'Am Schauplatz' braucht 'keine politische Unterstützung'

livechat Die ORF-Dokumentation "Am rechten Rand" sorgte für Aufregung, vor allem in der FPÖ. Der Sendungsverantwortliche Christian Schüller stellte sich den Fragen der DiePresse.com-User zur Skinhead-Affäre.

Schauplatz braucht keine politische
Schauplatz braucht keine politische
(c) DiePresse.com (Daniel Breuss)
  • 13:00  DiePresse.com.ModeratorLive im DiePresse.com-Chat: Der "Am-Schauplatz"-Sendungsverantwortliche Christian Schüller zur "Skinhead-Affäre" und den Vorwürfen der FPÖ. Ab jetzt geht's los.

  • 13:01  Christian Schüller

    Guten Tag! Bin sehr froh, dass ich mit den "Presse"-Online-Usern reden kann und freue mich auf alle Fragen!


  • 13:02  Dami2

    Wie geht's Ihnen eigentlich persönlich - was waren so ihre Haupttätigkeiten die vergangenen Tage?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    In erster Linie Fragen beantworten :)


  • 13:03  Piccolruaz R.

    Wann hören wir eine zusammenhängende Darstellung der Vorgänge von Moschitz und den anderen Beteiligten auf Seiten des ORF.

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Wir haben immer wieder versucht, die Vorgänge so lückenlos wie möglich darzustellen, trotzdem tauchen immer neue Fragen auf. In den letzten Tagen sind das allerdings Fragen, die Polizei, Justiz und FPÖ beantworten müssten.


  • 13:06  roger

    Wieviele Tonspuren hat das Originalband bzw. liegen alle Tonspuren unverändert am Originalband vor? Das vom ORF veröffentlichte Video hat 1.) verpixelte Gesichter und 2.) nur eine Stereospur - man kann also nicht behaupten, dass es nicht bearbeitet wurde.

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Das Originalband hat wie immer bei unseren Dreharbeiten vier Tonspuren. Bei der Vorführung vor Journalisten waren allen vier Spuren offen, was teilweise ein Tohuwabohu ergibt. Deswegen haben wir für die Onlineversion jeweils die Spuren angehoben, wo etwas drauf ist. Verpixelt haben wir die Gesichter, weil wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, in welcher Form wir die beiden Hauptfiguren auf Sendung bringen dürfen.


  • 13:07  Piccolruaz R.

    Wer außer Moschitz hat - vor Ort - noch an der Doku mitgearbeitet?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Da waren ein Kameramann und ein Tonassistent dabei, wie bei jedem "Schauplatz"-Dreh. Die beiden wurden von der Polizei einvernommen, aber dem ORF wurde bisher kein Einblick in diese Protokolle gewährt, die uns sicher weiter entlasten werden.


  • 13:11  jerome

    Wie finden Sie es, dass sich zwar die "Protagonisten" der polizeilichen Vernehmung gestellt haben, aber der Autor Hr.Moschitz nicht und er nicht einmal im Club2 Auskunft gegeben hat, wo sich sogar Strache den Zuschauern stellte und sich jeder Zuseher ein Bild von den Argumenten machen konnte und wie glaubwürdig halten sie die Version Philipps, der den wesentlichen Aussagen seiner Freundin und seines Freundes, widerspricht, diese Aussagen der beiden aber sehr detailreich sind und kaum anzunehmen ist, dass die Polizei ein Drehbuch diktiert. Hatten Sie nach der Einvernahme Kontakt mit Moschitz oder Philipp, weil Sie von einem Informanten sprachen, wonach die Polizei Druck ausgeübt haben soll?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Moschitz hat nur bei der ersten Einvernahme auf mein Anraten hin (ich war dabei) gesagt, dass er zuerst mit einem Anwalt und mit der ORF-Rechtsabteilung sprechen will. Seither gab es keinen Versuch mehr, ihn zu vernehmen. Am "Club 2" hat er nicht teilgenommen, weil er auch noch Beschuldigter ist, und wir durch einen solchen Medienauftritt nicht das Verfahren beeinflussen wollten. Die Aussagen von Philipp und Kevin widersprechen einander in manchem, und in vielem decken sie sich auch. Es braucht kein Drehbuch dazu, um den beiden eine bestimmte Version der Ereignisse nahe zu bringen, nämlich die: Der ORF hat euch wohl dafür bezahlt, Nazi-Sager von euch zu geben.


