"Schweigekanzler" ist das Wort des Jahres – schon wieder

Die Gesellschaft für Österreichisches Deutsch hat das Wort des Jahres gewählt einen "terminologischen Wiedergänger". Auch "Oida" kommt wieder zu Ehren.

OeVP-SOMMERFEST: SCHUeSSEL / KURZ
OeVP-SOMMERFEST: SCHUeSSEL / KURZ
Alt-Kanzler und neuer Kanzler: Wolfgang Schüssel (hier mit seiner Frau Krista) regierte im Jahr 2005, Sebastian Kurz seit 2017. – APA/GEORG HOCHMUTH

Zum rot-weiß-roten Wort des Jahres ist - bereits zum zweiten Mal - der "Schweigekanzler" gewählt worden. Bei dieser Bezeichnung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) handelt es sich um einen "terminologischen Wiedergänger", hieß es von der Jury. Denn bereits 2005 war es auf Platz eins. Das Unwort des Jahres wurde "Datenschutzgrundverordnung".

Während im Jahr 2005 der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel über Wochen überhaupt keine öffentliche Äußerung von sich gab, vermeide Bundeskanzler Kurz wiederholt jedwede Reaktion zu für ihn unangenehmen Themen. Dies habe ihm die Titulierung "Schweigekanzler 2.0" durch einen führenden Politologen eingetragen, erläuterte die Jury. Die Suche nach dem Wort des Jahres wird jährlich von der Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) in Kooperation mit der APA veranstaltet.

#MeToo und Nichtrauchervolksbegehren

Den zweiten Rang erreichte das "Nichtrauchervolksbegehren", den dritten "#MeToo". Wegen ihrer "Originalität" verdienen nach Ansicht der Experten auch die Plätze vier und fünf eine besondere Erwähnung. Die Begriffe "Ponyzei" und "Gaulreiter" thematisieren beide die umstrittene Anschaffung von Pferden für die Polizei. Letzterer stellt zudem ein Wortspiel mit der Vorlage "Gauleiter" dar.

Die Wörter des Jahres

2017: Vollholler

2016: Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung

2015: Willkommenskultur

2014: situationselastisch

2013: frankschämen

2012: Rettungsgasse

2011: Euro-Rettungsschirm

2010: fremdschämen

Unwort "Datenschutzgrundverordnung"

Zum Unwort des Jahres wurde "Datenschutzgrundverordnung" gewählt. Ein "Wortungetüm", das für die an sich wichtige Zielsetzung des Schutzes der privaten elektronischen Daten stehe. Seine komplizierte und mit hohem bürokratischen Aufwand verbundene Umsetzung mache die Sache zu einer "Perversion des gut gemeinten Vorhabens".

Die Formulierung "konzentrierte Unterbringung", heuer auf Platz zwei des Unwort-Rankings, entwickelte sich aus einer Äußerung von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), der Asylwerber "konzentriert an einem Ort halten" wollte, um die Asylverfahren zu verkürzen. Den Anklang an die "Konzentrationslager" nahm er in Kauf, das "sei keine Provokation". Für einen auf die Verfassung vereidigten Innenminister sei dies jedoch eine bemerkenswerte Äußerung, begründete die Jury. Rang drei der Unwörter belegte "Arbeitszeitflexibilisierung". Obwohl der Begriff für alle Beteiligten grundsätzlich eine positive Maßnahme darstellen könne, führte die von der Bundesregierung eingeführte Reform zu einem Ungleichgewicht zugunsten der Arbeitgeber, sodass viele Arbeitnehmer das Gefühl haben, erpressbar zu sein.

Das Jugendwort 2018 - mit 2.606 aus 7.436 abgegebenen Stimmen - wurde "Oida". Das genuin österreichische Wort werde schon seit längerem verwendet, der Umfang seiner Bedeutungen sei jedoch größer geworden, erklärte die Jury. Zum Sieg habe möglicherweise auch der Umstand beigetragen, dass ein junger Mann für die Verwendung des Wortes im Gespräch mit einem Polizisten eine Verwaltungsstrafe von 100 Euro bekommen habe, führte die Jury aus.

Übrigens brachte vergangenes Jahr eine Frau der ganzen Welt das Wort "Oida" bei - it einem Video auf YouTube wurde Ewa Placzynska innerhalb weniger Stunden zum Internet-Hype.

Den zweiten Platz in dieser Kategorie erreichte "nice" - ein Superlativwort, das früher verwendete Wörter wie "super", "klass", "spitze", "toll" usw. ersetzt habe.

 

Strolz auch vertreten

Eine ungläubige Frage vom früheren Neos-Vorsitzenden Matthias Strolz hat es zum Spruch des Jahres geschafft. "Frau Minister, was ist mit Ihnen?!" wollte er im Rahmen einer Parlamentsdiskussion über die Abschaffung des Nichtraucherschutzgesetzes von Gesundheits- und Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) wissen. Diese hatte zuvor die Abschaffung des Rauchverbots und damit indirekt das Rauchen verteidigt.

Den Unspruch des Jahres tätigte Hartinger-Klein sinngemäß selbst in einem Fernsehinterview: "Man kann sicher von 150 Euro im Monat leben". Man werde trotz der geplanten Kürzung der Mindestsicherung "leben können", sagte die Sozialministerin auf oe24.tv. Auf die Bemerkung des Interviewers, "wenn man von 150 Euro leben kann", antwortete sie: "Wenn man die Wohnung auch noch bekommt, dann sicher." Der Ausspruch löste große Empörung und wochenlange Diskussionen aus.

An der Wahl nahmen heuer insgesamt 11.726 Personen teil, das bedeutet eine Steigerung von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Fachjury unter der Leitung von Rudolf Muhr von der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Universität Graz besteht aus elf Personen, darunter Sprachwissenschafter und Experten der vier Grazer Universitäten. Zur Auswahl der Kandidatenwörter wurde die APA-Onlinedatenbank AOM herangezogen.

(APA/red.)

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