FPÖ erneuert Konflikt mit ORF-Redakteuren

FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger droht mit der Streichung von Korrespondentenposten und der Entlassung von Redakteuren.

ORF-STIFTUNGSRAT: STEGER / WRABETZ
ORF-STIFTUNGSRAT: STEGER / WRABETZ
ORF-STIFTUNGSRAT: STEGER – WRABETZ / Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Wien. Der schon lange schwelende Konflikt zwischen FPÖ und ORF ist wieder neu ausgebrochen. FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger kritisierte am Samstag in den „Salzburger Nachrichten“ die Berichterstattung im ORF und löste damit heftige Kontroversen aus. Man werde von den Auslandskorrespondenten ein Drittel streichen, wenn sich diese nicht korrekt verhalten, sagte Steger und nannte als Beispiel die Berichterstattung zur Ungarn-Wahl. Diese sei einseitig abgelaufen. Außerdem drohte er ORF-Redakteuren mit „Entlassung“, sollten sich diese nicht an die Social-Media-Richtlinien des Konzerns halten.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz stärkte noch in der Nacht auf Samstag seinem Ungarn-Korrespondenten Ernst Gelegs den Rücken: Per Twitter teilte Wrabetz mit, er habe den Vertrag mit Gelegs „nach der ausgezeichneten Berichterstattung zur ungarischen Wahl“ bis 2021 verlängert. Außerdem kündigte er an, dass zu den 16 Korrespondentenbüros bis 2020 noch zwei weitere dazukommen würden. Unterstützung bekam Gelegs auch von anderen ORF-Journalisten. Redakteursratsvorsitzender Dieter Bornemann sprach von einem direkten Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und einem neuerlichen Tiefpunkt der Medienpolitik. Brüssel-Büroleiter Peter Fritz kritisierte, dass „ein ORF-Stiftungsrat gegen sein eigenes Unternehmen hetzt und einen untadeligen Kollegen erkennbar bedroht“. Den Vorwurf der „Hetze“ musste Fritz wenig später nach empörten Stellungnahmen aus der FPÖ zurücknehmen.

Unterstützung bekam der ORF von SPÖ und Neos. SPÖ-Mediensprecher Thomas Drozda forderte eine Klarstellung und Entschuldigung von Steger. Es sei befremdlich, dass ein Stiftungsrat, der sich anschickt, den Vorsitz im höchsten ORF-Gremium zu übernehmen, die Unabhängigkeit des Senders in Frage stellt. Die Auseinandersetzungen zwischen FPÖ und ORF sind nicht neu: Erst jüngst hatte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der den ORF und seinen „ZIB2“-Moderator Armin Wolf der Lüge bezichtigt hatte, seine Vorwürfe zurücknehmen müssen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2018)

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