  • 13:13  R. Piccolruaz

    Sie haben noch vor den Interviews der Skins in Kurier und APA geäußert, dass sie bei der Polzei unter Druck gesetzt worden sind. Vom wem haben Sie das erfahren?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Einer der beiden hat nach der Vernehmung versucht unseren Reporter zu erreichen, er hat ihm aufs Band gesprochen. Der Inhalt: "Die haben alles versucht, um uns dazu zu bringen, den ORF zu belasten."


  • 13:16  metepsilonema

    Gehen wir einmal davon aus, dass die Aussagen der beiden Skinheads, die sie in ihren Interviews getätigt haben, korrekt sind. Wie würden Sie dann die Rolle von Journalisten beurteilen, die Personen über die sie eine Dokumentation/Reportage drehten, bezahlt haben, persönlich an den Drehort gebracht, und möglicherweise (das gilt nur für einen der beiden) dazu ermuntert haben, dort überhaupt hinzufahren. Ist das mit journalistischen Tugenden wie Genauigkeit, Unabhängigkeit, und Wahrheitspflicht vereinbar? Und erfüllt das die Erwartungen der Zuseher in das entsprechende Format?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Selbst wenn die Idee zu dieser Veranstaltung zu fahren, von uns gekommen wäre, halte ich das nicht für manipulativ, solange wir das in der Reportage klar sagen. Eben weil wir niemandem vorschreiben oder vorschlagen, was er sagen soll, ist es durchaus journalistisch interessant, mit der Kamera zu beobachten, wie zwei junge Männer die von einem "Führer" träumen, dann vor dem einzigen Politiker stehen, den sie gelten lassen, und in diesem Moment draufkommen, das auch der ihnen nicht aus ihrer Misere helfen kann. Ebenso interessant ist zu beobachten, wie FPÖ-Anhänger auf eine Gruppe reagieren, mit der sie nichts zu tun haben wollen. Es waren ungefähr 20 Rechtsradikale dort, nur zwei davon haben wir gekannt.


  • 13:19  Gerald

    Wurde das Transparent und die Filzstifte für das Transparent bei der FPÖ-Wahlveranstaltung mit der Hetzparole "Ihr seid der Dreck des Islam" vom ORF-Redakteur bereitgestellt? Oder wurde es tatsächlich von den Skins aus eigenem Antrieb gekauft und beschriftet?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Es war tatsächlich die Initiative der Skins (das ist auf dem Material sogar nachvollziehbar). Sie haben sich darüber geärgert, dass eine junge FPÖ-Anhängerin ein Plakat schrieb, auf dem sie sich von Nazis distanziert. Davon provoziert, beschlossen sie auch ihre Meinung zu Papier zu bringen. Sie erkundigten sich dann wo ein Papiergeschäft wäre (auch das ist auf Band) und verschwanden dann. Nach einiger Zeit hat unser Team sie wieder gefunden. Übrigens: Der allgegenwärtige FPÖ-Organisator hat ihre Plakate gelesen und genehmigt.


  • 13:21  Kein Grüner

    UNBESTRITTEN sind die TATSACHEN, dass das Geld für den Kauf von Kleidung in einem einschlägigen Geschäft vom ORF Redakteur Moschnitz (50 Euro) oder dem ORF stammt und dass die beiden mit einem ORF Auto zu einer 50 km entfernten Parteiveranstaltung chauffiert wurden. Haben diese beiden Taten für eine geplante und beabsichtigte Inszenierung Ihrer Meinung nach nicht der journalistischen Sorgfaltspflicht und Ausgewogenheit eines öffentlich-rechtlichen Mediums klar widersprochen?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Aus meiner Sicht war beides in Ordnung. Dass sie in unserem Drehbus mitgefahren sind hat keine zusätzlichen Kosten verursacht. Und außerdem haben wir in der Reportage deutlich gesagt dass sie mit uns unterwegs waren. Anders hätten wir einen Drehtag, an dem ein Besuch beim AMS, Einkaufen in dem Geschäft und die Parteiveranstaltung einzufangen waren, nicht geschafft.


