ORF-Minus 2009 deutlich geringer als prognostiziert

Der öffentlich-rechtliche Sender schreibt ein Minus von 44 Millionen Euro, also neun Millionen weniger als erwartet. Für ORF-Chef Wrabetz ist das ein Ergebnis des Sparpakets, 2008 lag das Minus bei 80 Millionen Euro.

(c) ORF (Thomas Jantzen)

Das negative Jahresergebnis des ORF fällt für 2009 doch deutlich geringer aus, als zuletzt erwartet wurde. Der öffentlich-rechtliche Sender schreibt voraussichtlich ein Konzern-Ergebnis (EGT) von rund minus 44,5 Millionen Euro. Er dürfte damit um etwa neun Millionen besser abschließen, als im Herbst prognostiziert. Dies teilte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Dienstag dem ORF-Stiftungsrat mit. Gegenüber 2008 wurde der Verlust annähernd halbiert: Damals lag das Minus bei 79,7 Millionen Euro.

Grund für diese Entwicklung waren unter anderem bessere Umsatzerlöse im vierten Quartal sowie Einmaleffekte beim Personalaufwand aus den Kollektivvertragsabschlüssen. Außerdem wurden Urlaubstage und Überstunden stark abgebaut, was Auswirkungen auf die Rückstellungen hatte.

Sparprogramm geht weiter: 76 Mio. Euro

So habe der ORF auf der Kostenseite eine deutliche Reduktion erwirkt, meint Wrabetz. Die betrieblichen Gesamtaufwendungen konnten demnach 2009 gegenüber 2008 um rund 67 Millionen Euro gesenkt werden. Wesentlichen Anteil daran hatten die Personalaufwendungen: Sie sanken von 404,7 Millionen 2008 auf voraussichtlich 375,3 Millionen Euro im Jahr 2009. Dies liege laut ORF-Geschäftsführung zum einen an der Senkung der Personalkapazitäten und zum anderen an Einmaleffekten des ORF-Sparpakets. Der Personalstand des ORF sank bei den ständigen Mitarbeitern von 3648 Vollzeitäquivalenten 2008 auf 3524 Vollzeitäquivalente im Jahr 2009.

Das Sparprogramm soll im heurigen Jahr fortgesetzt werden. Nach aktuellem Stand des Maßnahmencontrollings für 2010 werde eine Kosteneinsparung in Höhe von rund 76 Millionen Euro realisiert werden, so Wrabetz. Dies entspreche einem definierten Erfüllungsgrad von 94 Prozent. Der ORF hatte im Vorjahr ein Pensionierungs- und Handshake-Programm gestartet, dessen Effekte ab heuer erst so richtig bemerkbar werden und das zu einer weiteren massiven Reduzierung des Personalstands führen werde, so der ORF-Chef.

Mehr Geld aus Gebühren, weniger aus Werbung

Die Umsatzerlöse des ORF betrugen 2009 in Summe 869 Millionen Euro. Im Jahr 2008 waren es 884,8 Millionen Euro. Die Erlöse aus den Rundfunkgebühren beziehungsweise Programmentgelten stiegen von 503,9 Millionen im Jahr 2008 auf 526,4 Millionen Euro im Jahr 2009.

Die Werbeerlöse sanken im gleichen Zeitraum von 263,3 Millionen auf 222,8 Millionen Euro. Der massive Konjunktureinbruch hat dabei die durch die TV-Digitalisierung erwarteten Werberückgänge noch beschleunigt. Abgemildert wurden die Gesamtverluste des Konzerns jedoch durch positive Ergebnisse der ORF-Tochtergesellschaften, die zusammen mit einem Plus von 21,1 Millionen Euro zu Buche schlugen (2008: 20,6 Millionen Euro).

Wrabetz: Am richtigen Weg

ORF-Chef Wrabetz sieht den ORF angesichts dieser finanziellen Entwicklung auf dem richtigen Weg. "Trotz der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, die mit voller Wucht zu Beginn 2009 auch am österreichischen Werbemarkt wirksam wurde, ist es uns gelungen, den Verlust durch konsequente Kostenmaßnahmen gegenüber dem Vorjahr fast zu halbieren und die unterjährigen Vorschau-Werte deutlich zu unterschreiten", sagt der ORF-Generaldirektor.

Die eingeschlagenen Kostensenkungsmaßnahmen würden auch 2010 fortgesetzt, um das angestrebte ausgeglichene Ergebnis zu erreichen. "Auch in den ersten Monaten des Jahres ist der ORF auf Kurs", so Wrabetz, der hofft, dass das neue ORF-Gesetz mit der Refundierung von 50 Millionen Euro Gebührenbefreiungen im Jahr 2010 rasch realisiert wird, damit diverse Filmprojekte, der Ausbau der Services für barrierefreien Zugang und die Modernisierung des Unternehmens fortgesetzt werden könnten.

Grasl: Geld in Programm stecken

Richard Grasl, seit Jahresbeginn Kaufmännischer Direktor des ORF, betonte die "harten Sparbemühungen" des vergangenen Jahres und der ersten Monate 2010. "Erfreulicherweise zeigen sich bereits jetzt sehr massiv die Effekte der gesetzten Spar- und Strukturmaßnahmen, denen im laufenden Jahr noch eine Reihe von einschneidenden Strukturänderungen folgen werden", so Grasl.

Dabei soll jeder verfügbare Euro in das bestmögliche Programm in Fernsehen und Radio fließen. "Nichts ist so wichtig, wie die Zufriedenheit unseres Publikums", meint Grasl. Er hofft auf die von der Regierung zugesagten zusätzlichen Gebührengelder. "Der Generaldirektor und ich sind bemüht, alle Verpflichtungen, die aus der Refundierung der Teilnehmerentgelte kommen werden, bereits in den laufenden Betrieb einzubauen. So werden wir auch mit Vorgriffen das Film- und Fernsehabkommen im erhöhten Umfang erfüllen und hoffen damit auch auf weitere wichtige Stimulanz und Erfolge für die österreichische Kreativwirtschaft."

Neues ORF-Gesetz Thema im Stiftungsrat

Das ORF-Jahresergebnis und das neue ORF-Gesetz werden auch Thema bei den ORF-Gremiensitzungen in der kommenden Woche sein. Der Finanzausschuss des ORF-Stiftungsrats tagt am Montag, am Donnerstag (25. Februar) findet dann die Plenarsitzung des ORF-Stiftungsrats statt, in der dieser zum voraussichtlich letzten Mal vor der Neubeschickung und -konstituierung des obersten ORF-Gremiums zusammentritt.

Helga Rabl-Stadler, die auf einem ÖVP-Ticket im obersten ORF-Aufsichtsgremium sitzt, hat unterdessen gegenüber der Tageszeitung "Der Standard" erklärt, dass sie aus dem Stiftungsrat ausscheiden werde, weil sie "keine Perspektive" sehe, von dort aus "im ORF Positives zu bewirken". Rabl-Stadler ist als Salzburger Festspielpräsidentin derzeit mit den Aufräumarbeiten rund um die Malversationen bei den Salzburger Osterfestspielen beschäftigt. Das BZÖ hat neuerlich die Rechtsanwältin Huberta Gheneff für den ORF-Stiftungsrat nominiert.

(APA/Red.)

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