Netflix: Dieser Dandy machte Trump groß

Eine Dokumentation aus dem Jahr 2017 zeigt die schmutzigen Tricks von Roger Stone. Der Trump-Berater wurde jetzt im Zuge der Russland-Affäre vom FBI verhaftet.

Nixon ist sein Idol: Roger Stone hat sich dessen Konterfei sogar auf den Rücken tätowieren lassen.
Nixon ist sein Idol: Roger Stone hat sich dessen Konterfei sogar auf den Rücken tätowieren lassen.
Nixon ist sein Idol: Roger Stone hat sich dessen Konterfei sogar auf den Rücken tätowieren lassen. – (c) imago/ZUMA Press

Nach der Anhörung trat er wieder auf die Straße, wie aus dem Ei gepellt mit Stecktuch und streng zurückgekämmtem Haar, und breitete die Arme zu einem Victory-Zeichen aus – eine Geste, die zu seinem Markenzeichen geworden ist. Roger Stone hat am Dienstag vor Gericht auf nicht schuldig plädiert: nicht schuldig der Behinderung der Justiz, der faschen Zeugenaussage, des Versuchs der Beeinflussung anderer Zeugen. Nicht schuldig in allen von Robert Mueller im Zuge der Russland-Ermittlungen erhobenen Anklagepunkten. Etwas anderes war auch schwerlich zu erwarten. Eine von Stones Maximen lautet schließlich: „Deny, deny, deny, deny.“ Leugne, du findest immer Leute, die dir glauben.

Das wissen wir von einer Dokumentation aus dem Jahr 2017, die auf Netflix zu sehen und wieder aktuell geworden ist. Fünf Jahr lang haben Dylan Bank, Daniel DiMauro und Morgan Pehme den Trump-Berater begleitet. Ihn gefilmt, wie er eine Menschenmenge mit den Rufen „Lock her up“ gegen Hillary Clinton aufhetzt. Wie er das T-Shirt auszieht, um den Blick auf das Nixon-Tattoo auf seinem Rücken freizugeben. Wie er von seinen Maximen erzählt: „Think Big, Be Big“ etwa. Oder: „Das einzige, was in der Politik schlimmer ist, als falsch zu liegen, ist zu langweilen.“ Denn: „Politik ist Showbusiness für hässliche Leute.“

Plaudern aus dem Nähkästchen

Dann wieder grinst er in die Kamera und erinnert sich an seine ersten Schritte auf dem Feld der Politik. In seiner Schule wurde eine Wahl simuliert: Die Kinder sollten sich zwischen Nixon und Kennedy entscheiden. Stone, damals noch Anhänger des katholischen Kennedy, erklärte seinen Mitschülern, Nixon wolle die Sechs-Tage-Woche für Schulen einführen. Noch mehr Unterricht! Kennedy gewann die Wahl. Sogar die lokale Zeitung berichtete über das ungewöhnliche Ergebnis. „Damals verstand ich den Wert von Desinformation“, erklärt Stone vergnügt.

Das ist es, was diesen Film so unterhaltsam macht – und zugleich so informativ. Da plaudert einer ganz unbekümmert aus dem Nähkästchen und inszeniert sich dabei als rechter Dandy. Sitzt im Nadelstreifanzug vor einem Dry Martini (mit Olive) und ist stolz auf seine mit Paul Manafort und Charles Black gegründete Firma, die für Diktatoren wie Mobutu und Marcos lobbyierte: Immerhin habe er eine Menge Geld verdient. Tritt im schwarzen Anzug und weißer Nelke beim rechtsextremen Sender Info Wars auf. Trägt Fliege und Strohhut, während er davon berichtet, wie er für Ronald Reagan das Negative Campaigning erfand und die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung umging. Und sagt über den Präsidentschaftswahlkampf: „Ich habe nach einem Pferd gesucht. Du kannst kein Rennen gewinnen, wenn du kein Pferd hast. Und Donald Trump ist ein ganz exzellentes Stück Pferdefleisch.“

Roger Stone, der Präsidentenmacher? Klingt übertrieben, aber ganz falsch ist das wohl nicht. Trump selbst formuliert es nur ein wenig anders: „Roger wollte immer, dass ich kandidiere. Aber früher hatte ich daran kein Interesse.“ Und wenn man erfährt, wie Stone als Berater in den Wahlkämpfen für Reagan und Bush vorgegangen ist, kann man da schon eine Blaupause erkennen: der Appell an die „schweigende Mehrheit“. Der Versuch, die „Mainstream-Medien“ zu diskreditieren. Negative Campaigning, falsche Anschuldigungen, das Gerede vom Sumpf in Washington, von den Eliten, die das Land zugrunde gerichtet würden. Der Spruch „Make America Great Again“. Alles schon erprobt, aber im Trump-Wahlkampf zur Perfektion getrieben.

Wie es weitergeht mit Roger Stone? Auf Info Wars und Fox gab sich der Berater jedenfalls siegessicher. Man wolle ihn nur mundtot machen, weil er Trump unterstütze, aber das werde nicht gelingen. Man wird sehen. Leugnen mag in der Politik oft zum Erfolg führen. Lügen auch. Allerdings: Seinem Kompagnon Paul Manafort, der im Film ebenfalls ausgiebig zu Wort kommt, hat diese Strategie vor Gericht nichts genutzt: Er wurde wegen diverser Delikte verurteilt und kooperiert jetzt, um einer noch größeren Strafe zu entgehen, mit Sonderermittler Mueller.

„Get Me Roger Stone“, von Dylan Bank, Daniel DiMauro und Morgan Pehme, Erstausstrahlung 2017, Netflix.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Netflix: Dieser Dandy machte Trump groß

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.