  • 13:23  Zorn Gottes

    Sicher gut gemeint. Die Frage: das Inszenieren zum Zwecke der Diffamierung Andersdenkender ist ORF immanent oder verlangt das eine Konkurrenzpartei mit maßgeblichem Einfluss auf den ORF?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Ob sie es glauben oder nicht, die "Schauplatz"-Redaktion lässt sich seit 15 Jahren nicht von den Chefs dreinreden. Wir wählen unsere Themen selbstständig aus, und bringen die Geschichten ohne Einmischung auf Sendung. In diesem Bericht ging es nicht um die FPÖ! Was unser Anliegen war, weiß jeder der diese Geschichte gesehen hat.


  • 13:25  derletzteritter

    Wann machen Sie eine Sendung "Am linken Rand" und gehen mit zwei Hausbesetzern zu einer Fischer Veranstaltung und lassen die Internationale anstimmen und auf Pepi Stalin prosten? Denen müssten Sie nichtmal was zahlen und den Alk bringen die auch selber mit! Oder ist links von Ihnen kein Platz mehr?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Unlängst haben wir eine Reportage über die "Wagenburg-Leute" gemacht, eine eher anarchistische Gruppe, die in Wohnwägen leben will und deshalb immer wieder Probleme hat. Wir haben sie mit der roten Bezirksvorsteherin konfrontiert. Die hatte auch keine wirkliche Freude damit, hat aber dann versucht sich vor der Kamera mit den Leuten auseinander zu setzen.


  • 13:27  hubert_austria

    Herr Schüller, haben Sie die Kommentare zu Ihrem Gastkommentar hier in der Presse gelesen? Wenn ja, was sagen dazu, dass kein einziger Verständnis für Ihren Standpunkt signalisierte, sondern einstimmig alle gegen Sie und den ORF aufgetreten sind?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Es ist offenbar schwer, die Arbeitsweise einer Reportage-Sendung verständlich zu machen. Ich kann nur so viel sagen: Inszenierung und Manipulation ist überwiegend das Handwerk von Pressesprechern und von Journalisten, die aus Zeitmangel und unter Aktualitätsdruck solche Inszenierungen 1:1 übernehmen. Wir versuchen einen anderen Weg zu gehen, nehmen uns viel Zeit das Alltagsleben von "Normalos" kennen zu lernen und es dann mit den Mitteln der Reportage zu rekonstruieren.


  • 13:29  Dami2

    Wie glaubwürdig sind die Rechtsradikalen (aus diversen Interviews) - Ihre Einschätzung ....

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Wirklich eine schwierige Frage. Die beiden stehen vielfach unter Druck. Einen von ihnen kennen wir etwas besser, den anderen weniger. Ich bin sicher, dass auch die Umgebung auf diese Leute einredet. Allerdings fällt auf, dass Philipp während des "Club 2" selbstständig zum Telefonhörer gegriffen hat, um spontan seinen Protest gegen die Darstellung der FPÖ auszudrücken.


  • 13:31  Brunhilde

    Wie viel Geld haben die Skinheads insgesamt nun wirklich vom ORF erhalten?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Vom ORF die berühmten zweimal 100 Euro. Die sind belegt, wir sind in dieser Hinsicht ja wie ein Amt. Etwas genauso viel dürfte der Reporter im Laufe der drei Monate aus eigener Tasche beigesteuert haben. Da waren zum Beispiel so Dinge wie: "Ich bin nicht erreichbar, weil ich die Handyrechnung nicht bezahlen kann." Daraufhin hat der Redakteur in die Tasche gegriffen, weil es für ihn ja sehr wichtig ist, mit seinen Protagonisten in Kontakt zu bleiben.


