"Das irre Ösi-Theater": FPÖ gegen ORF in der internationalen Presse

Was die Kommentatoren in den deutschsprachigen Nachbarländern zum „Ratten-Gedicht“ und dem Umgang der FPÖ mit dem ORF, insbesondere mit Armin Wolf, schreiben.

Die "Bild-Zeitung fragt: "Was ist da bloß los?"
Die "Bild-Zeitung fragt: "Was ist da bloß los?"
Die "Bild-Zeitung fragt: "Was ist da bloß los?" – (c) Screenshot

Wenige Interviews mit österreichischen Politikern erzeugten so viel Aufsehen wie jenes von Armin Wolf mit FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. Von der "Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über die „Süddeutsche" bis zur "Neue Zürcher Zeitung“ haben sich in den vergangenen Tagen viele Blätter mit diesem Gespräch und vor allem den folgenden Angriffen der FPÖ gegen ORF-Journalist Armin Wolf beschäftigt. Und damit, wie sich das auf Bundeskanzler Sebastian Kurz auswirkt.

Unter dem Titel "Das irre Ösi-Theater" schreibt die "Bild"-Zeitung, dass sich mittlerweile „immer mehr Beobachter auch im Ausland fragen“, was in Österreich los sei. Die Koalition stecke in einer ernsten Krise, heißt es in der "Bild"-Zeitung. "Es geht um üble Facebook-Postings, rassistische Karikaturen, ein Ratten-Gedicht aus Hitlers-Geburtsstadt Braunau - und um öffentliche Drohungen von Politikern gegen Österreichs Star-Moderator."

Dann listet die Zeitung die Abfolge der Ereignisse der letzten Tage in Form eines Vier-Akters auf, von der Anzeige wegen Verhetzung vonseiten der Islamische Glaubensgemeinschaft gegen FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache über das „Ratten-Gedicht“ bis zum Vilimsky-Interview in der „ZiB-2" und dessen Folgen. Die "Bild"-Zeitung schließt mit: "Fortsetzung folgt..."

In der "Welt“ heißt es unter dem Titel "Demokraten aus Pappmaschee":

"Dies verdeutlicht einmal mehr, auf welch dünnem demokratischen Pappmaschee die so überhaupt nicht Freisinnigen wandeln. (...) Das wundert kaum bei einer Partei, die sich konsequent und unnachgiebig als Hort von ekelhaften Dingen wie einem "Rattengedicht" oder von durch Wolf zu Recht hinterfragten klemmrassistischen Wahlplakaten institutionalisiert hat." Im Hinblick auf Kanzler Kurz heißt es: "Doch irgendwann stellt sich wohl auch für ihn, den bürgerlich Liberalen der Mitte, die Frage, ob es mit der FPÖ weitergehen kann."

In Bezug auf Wolf meint die "Welt": "Wer ihn bedroht, bedroht uns alle. Wir Journalisten, privat oder gebührenfinanziert, streiten gerne - aber bleiben solidarisch, wenn es darum geht, die Pressefreiheit zu verteidigen."

Unter dem Titel "Zerrbilder" schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung":

"Für die FPÖ ist das ORF-Bashing offensichtlich ein Wahlkampfschlager für die Europawahl. Der Name Wolf dürfte dabei vor allem dazu dienen, dieser Kampagne ein (antagonistisches) Gesicht zu geben. Doch bedeutet diese Analyse keine Entwarnung, der ganze Vorgang ist hinsichtlich der Medienfreiheit hochbedenklich. (...) Die FPÖ agiert wie eine populistische Opposition, aber sie ist Regierung. Mit dieser Verantwortung ist ein solches Verhalten nicht vereinbar. Nebenbei hat sie sich ein weiteres Problem aufgehalst. Das beanstandete Plakat ist tatsächlich schlimm, schlimmer noch als das Braunauer "Rattengedicht", von dem sich die FPÖ-Spitze unisono distanzierte. Wie aber will die FPÖ hier die Kurve kriegen, nachdem sie sich deswegen so auf Wolf eingeschossen hat? Und wenn nicht, kann wiederum Kurz nach seinen früheren Interventionen jetzt still bleiben?"

"Alarmierend" findet die Kommentatorin der "Süddeutschen Zeitung" die Causa:

"Dass so etwas überhaupt möglich ist, zeigt, wie weit sich der Diskurs in Österreich nach rechts verschoben hat. Jahrzehntelang hat die FPÖ die Grenzen des Sagbaren immer weiter ausgereizt. Als Kanzler Sebastian Kurz von der ÖVP mit den Rechtspopulisten eine Regierung bildete, machte er sie endgültig salonfähig. Und er hat ihre rechtsradikalen Ausfälle weitgehend toleriert, um die eigene Agenda nicht zu gefährden. Das hat zur Folge, dass nicht nur rechtsextremes Vokabular kaum noch Aufsehen erregt, sondern auch Angriffe auf die Pressefreiheit schulterzuckend hingenommen werden. Mit den Attacken auf Wolf haben diese Angriffe ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" stufte Österreich zuletzt bei der Bewertung der Pressefreiheit von Platz elf auf Platz 16 herunter. Wenn die FPÖ weiterhin unbehelligt schalten und walten kann, dürfte es weiter nach unten gehen."

"Keine Sternstunde für Armin Wolf" kann dagegen die "Neue Zürcher Zeitung" erkennen:

"Vilimskys Ärger ist verständlich. Die Nebeneinanderstellung der Cartoons reicht nicht aus, um eine inhaltliche Verwandtschaft zwischen der FPÖ oder Teilen davon und den Nationalsozialisten zu dokumentieren. Beide Darstellungen verhöhnen zwar gesellschaftliche Gruppen, doch die Zeichnungen sind unterschiedlich und beziehen sich auf andere Zusammenhänge. Der Fall ist ein weiteres Beispiel dafür, wie in der politischen und medialen Auseinandersetzung allzu leichtfertig Nazi-Vergleiche gezogen werden. Solche Fahrlässigkeit mündet letztlich in eine Banalisierung des Massenmords an den Juden durch die Nationalsozialisten.(...) Letztlich tat Wolf mit dem Nazi-Vergleich dem FPÖ-Generalsekretär einen Gefallen. Vilimsky bekam die Gelegenheit geschenkt, sich als Opfer einer feindlichen journalistischen Gesinnung in Szene zu setzen.

 

(APA/red.)

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