ORF: FPÖ-Vertreter Steger zum Vorsitzenden des Stiftungsrats gewählt

Wie erwartet wurde Norbert Steger gewählt, es gab neun Gegenstimmen in dem 35-köpfigen Gremium. Steger preschte schon häufig mit ORF-Kritik und Änderungswünschen vor.

Steger bei der konstituierenden Sitzung am Donnerstag.
Steger bei der konstituierenden Sitzung am Donnerstag.
Steger bei der konstituierenden Sitzung am Donnerstag. – APA/GEORG HOCHMUTH

Der ORF-Stiftungsrat hat in seiner heutigen konstituierenden Sitzung den FPÖ-Parteienvertreter Norbert Steger zu seinem Vorsitzenden gewählt. Steger wurde von dem 35-köpfigen Gremium mit einer deutlichen Mehrheit gewählt – gegen ihn stimmten neun Stiftungsräte (darunter alle Betriebsräte außer Gudrun Stindl – von ihr kam die einzige Enthaltung). Franz Medwenitsch (er sitzt auf einem Regierungsticket im ÖVP-Freundeskreis) wurde einstimmig zum Steger-Stellvertreter bestellt.

Den Unmut (nicht nur) der Betriebsräte der ORF-Redaktion hatte sich Steger unter anderem deshalb zugezogen, weil er erklärt hatte, er wolle ORF-Korrespondenten „streichen“, wenn sie „nicht korrekt“ berichten. Auch sein Sager über einen „linken Endkampf" im ORF wurde nicht gut aufgenommen. Der Stiftungsrat ist das oberste ORF-Aufsichtsgremium und wird für vier Jahre bestellt. Seine Aufgaben und Verpflichtungen ähneln denen eines AG-Aufsichtsrats. Er bestellt unter anderem alle fünf Jahre den Generaldirektor, genehmigt Finanz- und Stellenpläne. Der Vorsitzende des Rats, nunmehr Steger, hat besonderes Gewicht: Bei Stimmengleichstand entscheidet sein Votum. Der ehemaligen Vizekanzler und FPÖ-Chef löst Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher (SPÖ) in der Funktion ab.

Neue Channel-Manager

Es stehen aber noch einige weiter greifende Veränderungen im ORF an. Mit vielen neu zu besetzenden Posten hat Generaldirektor Alexander Wrabetz eine neue, zusätzliche Führungsebene eingezogen. In den vergangenen Tagen liefen die Hearings für die neuen Channel-Manager für ORF eins und ORF 2 und die jeweiligen Chefredakteure.

Und die große Frage wird sein, wie sehr er sich gegen die Redaktion stellen wird. Die Abstimmungen der Redakteursversammlungen sind nämlich nicht ganz nach den Wünschen des ORF-Chefs gelaufen. Immerhin: ORF-eins-Infochefin Lisa Totzauer ist nicht nur seine Favoritin – sie erhielt am Dienstag auch eine deutliche Mehrheit der Versammlung. Bei ORF 2 ging die Abstimmung für den TV-Entwickler und stellvertretenden Programmdirektor Stefan Ströbitzer aus – er ließ mit deutlicher Mehrheit u. a. „Seitenblicke“-Chef Alexander Hofer hinter sich, der als Wrabetz' Favorit gilt.

Allerdings ist noch Geduld gefragt: Die Manager und Chefredakteure wird Wrabetz erst kommende Woche bestellen, wie er am Donnerstag in der Sitzung des Stiftungsrats sagte. Namen nannte er dabei nicht. Es muss laut Statut noch eine Aussprache mit dem Redakteursrat geben, bevor er Kandidaten gegen das Votum der Redakteure bestellen kann.

Neue Chefredakteure

Die Redakteure sprachen sich am Mittwoch jedenfalls bei ORF eins für Thomas Faustmann (derzeit stv. Info-Chef von ORF eins) als Chefredakteur aus. TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher gewann die Abstimmung für ORF 2. Wie gesagt bedeutet dies nicht, dass gerade Dittelbacher tatsächlich Chefredakteur wird. Manche sehen künftig Matthias Schrom an der Spitze von ORF 2. Er wäre der von der Regierung favorisierte Kandidat. Der 44-jährige Tiroler soll aus Sicht der FPÖ fair berichtet haben, was die Partei nicht allzu oft über Journalisten sagt. 

Stimmen gegen Steger

Gegen Norbert Steger als Vorsitzenden stimmten am Donnerstag folgende Stiftungsräte:

GEGENSTIMMEN:
Länder-Vertreter: Siggi Neuschitzer (einst von BZÖ/FPK bestellt, jetzt von der SPÖ-Landesregierung entsandt) und Norbert Kettner (SPÖ).
Parteien-Vertreter: Susanne Fengler (Liste Pilz), Heinz Lederer (SPÖ) und Hans Peter Haselsteiner (Neos).
Betriebsratsvertreter: Gerhard Berti (SPÖ), Christiana Jankovics (unabhängig), Stefan Jung (SPÖ) und Gerhard Moser (unabhängig).

ENTHALTUNG:
Gudrun Stindl (unabhängig)

Thomas Zach, Chef des ÖVP-Freundeskreises, verwies nach den Abstimmungen auf die "deutliche Mehrheit" für die neue Stiftungsrats-Spitze. "Es werden keine Schlachten ausgetragen und daher auch keine Siege errungen", sagte er aber zugleich. Man habe nun ein Vorsitzteam mit großer Erfahrung, sei damit gut aufgestellt und arbeitsfähig.

"Viel Weihrauch" versprüht

SPÖ-Freundeskreisleiter Heinz Lederer nahm "zur Kenntnis", dass der burgenländische Stiftungsrat Werner Dax für Steger war. Lederer selbst allerdings konnte der neue Vorsitzende nicht überzeugen. Er habe Steger etwa gefragt, "wie er in Zukunft mit Journalisten umgehen will, die ihm nicht passen". Steger habe angekündigt, er werde zurückhaltend agieren. Aber "wenn jemand so massiv und kräftig ins Medienhorn bläst", dann sehe er in solch einer Erklärung noch "keine positive Trendwende".

Auch Stegers Ausführungen zu Regionalisierung und vor allem in der Frage der Gebührenfinanzierung fand Lederer nicht ausreichend. Überhaupt sei in der Sitzung "viel Weihrauch" versprüht worden und Steger mit "enormen Samtpfoten" aufgetreten, kritisierte er.

 

Wrabetz (links) und Steger am Tag der Sitzung.
Wrabetz (links) und Steger am Tag der Sitzung.
Wrabetz (links) und Steger am Tag der Sitzung. – APA/GEORG HOCHMUTH

 

(i.w./rovi)

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