Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Passant in ORF-Beitrag

Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen jenen Mann auf, der im umstrittenen ORF-Beitrag über den Wahlkampf von FPÖ-Tirol-Spitzenkandidat Abwerzger anscheinend antisemitisch äußerte.

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FPÖ-Tirol-Spitzenkandidat Abwerzger (l.) im Gespräch mit einem Mann. Die Sequenz, gefilmt vom ORF, wurde zum Politikum. – Screenshot ORF

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen jenen Mann eingeleitet, der in dem umstrittenen ORF-Beitrag über den Tiroler FPÖ-Wahlkampf des Spitzenkandidaten Markus Abwerzger anscheinend antisemitisches Gedankengut von sich gab. Man ermittle wegen des Anfangsverdachts des Verbrechens nach dem NS-Verbotsgesetz, sagte ein Sprecher und bestätigte einen Bericht des ORF Tirol.

Derzeit laufe das Verfahren gegen Unbekannt, weil man ja die Identität des Mannes noch nicht kenne, erklärte Sprecher Florian Oberhofer. Der ORF hatte die FPÖ im Olympischen Dorf in Innsbruck bei ihren Wahlkampfaktivitäten begleitet. Der alte Mann sagt etwa: "Wir sind militärisch ausgebildet worden bei der HJ, wir haben alles gehabt, Ordnung und Zucht ist gewesen, das steht fest, und das andere ist uns nichts angegangen, das Politische, was sie da mit den Juden gehabt haben. (...) In der Kirche hat es geheißen, die stinkerten Juden, heute darfst du das nicht sagen, da bist du sofort ein Nazi.

Der Bericht darüber sorgte für gehörigen Wirbel. Zunächst schien es, als ob Abwerzger die Aussagen des Mannes scheinbar widerspruchslos zur Kenntnis genommen hatte. Der Tiroler FPÖ-Chef bestritt dies, und eine schließlich vom ORF nachgereichte modifizierte Version bestätigte auch, dass Abwerzger dem Mann sehr wohl widersprochen hatte.

ORF-Generaldirektor AlexanderWrabetz steht nun unter Druck. FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger und ÖVP-Vis-à-Vis Thomas Zach nehmen ihn ordentlich in die Zange. Zach hält die jüngsten Fehler der ORF-Information für ein „Führungsproblem“ und findet, sie seien „dazu angetan, die Glaubwürdigkeit des ORF zu schädigen“.

Wrabetz beauftragte daraufhin Landesdirektor Helmut Krieghofer, bis Dienstag einen Bericht zur Causa vorzulegen. Inzwischen entschuldigte sich Krieghofer bei Abwerzger für den "Tirol Heute"-Beitrag vom Freitag. Die verantwortliche Redakteurin wurde als Moderatorin für die sonntägliche Diskussion der Spitzenkandidaten für die Landtagswahl abgezogen.

 

 

 

(APA/Red.)

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