Einstieg ging es um das Liebäugeln der FPÖ mit europafeindlichen Gruppierungen. Wie könne es etwa sein, dass man sich als Regierung mit dem Mascherl "proeuropäisch" schmücke und dennoch am Tag der Regierungsbildung einen Abgeordneten der FPÖ zu einem Treffen rechter Gruppierungen entsende, die die "Zerstörung der EU" anstreben. Das wollte Strolz von Norbert Hofer wissen. Der entgegnete gespielt verständig, aber doch herablassend: "Sie müssen skeptisch sein. Aber seien Sie nicht zu skeptisch. Messen Sie uns an unseren Taten." Als Strolz ihn aufforderte: "Dann fahren Sie nicht mehr hin!", wechselte Moderatorin Corinna Milborn allzu schnell das Thema, anstatt stärker nachzufragen. Ausgewichen war Hofer schon den Fragen von Christian Kern zur jüngsten Reise des neuen FPÖ-Klubobmanns Johannes Gudenus nach Banja Luka in die Republika Sripska zur Feier des verfassungswidrigen "Nationalfeiertags". Und auch Regierungspartner Blümel ging in seiner kleinen proeuropäischen Werberede erst gar nicht auf die Gudenus-Reise ein. Öffentliche Kritik passt auch schwer zum "neuen konstruktiven Stil" in der neuen Regierung, den Blümel so gerne betont. 

Hören Sie mit den depperten Stehsätzen auf! 

Weitgehend erwartbare Positionen von allen Diskutanten waren beim Thema Arbeitslosenmaßnahmen zu hören. Wobei hier Hofer mit der Aussage aufhorchen ließ, er könne sich einen Vermögenszugriff auf unwillige Langzeit-Arbeitslose sehr wohl vorstellen: "Es wird Fälle geben, wo dieser Zugriff auch fair und gerecht ist." Insgesamt wirkte die Runde deutlich erholter und zahmer als vor der Wahl. Ein paar harte Pässe gab es zwischen Strolz und Hofer. Der Neos-Chef gab sich an einer Stelle sehr gereizt: "Hören Sie auf mit den depperten Stehsätzen". Auch Kern und Hofer lieferten sich einige scharfe, mit Herablassung gewürzte Auseinandersetzungen. Am Ende seufzte Kern in die Richtung des neuen FPÖ-Ministers: "Verzweifelt bin ich nur, weil ich jetzt mit ihnen das Vergnügen hab."

Nachtrag: Puls 4 hat seine wöchentliche Politikdiskussion mit dieser Ausgabe überraschend von Montag auf Mittwoch verlegt. Infochefin Corinna Milborn erklärte das via Twitter Anfang der Woche so: "Der Mittwoch ist frei." Früher habe es an diesem Tag den "Club 2" gegeben, dessen Neuauflage in den späten 2000er-Jahren Milborn selbst hie und da moderiert hat, und "Am Punkt" auf ATV. Jetzt gäbe es an diesem Abend schon länger nichts mehr - "und so setzen wir eine politische Diskussion in die Mitte der Woche, anstatt "Im Zentrum" und "Pro & Contra" an aufeinanderfolgenden Tagen.

Die Sendung ist hier zur Gänze abrufbar.

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