"Bad Banks": Wer danach noch Banker werden will, ist mutig

TV-Notiz Der fesselnde Sechsteiler "Bad Banks", ein wenig schmeichelhaftes Hochfinanz-Porträt, entpuppt sich schon jetzt als eines der TV-Highlights des Jahres. Ab heute, Mittwoch, im ORF.

Bad Banks
Bad Banks
Paula Beer in "Bad Banks" – (c) ORF (ZDF/Sammy Hart)

Es passiert nicht oft, dass man beim Werbepausen-bedingten TV-Surfen gefesselt bei einer TV-Serie hängenbleibt und dann zur eigentlichen Sendung (ja, ich gestehe: "Germany's Next Topmodel") nicht wieder zurückkehrt. So passiert am Donnerstagabend bei "Bad Banks", dem fesselnd erzählten Arte-Sechsteiler, der in der Frankfurter Hochfinanz spielt.

Wer Paula Beer als junge, ehrgeizige Investmentbankerin Jana Liekam um ihre Karriere in der Finanzbranche kämpfen sieht, dem stellt sich bloß eine Frage. Wer will da arbeiten? Egoismus und Ellbogen dominieren, psychische und physische Zusammenbrüche scheinen an der Tagesordnung zu stehen.

Es mag sein, dass die Serie zu sehr Klischees bedient und möglicherweise eine Branche in Verruf bringt. Aber man hat nicht das Gefühl, dass das, was hier gezeigt wird, allzu weit von der Realität abweicht. Natürlich komprimiert und dramatisiert "Bad Banks", aber letztlich soll dieses fein inszenierte TV-Ereignis, bei dem Christian Schwochow Regie führte, ja unterhalten. Hier wird auch nicht angeklagt oder moralisch verurteilt, es wirkt eher so, als würde man eine selten gewährte Innensicht der Dinge erhalten.

Tolle schauspielerische Leistungen

Die Serie überzeugt vor allem durch eine tolle Besetzung. Paula Beer spielt ihre Rolle nicht, sie lebt sie. Dank des Drehbuchs ist sie keine eindimensionale karrieregeile Bankerin, sondern eine nach Anerkennung strebende junge Frau. Wenn sie dann physisch zusammenbricht, versucht, dies vor ihrem Chef zu verbergen und dieser harte Kerl plötzlich wider Erwarten mit größtem Verständnis reagiert, wird das auch auf der gemütlichen Seite des TV-Geräts physisch spürbar. Das ist schlicht ein großer TV-Moment.

Viel trägt die perfekte Besetzung - bis in die kleinste Nebenrolle - dazu bei, dass das Gesehene haften bleibt. Herausragend sind Désirée Nosbusch als Christelle Leblanc, einer Meisterin der Manipulation, sowie Barry Atsma, der den charismatischen Chef der Deutschen Global Invest mimt. Auch der österreichische Publikumsliebling Tobias Moretti als Finanz-Bösewicht Quirin Sydow darf sich von seiner diabolischen Seite zeigen.

"Bad Banks" ist ein gelungener Beitrag, wenn es darum geht, die Ereignisse der Finanzkrise 2007 besser zu verstehen. Die beschriebenen Mechanismen (Gier, Ehrgeiz, Adrenalin, Machtrausch) trugen damals einen wesentlichen Teil dazu bei, dass die Welt am finanziellen Abgrund stand. Und die Serie ist auch ein Beweis dafür, dass nicht nur Hollywood ("The Big Short", "Margin Call") aktuelle und brisante Themen, packend umzusetzen weiß. Schade nur, dass die Folgen nach der Live-Ausstrahlung am Donnerstagabend in der Arte-Mediathek nicht in Österreich abrufbar sind. Dafür zeigt das ZDF sie online schon alle vorab.

Der TV-Sechsteiler "Bad Banks": am 6., 7. und 9. März 2019 um circa 22.00 Uhr jeweils in Doppelfolgen in ORF eins

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      "Bad Banks": Wer danach noch Banker werden will, ist mutig

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.