"Kleiner Brauner": Wie das deutsche Magazin "Spiegel" Österreich sieht

Anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft stellt sich das deutsche Nachrichtenmagazin die Frage, ob Österreich noch zur "Familie des Westens gehört".

Kleiner Brauner
Kleiner Brauner
"Kleiner Brauner": Damit spielt der "Spiegel" wohl eher nicht auf die Kaffeehauskultur in Österreich an. – Imago

Das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat die Übernahme des EU-Ratsvorsitzes durch Österreich per 1. Juli zum Anlass genommen, das Nachbarland in einer Reportage zu analysieren. Unter dem Titel "Kleiner Brauner" heißt es in der am Wochenende erschienenen Ausgabe, in Österreich laufe "ein Großversuch". Es gehe "um die Kraft der Demokratie im westlichen Europa".

"Es wirkt hysterisch zu behaupten, das Land und seine Hauptstadt Wien stünden politisch auf der Kippe, aber ganz und gar falsch ist es auch nicht", schreibt das Nachrichtenmagazin. Falsch sei es sicher, "immerfort einen Rückfall in die Dreißigerjahre zu beschwören". Berechtigt seien aber die Fragen danach, "ob Österreich eine aufgeschlossene, moderne Demokratie bleibt und bleiben will. Ob das autoritäre Denken noch weiter einsickert in die Gesellschaft. Und wie sehr das eigentlich doch recht gemütliche Alltagsleben in Freiheit und Wohlstand durch reaktionären Mutwillen verdorben wird."

 

Er versorgt ein Millionenpublikum mit engstirnigen, übelmeinenden, fremdenfeindlichen Postings.

Der "Spiegel" über Heinz-Christian Strache

Vizekanzler Heinz-Christian Strache wird im "Spiegel" als ein Mann bezeichnet, zu dessen "'Jugendsünden' ausgiebige Freizeitaktivitäten mit kriminellen Neonazis gehören". Nun versorge der FPÖ-Chef via Facebook täglich "ein Millionenpublikum mit engstirnigen, übelmeinenden, fremdenfeindlichen Postings", außerdem verbreite Strache "Fake News", etwa durch gefälschte Karikaturen und betreibe "plumpe Juristen- und Journalistenschelte."

 

Hat er Konzentrationslager gesagt? Nein. Hat er es gemeint? Und was sollten Öffentlichkeit und Wahlvolk verstehen?

Der "Spiegel" über Innenminsiter Kickl

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) kommt unter anderem mit dem Zitat zu Wort, dass man Asylwerber "konzentriert an einem Ort zu halten" seien. "Hat er Konzentrationslager gesagt? Nein. Hat er es gemeint? Und was sollten Öffentlichkeit und Wahlvolk verstehen?", fragt sich der "Spiegel".

Der "Spiegel" betrachtet Österreich als einen weiteren "Testfall in Europa, wie Ungarn, wie Italien, auch wie Großbritannien". Kulturell und politisch gehörte Österreich zweifellos "zur Familie des Westens". Nun stehe diese Gewissheit in Frage: "Es hat den Anschein, dass viele Österreicherinnen und Österreicher des mühseligen Aushandelns von Kompromissen derart überdrüssig geworden sind, dass sie sich autoritären Vorbildern zuwenden."

>>> "Spiegel"-Reportage: "Kleiner Brauner" [für Abonnenten]

(APA)

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