Neue Richtlinie für Social Media-Auftritte von ORF-Journalisten

Nach einigen heiklen Vorfällen soll es nun Änderungen beim Qualitätsmanagement geben. Im Fokus stehen auch strengere Regeln für Social Media.

Die "New York Times" könnten als Vorbild dienen.
Die "New York Times" könnten als Vorbild dienen.
Die "New York Times" könnten als Vorbild dienen. – APA/AFP/LOIC VENANCE

Dem ORF wird seit einiger Zeit genau auf die Finger geschaut. Nachdem es in den vergangenen Monaten mehrere Vorfälle (vor allem bei der politische Berichterstattung) gab, wurden einzelne Fehler und Vorwürfe stark diskutiert. Heute legte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz dem Stiftungsrat mehrere geplante Maßnahmen vor, um aus Fehlern lernen zu können. So soll künftig eine "strukturierte Ablaufanalyse" helfen, zu klären, was schiefgelaufen ist.

Wrabetz verspricht mehrere Änderungen beim Qualitätsmanagement im journalistischen Bereich. Bei der heutigen Sitzung des Aufsichtsgremiums präsentierte er fünf Punkte - unter anderem soll nun eine neue Richtlinie für Social Media-Auftritte von ORF-Journalisten kommen. Damit soll die Frage geklärt werden, was genau ORF-Journalisten auf Plattformen wie Facebook und Twitter posten dürfen.

Der "weiteren Steigerung der Glaubwürdigkeit" dienen soll eine neue Social-Media-Richtlinie, wobei sich Wrabetz internationale Beispiele ansehen will. In der Sitzung nannte er etwa die "New York Times" als Beispiel. Deren Richtlinie ist um einiges strenger als das, was bisher für den ORF galt (nämlich im Prinzip: "Tue nichts Dummes"). Bei den Hauptpunkten, die für die Journalisten der "New York Times" gilt, ist etwa zu lesen, dass die Journalisten bei Posts auf den sozialen Medien keine Parteiinteressen ausdrücken, politische Ansichten bewerben oder angriffige Kommentare machen sollen.

Es gibt auch einen Passus, der die ganz praktischen Dinge des Alltags betrifft: Es sollen keine Kundenbeschwerden auf den sozialen Medien gemacht werden. Und ein anderer Punkt, den viele Journalisten in Österreich derzeit wohl anders handhaben: Man solle Gruppen auf Facabook meiden, die parteiliche Interessen haben könnten. Auch private Gruppen. In Österreich ist es nicht unüblich, Parteien oder Politikern zu folgen - einfach, um informiert zu sein.

Meinung und Kommentar besser trennen

Wrabetz will außerdem die redaktionellen Verantwortlichkeiten - etwa Sendungsverantwortliche oder Chefs vom Dienst - transparenter ausweisen. Weiters will er eine interne "Qualitätskonferenz" mit den Chefredakteuren und einem Vertreter der Landesstudios einrichten, die voraussichtlich vierteljährlich zusammentreten und sich der Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements widmen soll. Und schließlich soll es auch "Maßnahmen zur Trennung von Meinung und Kommentar" geben bzw. das Bewusstsein dafür geschärft werden.

Ein neues Qualitätsmanagement hatte bereits vor Sitzungsbeginn der bürgerliche Freundeskreis-Leiter Thomas Zach gefordert. Er sieht die "Fehlerkultur" des Öffentlich-rechtlichen nicht zuletzt wichtig für die "Gebührenlegitimierung". Weiteres Anliegen, weil wesentlich für die Zukunft des ORF, sei ihm neben der Standortfrage auch die Regionalität als "unzweifelhafter USP", sagte er gegenüber Journalisten. Das Memorandum der Bundesländer-Stiftungsräte, die mehr Programm aus den und mehr Kompetenzen für die Landesstudios fordern, "unterstütze ich zu 100 Prozent".

Zu den Richtlinien der New York Times >>>

(Red./APA)

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