  • 13:35  edwin felix

    S.g. Herr Schüller, mit etwas Distanz und wenn man die parteipolitisch motivierten Angriffe Straches und die grundsätzliche Frage der journalistischen Ethik ausser acht läßt: 1) Hat sich das "Schauplatz-Team" von den beiden Protagonisten nicht ziemlich verschaukeln lassen? Die kassieren mit ihren Interviews für diverse Medien jetzt noch kräftig ab (und widersprechen sich laufend). 2) Was könnte das Schauplatz Team künftig machen, um dem Vorwurf der "Inszenierung" besser zu entgegnen (Bsp: Zusatzbeitrag über gezahlte Honorare, zeitlicher Aufwand, Gesamtdrehzeit etc.) ?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Das ist wahrscheinlich überhaupt die schwierigste Frage beim Umgang mit Protagonisten, die in irgendeiner Form am Rand der Gesellschaft leben. Wie weit kann man es vertreten, jeden Tag mit einem Equipment aufzutauchen, das tausende Euro kostet, und jeden Tag 700 bis 1000 Euro für einen Drehtag zu bezahlen (das ist der internationale Preis), wenn man dann vor jemandem steht, der nicht einmal die Miete berappen kann? Eine kleine Geschichte dazu: Ed Moschitz hat für einen Bericht über eine moldawische Putzfrau einen Preis bekommen, der 6000 Euro ausgemacht hat. Am nächsten Tag hat er das Geld der Frau geschenkt, damit sie sich ihr Dach reparieren lassen kann. Auch eine Grenzüberschreitung?


  • 13:37  Kein Grüner

    Erklären Sie uns bitte den Unterschied: 1) Wenn Geld entweder vom ORF Redakteur Moschnitz oder vom ORF direkt für den Kauf von Kleidung etc. in einem einschlägigen Shop verwendet wird? Oder 2) Wenn (freie) Mitarbeiter einer Partei in einem Internetshop einschlägige Kleidung bestellen? Sie erinnern sich noch an den Skandal von vor ca. 1 Jahr? Wären da nicht EIGENTLICH und fairer Weise beide dahinterstehenden Organisationen (der ORF im Fall 1) und die Partei im Fall 2)) gleich zu behandeln?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Da sehe ich jeder Hinsicht einen riesen Unterschied. Soweit ich weiß, haben die einschlägiges Nazimaterial bestellt. Bei uns war das nicht der Fall. Es waren zwei harmlose T-Shirts. Außerdem geht es uns darum etwas aufzuzeigen, was wir für gesellschaftlich relevant halten, und den beiden Herren Sekretären ging es offenbar um ihre persönliche Befriedigung. Da sehen Sie keinen Unterschied?


  • 13:37  edwin felix

    ich muß mit einer Frage noch nachhaken: Inwieweit ist es Ihrer Erfahrung nach denkbar, dass Protagonisten in einer Reportage sich durch finanzielle Erwägungen steuern lassen und nur das sagen, was man von Ihnen erwartet? (Stichwort: Medienprostitution)

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Ich weiß, dass es dieses Phänomen leider gibt. Wir vom "Schauplatz" bemühen uns sehr, die Menschen so darzustellen, wie sie sich selber sehen. Das ist uns wichtig, denn wir sind neugierig auf die Menschen, und nicht auf unsere eigenen Vorurteile.


  • 13:38  Brunhilde

    Haben Sie Strache schon angezeigt?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Ich war heute früh beim Anwalt und bin dabei, die Anzeige so gut wie möglich zu dokumentieren.


  • 13:39  LUPO

    Sie haben im Standard Chat von 150% Wahrheit gesprochen, d.h. sie haben 50% dazu erfunden und somit eine neue „inszenierte“ Wahrheit geschaffen. Wie wahr ist ihr Wahrheitskonstrukt?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Sie haben jetzt die Fortsetzung unterschlagen: Ich sagte, mehr als 150% wäre übertrieben :)


  • 13:40  kripale

    Glauben Sie, dass der ganze Medienwirbel im Endeffekt der FPÖ nützt? Die stärkste Botschaft der letzten Tage ist ja aus meiner Sicht die Distanz der FPÖ von der extremrechten Szene... Hat sich der ORF da für eine kostenlose Werbekampagne für die FPÖ instrumentalisieren lassen?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Noch ist schwer zu beurteilen, wem dieser Wirbel nützen soll. Ganz ohne Hintergedanken wird Strache schon nicht das ganze Theater aufgeführt haben...


