Muss Apple den Zeitungen wirklich auf die Sprünge helfen?

Subtext Noch in diesem Jahr soll ein digitaler Zeitungskiosk eröffnen. Medien sollen im „Netflix für News“ aber weniger verdienen als bisher üblich.

Einen „shitty deal“ nannte ein Verlagsleiter das Angebot von Apple.
Einen „shitty deal“ nannte ein Verlagsleiter das Angebot von Apple.
Einen „shitty deal“ nannte ein Verlagsleiter das Angebot von Apple. – REUTERS

Sie gehört zu den drei häufigsten Fragen, die Journalisten zu hören bekommen: Wieso gibt es eigentlich nicht ein Netflix für Nachrichten oder ein Spotify für Artikel? Streng genommen ist die Frage nicht ganz korrekt, weil Marken wie Blendle, Read.it oder Readly mit ihren digitalen Zeitungsständen genau das schon eine Weile probieren. Ganz falsch ist sie aber auch nicht – weil es keine globale Plattform für Nachrichtenmedien gibt, die bisher annähernd so erfolgreich funktioniert wie Streamingportale für Musik und Film.

Der kalifornische Konzern Apple will das jetzt ändern und noch in diesem Jahr ein solches „Netflix für News“ um neun Euro pro Monat starten, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Doch das Teuflische an diesem für Medienhäuser eigentlich begrüßenswerten Plan liegt im Detail: Apple will nur 50 Prozent seiner Einnahmen durch diesen Dienst direkt an die Medien ausspielen und 50 Prozent behalten. Das ist ein ungewöhnlich hoher Erlösanteil. Bei Musik und Filmen liegt er bei 30 Prozent, und die betroffenen Branchen finden schon das zu viel. Zudem sollen die Einnahmen, oder zumindest ein Teil davon, nach der Nutzungsdauer abgerechnet werden. Nicht mehr der Klick zählt, sondern, wie lang Leser sich mit Texten, Fotos oder Videos einer Marke auseinandersetzen. Angeblich soll Apple auch nicht bereit sein, E-Mail-Adressen oder andere Informationen der Abonnenten herauszugeben. Daten, die für Verlage aber wichtig sind.

All das stößt bei Medien von „New York Times“ bis „Washington Post“ nicht auf Begeisterung. Einen „shitty deal“ nannte ein Verlagsleiter das Angebot. Und der deutsche Medienmanager Wolfgang Blau, Präsident von Condé Nast International („New Yorker“, „Vogue“, „Vanity Fair“), schrieb auf Twitter: „Apple liebt den Journalismus so sehr, dass es Verlagshäusern einen Deal anbietet, der noch schlechter ist als der, den die Musikindustrie bekommen hat.“

Aber sollte sich die Branche nicht eher freuen, dass sich nun doch ein großer Techkonzern aus den USA dazu aufrafft, einen schicken Kiosk für Magazine und Zeitungen zu errichten? Immerhin hat Apple mit dem iTunes-Store vor mittlerweile 15 Jahren dazu beigetragen, das Musikgeschäft wiederzubeleben. Vielleicht gelingt das nun auch im textlastigen Mediensegment.

Doch die Medienbranche ist mittlerweile sehr vorsichtig geworden. Die Erwartungen sind gering. Viele denken: Wenn es bisher trotz der Einführung von Tablets und nach Jahren des Paywall-Hypes nicht richtig funktioniert hat, wieso soll es jetzt gelingen? Und dass Apple mit so überzogenen und unfairen Forderungen in das neue Segment startet, verrät durchaus, wie es über periodische Medien (das Wort „gedruckt“ passt schon lang nicht mehr) denkt: Sie sind ein schwer(er) verkäufliches Produkt. Anders als Filmstudios, Musiklabels und Buchverlage bieten sie immer noch vorwiegend an, was anderswo frei erhältlich ist: Nachrichten. Die selbst recherchierten Artikel, die Kommentare, Interviews und Analysen gelten nicht automatisch als Unterhaltung. Ihre Lektüre ist tendenziell anstrengender als Filmschauen oder Musikhören.

Apple sagt den Medienhäusern also eigentlich von oben herab: „Wir bauen euch einen schönen Shop, der eure Produkte hübscher aussehen lässt. Allein habt ihr das bisher ja nicht geschafft. Aber umsonst gibt's das nicht.“

Das gilt auch umgekehrt. Zu billig sollten Medien ihre Inhalte nicht hergeben. Auch nicht an Apple.

E-Mails an: anna.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2019)

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