"Krone"-Chef Dichand sendet als "Aurelius" Botschaft an Benko

Christoph Dichand schreibt, wie schon sein Vater Hans, unter dem Pseudonym "Aurelius" über die "Unabhängigkeit" seiner Zeitung. Das liest sich auch als Warnung an den neuen Miteigentümer René Benko.

Der von "Aurelius" gezeichnete Text erschien am Freitag auf Seite 3 der "Krone".
Der von "Aurelius" gezeichnete Text erschien am Freitag auf Seite 3 der "Krone".
Der von "Aurelius" gezeichnete Text erschien am Freitag auf Seite 3 der "Krone". – Wallner

Schon sein Vater, Hans Dichand (1921-2010), schrieb in der "Krone" so manche Texte mit heiklem Inhalt oder einer besonderen Botschaft unter einem Pseudonym, entweder als „Cato“ oder „Aurelius“. Nun macht es ihm Sohn Christoph Dichand nach: In der „Kronen Zeitung“ vom Freitag (15. März) erschien auf Seite drei ein Text, gezeichnet von Aurelius, den man nur Chefredakteur und Herausgeber Dichand zuordnen kann. Darin weist er auf die „Unabhängigkeit“ der Zeitung seit ihrer Gründung am 11. April 1959 hin: "Das ist für uns mehr als ein Wort", schreibt er da und setzt fort: Schon oft hätten „verschiedene Kräfte versucht, Einfluss auf die Richtung der Redaktion zu nehmen“, aber: „Wir sind die ,Krone‘ und wir lassen uns von niemandem nehmen, was uns immer wichtig war und immer wichtig sein wird: den Respekt vor unseren Lesern, als deren Anwälte wir uns verstehen.“ Anlass für diese fast drohenden Zeilen ist weniger der bevorstehende 60. Geburtstag des Blatts als ein wichtiger Schiedsgerichtstermin Ende März. Dabei wird entschieden, ob die deutsche Funke-Mediengruppe, bisher Hälfteeigentümer von „Krone“ und „Kurier“, alle Anteile an den Tiroler Immobilienmakler René Benko verkaufen kann. Dichands Zeilen lesen sich also auch als Warnung an den möglichen neuen Hälfteeigentümer Benko. Der Unternehmer hat mit seiner Signa Holding bereits einen Teil der Funke-Anteile an der „Krone“ erworben.

Zwischen Funke und der Dichand-Familie, die bis 2018 je 50 Prozent an der größten Boulevardzeitung Österreichs hielten, kriselt es seit langem. Ende des Jahres stieg Benkos Signa Holding bei Funkes Beteiligungsfirma ein und hält seit Jahresende 49 Prozent an der Beteiligungsgesellschaft, über die die Funke-Gruppe 50 Prozent an der "Krone" und 49,44 Prozent am "Kurier" hält. Das reicht dem umtriebigen Unternehmer aber angeblich noch nicht. Viele Beobachter halten es für möglich, dass Benko die Verträge von Funke komplett zu bestimmten Bedingungen übernehmen will. Ein Knackpunkt soll laut dem Branchendienst "Etat" der garantierte Vorabgewinn für die Dichands sein. Dieser langjährige Streitpunkt soll Ende März wieder Gegenstand des neu eingerichteten Schweizer Schiedsgerichts sein.

"Krone" begrüßt Benko nicht mit offenen Armen

In der vom Benko-Einstieg im Vorjahr völlig überrumpelten "Krone" hinterlässt all dies seine Spuren. Zumindest publizistisch wurde er nicht mit offenen Armen begrüßt: Anderweitige Deals des Investors beäugt die "Krone" seit einigen Monaten recht kritisch, er selbst gilt ihr als "Milliardenjongleur". "Aurelius" persönlich kritisierte im Februar die Übernahme der Otto-Wagner-Post in Wien durch Signa. Das war wiederum "Österreich" eine Erwähnung wert, wie Wolfgang Fellners Blatt überhaupt kaum eine Gelegenheit auslässt, um in seiner Berichterstattung über "Österreichs erfolgreichsten Immobilien-Investor" zumindest in einem Nebensatz zu erwähnen, dieser sei bei der "Kronen Zeitung" gegen den Willen der Dichands eingestiegen.

Der nom de plume "Aurelius", davon gehen Beobachter aus, wurde jedenfalls mittlerweile von Christoph Dichand, Herausgeber und Chefredakteur der Zeitung, übernommen. Am Freitag jedenfalls, just, als auch der Gesellschafterausschuss der Mediaprint tagte, ergriff Aurelius wieder das Wort.

Apropos Jubiläum: Anfang April, rechtzeitig zum Geburtstag der Zeitung, erscheint das publizistische Geschenk der "Dossier"-Mannschaft an die "Krone". Die Rechercheplattform bat vor einigen Monaten um finanzielle Unterstützung für ein Magazin mit Hintergrund zum 60er der Tageszeitung. Es kam mehr als die erforderlichen 60.000 Euro an Startkapital herein, das Heft geht demnächst in Druck. Florian Skrabal sagt zur "Presse": "Aurelius hat in der ,Krone' auch eine Jubiläumsausgabe angekündigt. Wir werden sehen, ob wir dieselben Inhalte da drin haben werden."

(awa/APA)

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