„Tatort“ Berlin: Selfie mit Leiche

TV-Notiz Wie kommt ein Toter in den Kaffeeautomaten? Das müssen die Kommissare Rubin und Karow in dieser traurigen Episode klären.

Tatort
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Krise im Team und zwei traurige Fälle: Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) ermitteln am "Tatort" Großstadt. – ORF

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

8 von 10 Punkten

Worum geht's in "Tiere der Großstadt"?

Ein Trupp junger Nachtschwärmer macht Selfies vor dem hochtechnisierten Kaffeeautomaten - sie finden die Leiche hinter der Scheibe "voll eklig", aber auch "geil". Es ist der Besitzer des Automaten, der offenbar beim nächtlichen Kontrollgang erstochen wurde. Kaum haben die "Tatort"-Kommissare Rubin und Karow die Ermittlungen aufgenommen, schon wird die nächste Leiche gefunden: Eine von ihrem Ehemann als vermisst gemeldete Joggerin liegt tot im Wald . . .

Worum geht‘s noch?

Was macht die Großstadt aus? Sie schläft nie (ein alter Mann, der nachts am Fenster steht, hat alles beobachtet). Sie ist hektisch und leuchtet in vielen Farben (Kamera: Max Knauer). Man kennt seine Nachbarn nicht (vor allem nicht die Tiere, die man im Asphaltdschungel nie vermuten würde). Sie verändert sich ständig und beherbergt Betriebe, die Maschinen entwickeln, "um anderen Leuten die Arbeit wegzunehmen".

Wer ermittelt in "Tatort: Berlin"?

Nina Rubin (eine sehr fitte Meret Becker) hat den Blues: Seit ihre Familie auseinandergefallen ist, versucht sie über gemeinsame Sportaktivitäten zumindest ein bisschen Kontakt zu ihrem älteren Sohn zu halten. Sie ist eine coole Socke - aber vor dem Überbringen der Todesnachricht heult sie los: "Ich hab das Faltblatt von der Polizeiseelsorge nie weggeschmissen, obwohl es überhaupt nicht hilft." Auch Kollege Robert Karow (Mark Waschke) ist ihr keine große Hilfe. Der ist selbstsüchtig und vergrault die strebsame junge Steber-Kollegin Anna Feil (Carolyn Genzkow), bis die den Aufstand probt.

Was gefällt?

Die Berliner machen es richtig: Egal, wie schlimm der Fall ist, Berlin bleibt einem immer als cooles Pflaster in Erinnerung. Die Geschichten werden flott erzählt, die Kameraperspektiven weichen gern von der Norm ab, das schafft Eindrücke.

Was gefällt noch?

Karow, der Einzelkämpfertyp, der niemanden an sich ran lässt, hat sich ein High-Tech-Heim eingerichtet. "Du siehst müde aus", stellt die elektronische Assistentin fest, als er heim kommt, "soll ich Dir einen Tee machen?" Ja, den nimmt der Egomane gern. Aber kommunizieren? In echt? Geht gar nicht - schon gar nicht, wenn Rubin mit ihm Privates besprechen will. Die zwei Kratzbürsten (ja, sie kann das auch) striegelt keiner glatt.

Was betrübt?

Letztlich sind beide Fälle vor allem eines: traurig. Denn nicht nur der alte Mann, der nachts immer aus dem Fenster schaut, fühlt sich einsam und verlassen. Ja, so ist sie auch. Die Großstadt.

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