  • 13:42  audiophil

    S.g. Herr schüller, in der reportage "am rechten rand" hätte ich mir etwas mehr einblick in strukturen und organisation der rechten szene erwartet. war das nie angedacht oder war es einfach zu schwierig, an "besser vernetzte" protagonisten heranzukommen?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Wir wollten noch viel tiefer hineingehen. Das wäre auch möglich gewesen, wenn wir wie geplant am 16. April auf Sendung gegangen wären. Die zahlreichen Verdächtigungen und Unterstellungen haben uns aber gezwungen, den Sendetermin vorzuverlegen.


  • 13:44  Divers

    Planen Sie einen zweiten Teil der Reportage? z.B.: Wie haben wir dem Herrn Philipp geholfen, sich zu resozialisieren? Immerhin haben Sie ihm ja auch zur FPÖ nach Wr. Neustadt verholfen.

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Genau das ist unser Ziel. Am schönsten wäre es für uns, wenn wir bald zeigen könnten, dass Philipps oder Kevins Leben doch noch eine andere Wendung genommen hat. Ich glaube übrigens, dass Berichten hier zu wenig ist und hoffe, dass sich Sozialarbeiter oder einfach engagierte Bürger finden, die den beiden irgendwie auf die Sprünge helfen.


  • 13:46  Jack Bauer

    als rudolf nagiller vor rund 20 jahren im club2 von skinheads attackiert wurde, hatte diese szene noch ein wirklich kräftiges potential. nach dem sehen ihrer sendung hat man nicht das gefühl einer tief verwurzelten ideologie. das sind bloß frustrierte arbeitslose jugendliche, deren ausländerhass nicht einmal besonders ausgeprägt ist (siehe ihr freundschaften zu ausländern). wie hoch sehen sie das gefahrenpotenzial dieser szene heute?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Es könnte sein, dass die Szene in Österreich noch nicht so gefährlich ist wie in Deutschland. Wir nehmen auch nicht in Anspruch, dass Phänomen "Neonazis" umfassend behandelt zu haben. Was wir eher zeigen konnten: Wie junge Menschen ohne Perspektiven von Ideologien angesprochen werden, die sie zu reinen Opfern machen, und wie das sie hindert, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.


  • 13:49  grinch

    Verstehen Sie die künstliche Aufregung der FPÖ? Mir scheint eher so, als ob sich Parteiobmann Strache mehr über seine vermeintliche Komparsenrolle in ihrem Beitrag ärgert, als das diese gespielte Aufregung tatsächlich Substanz hätte. Oder anders gefragt: Lässt sich das "Am Schauplatz-Team" nun für politische Propaganda und Selbstinszenierung eines Stimmen hörenden Politikers einspannen?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Nein, wir lassen uns nicht einspannen. Ohne diesen ganzen Wirbel hätten wir die Wr. Neustädter Szene vielleicht sogar herausgeschnitten, weil wir aus dem Alltagsleben noch viel interessantes Material hatten, und wir nur über 35 Minuten Sendezeit verfügen. Wir wussten ja erst im Nachhinein, dass die beiden Skins dem FPÖ-Chef nichts Interessantes zu sagen haben, also hätten wir die Szene auch streichen können. Aber nach dem ganzen Wirbel ging das nicht mehr, da hätte man uns ja wieder Manipulation vorgeworfen.


  • 13:50  pink

    Freuen Sie sich eigentlich über die Schützenhilfe der Grünen, die nun einen der Polizisten anzeigen? Oder sehen Sie sich langsam als politischen Spielball?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Die ersten Tage sind wir ziemlich allein dagestanden. Und jetzt glaube ich dass wir inzwischen unseren Standpunkt klarmachen konnten. So gesehen brauchen wir keine politische Unterstützung.


