Sommersex auf Puls 4: Der kleine Schritt von der Oper zum Porno

TV-Notiz Die politische Diskussionssendung "Pro & Contra" widmet sich in einer Sommerreihe der körperlichen Liebe. In Runde eins ging es um Für und Wider von Pornografie.

Die Diskussionsrunde bei "Puls 4  Pro & Contra".
Die Diskussionsrunde bei "Puls 4  Pro & Contra".
Die Diskussionsrunde bei "Puls 4 Pro & Contra". – Screenshot

Es kann manchmal zum Nachteil werden, Erster bei etwas zu sein. Das beweist Puls 4 aktuell mit seinem Sommerprogramm. Weil der Sender in "Pro & Contra" schon Ende Juni seine Sommergespräche mit den Spitzenkandidaten aller Parlamentsparteien durch hatte, muss jetzt thematisch etwas Neues her. Also wagt er etwas "Ungewöhnliches für eine politische Diskussionssendung", wie Moderatorin Corinna Milborn Mittwochabend es nannte: "Wir reden über Sexualität und das in einer kleinen Reihe." Stimmt, in politischen Sendungen geht es, wenn überhaupt, eher nur um die Folgen von körperlicher Liebe. Stichwort: Karenzzeit, Kindergeld, Betreuungsplätze. Es sei denn Matthias Strolz ist zu Gast und redet wie kürzlich im Ö3-"Frühstück bei mir" über die Sexualtherapie, die ihn zu einem gelasseneren Menschen gemacht hat. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Zurück zur Sommersex-Reihe von "Pro & Contra". In Folge eins ging es um Pornografie und die Frage: "Ist sie schädlich für die Gesellschaft"? Das diskutierten fünf Gäste, deren Einstellung und Ansichten zum Thema schon in der Vorstellungsrunde erahnbar waren: Rechts Adrineh Simonian, eine Regisseurin für alternative Art-House-Pornos, die früher Opernsängerin war, zwischen einer Domina und der Betreiberin von "Lvstprinzip", des größten Sexblogs im deutschsprachigen Raum, Theresa Lachner. Links der einzige Mann der Runde, der christlich geprägte Psychiater Ralph Bonelli, der auch Gründer des Instituts für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie ist und Elke Prochazka, einer Psychologin von der Telefonhotlinie "Rat auf Draht".

Wilder Themen-Mix

Zu den spannendsten Aussagen der ansonsten erwartbaren, aber immerhin unverkrampft geführten Diskussion gehörten: Die Regisseurin, die sagt: "Der Schritt von der Oper zur Pornografie ist sehr sehr klein." Weil es hier wie da um Emotionen gehe und wie man diese möglichst authentisch auslebe. Zumindest bei "Fair Pornos", also "ästhetisch anspruchsvollen und feministischen Filmen", das Gegenteil von all dem Trash oder Mainstream-Porno, der sich leicht im Internet abrufen lässt. 

So leicht, dass schon Volksschüler einfach darauf Zugriff haben. Trotzdem fällt der Rat-auf-Draht-Psychologin, die seit 17 Jahren im Geschäft ist, auf, dass sich bei jungen Menschen "die Fragen zur Sexualität und das Wissen darüber nicht großartig verändert haben." Barrierefreie Pornos ersetzen also die Aufklärungsstunde nicht. Jo eh. War irgendwie klar. Dafür erfuhren wir von einer der Gründerinnen des ersten österreichischen Porn Film Festivals, dass Wien sich als prüde Stadt erwiesen hatte und es schwer war, das Festival auf die Beine zu stellen. Das ist doch irgendwie schade. Vielleicht sind Sendungen zu diesem Thema ja doch noch bitter notwendig.

In der einstündigen Diskussion ging es um Aufklärung von Volksschülern, gewaltreiche Pornos, Begriffe wie Facial Abuse, Fifty Shades of Grey und die Rolle von Pornos in Beziehungen - alles in allem ein ziemlich wilder Themenmix. Und natürlich ließ der Psychiater den Namen Sigmund Freud fallen. Der half ihm aber auch nicht, zum Schluss riet Theresa Lachner dem Porno-Skeptiker doch: "Sie sollten mal einen guten Porno sehen." Nächste Woche geht es übrigens um Liebe und Religion.

>> Die Sendung zum Nachsehen hier.

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