ORFeins-Reform: "ZiB18" und Info-Magazin verdrängen US-Serien

ORFeins-Chefin Lisa Totzauer will mehr "Programm-Anker" setzten: Mit neuen "ZiB"s, Eigenproduktionen, einer Feuerwehr-"Challenge" und eigenen Serien wie "Walking on Sunshine".

Lisa Totzauer
Lisa Totzauer
ORFeins-Chefin Lisa Totzauer. – ORF

Am 13. Dezember wird ORFeins-Chefin Lisa Totzauer dem ORF-Stiftungsrat ihre Programmpläne präsentieren. Donnerstagabend gab sie vor Journalisten einen ersten Einblick und stellte dabei klar: "Wir können nicht ein Schema mit einem Schlag umsetzen und die größte Programmreform aller Zeiten machen - wir bauen ein Zielschema und es wird bis Ende 2020 dauern, bis es umgesetzt ist." Schritt für Schritt will sie dem Publikum "mehr Verlässlichkeit" bieten, jedem Wochentag "eine eigene Farbe" geben und so "Programm-Anker" setzen, die wichtig sind, damit das Zielpublikum auch immer wieder bei ORFeins reinschaut.

35 Minuten Magazin im Vorabend

Woran wird der Zuschauer die ORFeins-Reform als erstes bemerken? Im Vorabend: "Wir beginnen mit dem Zurückdrängen der US-Kaufware mit einer ,ZiB18' um 18 Uhr - in ähnlicher Länge wie die ,ZiB20' - und starten um 18.10 Uhr ein Vorabendmagazin". Über den Arbeitstitel für dieses Magazin werde sie kommende Woche entscheiden, so Totzauer. Angepeilt sei eine Länge von 35 Minuten - "aber das hängt damit zusammen, was in der Pilotierung funktioniert und was nicht". Gestartet werden soll "so früh wie möglich", Totzauer hofft auf Frühjahr 2019.

Gerade der Vorabend, in der Branche auch scherzhaft die "Todeszone" genannt, ist heikel. Der TV-Konsum steige ab 17 Uhr massiv, wenn die Zuseher nach der Arbeit nach Hause kommen. ORFeins solle für sie "die Docking-Station in die Welt" werden, so Totzauer. Den Programm-Gap zwischen dem Magazin und der "ZiB20" werde man "nicht von heute auf morgen" schließen können. Vorerst werden bis 20 Uhr jedenfalls weiterhin die bekannten US-Sitcoms laufen. Bis zur endgültigen Entscheidung sollen neue Sendungen ausprobiert werden: "Wir haben ab Herbst 2019 eine Vorabend-Fläche am Samstag definiert, wo wir viele Ideen testen werden. Wir haben mit unserer Zielgruppe nicht viel Erfahrung im Vorabend."

Was kommt, was muss weichen?

Totzauer will die einzelnen Wochentage auf ORFeins jeweils unter ein Motto stellen (ihnen eine "Farbe" geben). Bereits fix ist, dass der Mittwoch ein Info- und Thementag wird - mit "DOKeins"-Dokus und Information auch im Hauptabend. Gleichzeitig trägt Totzauer einen Traum ihres Generaldirektors zu Grabe: "Es wird kein tägliches Nachrichten-Magazin von einer Stunde geben. Auch keines am Mittwoch." Der Freitag wird der Tag, an dem es "unterhaltsam ins Wochenende" geht - mit "Kabarettgipfel", "Stadtkomödie" oder "Was gibt es Neues" zum Beispiel.

Auch eine "klassische Show" könne freitags laufen. Hier sehe sie derzeit aber wenig Innovatives am Markt. "Was wir aber schon sehen, ist, dass es immer mehr nationale, spezifische Produkte gibt." Sie wolle daher die Kreativität im Haus besser nützen und "Eigenentwicklungen wagen". Fix ist bereits, dass es eine "österreichische Challenge" mit "den mutigsten, engagiertesten freiwilligen Feuerwehrkräften" geben wird. "Sehr spannend, sehr emotional", verspricht Totzauer. Aber "sicher nicht am Freitag", denn dort müssten Shows "Glamour und Glitzer" bieten. Wie die "Dancing Stars" zum Beispiel, die ab 15. März 2019 wieder die ORF-Tanzfläche betreten. Totzauer denkt allerdings bereits über die weitere Zukunft dieser Show nach...

Problemzonen: "Dennstein und Schwarz", "Soko Kitz"

Ob der Serien-Montag bleiben wird, da will sich Totzauer noch nicht festlegen. Aber es gibt schon neue Serien für den Montag: Erst 2020 wird "Wischen ist Macht", eine fiktionale ORF-Comedy laufen, die laut Totzauer auf "großartigen Büchern" basiert. Vermutlich montags um 20.15 Uhr. Sicher an einem Montag (schon ab 7. Jänner) seht "Walking on Sunshine" am Hauptabendprogramm, eine bereits abgedrehte ORF-Dramedy von Regisseur Andreas Kopriva und Drehbuchautor Mischa Zickler (mit u. a. Robert Palfrader, Proschat Madani, Aaron Karl und Miriam Fussenegger), die unterhaltsam hinter die Kulissen einer TV-Wetterredaktion blickt. "Das passt genau in unsere Senderfarbe", sagt Totzauer: "Es hat ein Augenzwinkern und wir können da auch über den ORF selbst lachen."

Weil für ORFeins nicht passend, wird "Dennstein und Schwarz" mit Maria Happel und Martina Ebm auf ORF2 wandern. Auch "Blind ermittelt" mit Philipp Hochmair sei "ein schwieriges Produkt" für ORFeins. Auch "Soko Kitz gilt es zu prüfen, während das urbanere "Soko Donau" bei der Zielgruppe ganz gut funktioniert.

Das Lager ist "fast leer gespielt"

Bisher hat sich Totzauer darum bemüht, Sendungen on Air zu bringen, die zwar bereits fertiggestellt, aber nicht abgespielt waren (weil viele Kosten erst schlagend werden, wenn ein Film auch gezeigt wird). "Mir ist gelungen, das Lager fast leer zu spielen - das ist großartig, weil es schade ist, wenn wir Top-Produkte so lange nicht spielen, dass dann ein Nokia 3310 im Bild ist". Das Publikum bekommt nun alle "Cop Stories", noch zwei "Stadtkomödien", drei "Landkrimis" in diesem Jahr und 2019 noch zwei Staffeln "Vier Frauen und ein Todesfall" zu sehen. Das schaffe Potenzial, Neues "zügig on Air" zu bringen, sagt Totzauer - zum Beispiel David Schalkos "M – Eine Stadt sucht einen Mörder". Künftig werde nur noch gezielt für ORFeins und für einen bestimmten Sendeplatz beauftragt: "Es wird nichts mehr auf Halde produziert."

Generell will Totzauer mehr Eigenproduktionen (auch im Vorabend), mehr Österreichisches bieten. Man wolle "nicht provinziell" sein, aber habe herausgefunden, dass österreichische Produkte - ob fiktional oder non-fiktional - auch bei der jüngeren Zielgruppe steigende Relevanz haben: "Österreich hat wieder etwas Cooles. US-Ware kann man überall sehen und überall haben." Und noch etwas: "Neue Gesichter für ORFeins sind ein riesen Thema. Wir sind intensiv am screenen, weil wir mehr davon brauchen."

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