  • 13:53  DP

    Sg. Herr Schüller. Wieso weigert sich der ORF die kompletten Bänder herauszugeben? Wie sie vermutlich gibt es ein OGH-Urteil als 1993, welches solche Fälle ganz klar regelt. Das Redaktionsgeheimnis, auf das sich der ORF beruft, bezieht sich nur auf Informanten/Zeugen, schließt jedoch (beschuldigte) Redakteure dezitiert nicht ein. Wann wird sich der ORF an den gesetzlichen Rahmenbedingungen orientieren und das "Staat in Staat"- Verhalten aufgeben?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Es geht hier nicht um den Schutz der Redakteure, und auch nicht um unsere beiden Protagonisten. Auf dem Material sind auch Menschen zu sehen, die nicht in unsere Sendung vorgekommen sind. Zum Teil sind das sehr junge Leute, und wir sehen keinen Grund, diese in eine polizeiliche Ermittlung hinein zu ziehen. Außerdem geht es tatsächlich ums Prinzip. Ich bin froh, dass es sich hier nicht um Linksextreme handelt, denn da hätte man uns unterstellt, wir wollen aus politischer Sympathie jemanden schützen. À propos "Staat im Staat": Wer bezahlt eigentlich die Inserate, auf denen die FPÖ uns am Wochenende ganzseitig anschütten konnte. Ist das nicht der Steuerzahler?


  • 13:54  Dami2

    Sollte sich herausstellen das die Kampagne der FPÖ auf einer "Konstruktion" mit Hilfe der Polizei basiert: Welche Maßnahmen setzt der ORF gegen die FPÖ?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Für den ORF kann ich nicht sprechen, ich bin da nur ein kleines Rädchen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es dann rechtliche Schritte geben wird.


  • 13:56  Kein Grüner

    Aus gegebenem Anlass ganz allgemein gefragt: Sehen Sie nicht auch eine inhaltliche und politische Schlagseite innerhalb des ORF (in Nachrichten- und in Journal-Redaktionen)? Oder finden Sie selber, dass der ORF zu 100 % (oder sehr nahe an 100%) ausgewogen berichtet? Dies ist KEINE rhetortische oder Scherzfrage!

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Was den "Schauplatz" betrifft, so sind wir schon bei allen Seiten heftig angeeckt. Wenn das für Sie Teil einer Antwort sein könnte.


  • 14:00  metepsilonema

    Es ist ein wesentlicher Unterschied ob Geld vor, während, oder nach einer Reportage bezahlt wird. Letzteres ist bedenkenlos, wenn das Verhalten der Protagonisten dadurch nicht beeinflusst wird (etwa wenn man sich revanchieren will, weil die Betreffenden arm sind, wie in Ihrem Beispiel). Können Sie deutlich machen wo für Sie eine Grenze zu ziehen wäre?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Über diese Grenzen reden wir sehr oft, und sie können mir glauben, dass ich nach 30 Jahren Journalismus ein Sensorium für diese Fragen habe. Was bisher gefehlt hat: Es gab keine schriftlich festgelegten Direktiven in dieser Sache, weil die Materie sehr kompliziert ist. Wir werden aber jetzt versuchen, schriftliche Regeln festzulegen, um es allen Kollegen/Innen leichter zu machen.


  • 14:01  Dami2

    Wird die Wahrheit geklärt?

    ANTWORT VON Christian Schüller:
    Ich hoffe das sehr, denn wir haben noch viele spannende Reportagen vor uns, und möchten endlich wieder normal arbeiten können.


  • 14:02  DiePresse.com.Moderator

    Im Namen der Redaktion danke ich Christian Schüller und allen Usern fürs Mitdiskutieren!


  • 14:03  Christian Schüller

    Es war ein spannendes Gespräch, und bei aller Kritik freut es mich doch, dass sie unsere Arbeit so genau beobachten.



''Schauplatz''-Chef Schüller: ''War heute früh beim Anwalt''

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