Falscher Relotius bietet Interviews an

Die Ironie ist keineswegs versteckt: Ein vermeintlicher Claas Relotius nutzt den Wirbel um die gefälschten Reportagen, um Medien zu gefälschten Interviews zu verleiten.

Der echte Relotius bei einer Ehrung im September. Wie sieht der falsche wohl aus?
Der echte Relotius bei einer Ehrung im September. Wie sieht der falsche wohl aus?
Der echte Relotius bei einer Ehrung im September. Wie sieht der falsche wohl aus? – (c) Max Bertani / Action Press / pic (Max Bertani)

Man könnte annehmen, dass ein Satiriker wie Jan Böhmermann dahinter steckt: Ein unbekannter Mann hat sich als Claas Relotius bei verschiedenen Redaktionen gemeldet und Interviews angeboten. Das deutsche radioeins, das zuerst per Mail kontaktiert wurde und dann noch mit dem Mann telefonierte, zitiert ihn: Er könne sich vorstellen, "zu allen Vorwürfen Stellung zu nehmen und über meine Arbeit beim 'SPIEGEL' wie auch über meine Zukunft (u.a. ein Buchprojekt) zu sprechen".

Ein lockendes Angebot, denn der Fall des Hochstaplers Claas Relotius, der jahrelang verfälschte oder erfundene Reportagen vor allem für den "Spiegel" verfasste, war der große Medienskandal des Jahres 2018. Radioeins hatte freilich Zweifel wegen eines Interviews und kontaktierte den Anwalt des echten Claas Relotius, der bestätige, dass es sich um einen Dritten handelt. Und dass er sich bei mehreren Medien gemeldet habe und "unter der vorgeblichen Identität unseres Mandanten Interviews anbietet". Der echte Relotius wolle derzeit jedenfalls keinerlei öffentliche Auftritte absolvieren oder Interviews geben.

Auch die stellvertretende "Spiegel"-Chefredakteurin Susanne Beyer sagte, dass sie seit einigen Tagen von einem Mann hören würde, der sich als Claas Relotius ausgebe. "Wir haben auch Fotos von ihm, da trägt er eine Mütze. Und er hält einen Journalistenausweis in die Kamera und da steht Claas Relotius drauf", sagte Beyer.

 

(rovi)

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