TV-Beobachtungen

RTL-"Bachelor": Am TV-Olymp

Oh mein Gott. Es ist so schön. Echt jetzt. Zum Start der neuen, achten Staffel des "Bachelor" auf RTL.

Rose statt Apfel.
Rose statt Apfel.
Rose statt Apfel.

Ich schaue seit Jahren nicht mehr fern. Ich bin Kunstkritikerin. Feministin. Und ich soll mir den „Bachelor“ anschauen, Beginn der achten Staffel, Mehrheitsprogramm im deutschen Privatfernsehen, fast fünf Millionen Zuseher im Schnitt. Oh mein Gott! So sagt man das hier als Frau; einer von gefühlten drei Sätzen, die Frau glaubt, hier überhaupt sagen zu dürfen. Neben „Ich bin so aufgeregt!“. „Er ist so schön!“ Und er, Daniel, 32, Immobilienmakler in Florida, sagt dazu: „Wenn ich verliebt bin, folge ich meinem Bauchgefühl.“ „Schnelle Autos sind einfach geil.“ Und: „Ich bin bereit für die große Liebe.“ Korken knallen, auf Fingerschnips öffnet sich eine Rosenblüte. Aus der Limousine steigen 22 dürre Grazien mit langen Haaren, Tattoos und unglaublichen Higheels. Und ich brauch einen Schnaps.

Nichts einfacher, als sich in Zeiten von „metoo“ und Frauenvolksbegehren über Parallelwelt-Formate wie den „Bachelor“ lustig zu machen. Aber wer lebt eigentlich in der Parallelwelt? Und ist es wirklich eine? Ist sie nicht einfach nur anders kodiert, greller, simpler, vielleicht ehrlicher? Wir hier haben nicht alle lange Extensions in den Haaren. Nicht alle Tattoos. Rufen auch nicht dauernd nach Gott. Brauchen keine schnellen Autos, keine Whirlpools, keine Rosen und das ganze kapitalistische Unterschicht-Luxus-Idyll. Aber Liebe? Und Mythen?

Sind die Geschlechterrollen weniger archaisch verteilt im durchschnittlichen Burgtheater- oder Staatsopern-Programm als in dieser TV-Regietheater-Version des „Urteil des Paris“? Paris vergibt statt des Apfels eben Rosen und der Zicken-Krieg, der danach einsetzt, ist durchaus mit den Tiefen des Trojanischen Krieg vergleichbar. Man geht sogar mit der Zeit, beim Bachelor-Format gibt es die totale Gleichberechtigung der Geschlechter, es gibt immerhin auch die „Bachelorette“.

Fremdschämen kann man sich da wie dort gleichermaßen für Paris, der ja die Schönheit der Weisheit und der Macht vorgezogen hat. Und für Daniel, der tatsächlich u. a. einer Frau die Rose gibt, die im ersten Gespräch auf Daniels Information, dass sein Hündchen „Bella“ heißt und auch genauso schön sein, tatsächlich „Danke“ sagte. Das wäre einer echten Venus zumindest nicht passiert. Und jetzt lass ich euch schon, mögen die Spiele beginnen, wie eine von euch es sagt. Damn right.

 

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