Salafisten bringen die Hölle zurück

Philosophicum Lech. Die meisten Christen können heute über alte Schilderungen ewiger Verdammnis lachen. Im Islam ist das anders. Bericht von einem infernalischen Symposium.

Hans Memling, Höllenszene im Triptychon „Das Jüngste Gericht“, Danziger Marienkirche.
Hans Memling, Höllenszene im Triptychon „Das Jüngste Gericht“, Danziger Marienkirche.
Hans Memling, Höllenszene im Triptychon „Das Jüngste Gericht“, Danziger Marienkirche. – (c) akg-images / picturedesk.com

Carcer, Exitium, Confutatio, Pernicies, all diese Wörter für die Hölle zählt der – nur dem syphilitischen Wahn entsprungene? – Teufel in Thomas Manns „Doktor Faustus“ auf. Doch am liebsten sei ihm, sagt er, die derbe, deutsche und schalkhafte Rede, etwa von „Hellen und ihrer Spelunck“. Bald unerträglich kalt und dann wieder unerträglich heiß sei es dort, ein brüllendes Rasen zwischen den Extremen, dem künstlerischen Rausch nicht unähnlich, den sich der faustische Komponist ersehnt.

Die Hölle als Traumland der Künstler? Als „Heimstatt der Dichter“ schilderte Manfred Koch, Literaturwissenschaftler in Basel, sie beim Philosophicum Lech: Auch in Goethes „Faust“ komme „ohne den Teufel nichts wirklich Originelles zustande“, meinte Koch: Doch Goethe habe vor dieser „infernalischen Kreativität“ gewarnt, die aufkommende Industrialisierung das „veloziferische Zeitalter“ (von „velocitas“, Geschwindigkeit, und Luzifer) genannt. In diesem Sinn erscheine die moderne Hochleistungsgesellschaft „tatsächlich als eine Hölle auf Erden“.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2018)

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