Die „Krone“ und die FPÖ: Eine Zweckgemeinschaft ohne Liebe

Der Videoskandal kommt für die „Krone“ zu einem günstigen Zeitpunkt. Sie hat nun mehr Argumente gegen den Einstieg von René Benko.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Seit ein paar Wochen ziert die Website der „Kronen Zeitung“ ein Banner mit dem Schriftzug „Unabhängigkeit“. Ein Wort, das man im Boulevardblatt seit Freitag noch mehr betont als bisher. Die Parole lautet: „Wir sind nicht käuflich. Wir sind nur unseren Lesern verpflichtet.“ Sogar Eva Dichand, die Ehefrau von „Krone“-Herausgeber Christoph Dichand, schrieb am Montag in ihrer Gratiszeitung „Heute“ höchstpersönlich einen Brief an den ehemaligen FPÖ-Parteichef („Herr Strache, unterschätzen Sie die Menschen nicht“) und nannte seine Prahlerei, sich die „Krone“ zu kaufen, „dreist, lächerlich, größenwahnsinnig und naiv“.

Die „Krone“ nennt Straches Aussagen über Redakteure, die man in der Zeitung „zack, zack“ austauschen werde, eine „Attacke“ und „Angriff“ gegen sich. Und doch kommt der Videoskandal zu einem recht günstigen Zeitpunkt für die Dichands, denen immer noch 50 Prozent an der Zeitung gehören. Mit der deutschen Funke-Gruppe, der bis vor Kurzem noch die kompletten anderen 50 Prozent gehört haben, ist man seit Jahren im Streit. Weshalb Funke seine Anteile schon seit einer Weile abstoßen will, zum Jahreswechsel übernahm der Tiroler Immobilieninvestor und Karstadt-Eigentümer René Benko (oder eigentlich seine Signa Holding) einen Teil der Funke-Hälfte; angeblich will er nun aber sehr schnell die kompletten 50 Funke-Prozent erwerben. Im Ibiza-Video vom Juli 2017 spricht Strache an einer Stelle davon, dass er Benko kurz zuvor ebenfalls auf Ibiza getroffen habe, auf seiner Jacht RoMa. Und Strache erwähnt Benko später auch gegenüber der vermeintlichen Oligarchen-Nichte als möglichen Partner für die Übernahme der Zeitung, weil „der will nämlich sowieso die ,Krone‘“, so Strache. Aus diesem Satz geht zumindest hervor, dass gewisse politische Kreise schon im Sommer 2017 von Benkos Interesse an der „Krone“ wussten.

Die Dichands könnten jetzt nicht nur das Faktum ausschlachten, dass Benkos Name in dem Video fällt, sondern durch den Rückenwind von Lesern und zur Abwechslung sogar anderen Medien betonen, wie wichtig es ist, dass die „Krone“ nicht in die Hände eines mit der Politik verbandelten Immobilieninvestors fällt. Ob ihnen das gelingt oder etwas nützen wird, ist freilich eine andere Geschichte.

Den kleinen Mann im Blick

Zum Teil stimmen Straches Aussagen über Österreichs immer noch reichweitenstärkste Boulevardzeitung natürlich, zum Beispiel, wenn er vom „gigantischen Machtvolumen“ schwärmt, das man hat, wenn man die „Krone“ hinter sich weiß. Erst am Muttertag lächelte der FPÖ-Chef mit Ehefrau Philippa aus der „Krone“, die beiden durften ihr junges Familienglück mit ihrem Sohn zelebrieren. Das Verhältnis zwischen „Krone“ und der FPÖ war nie besonders innig, sondern mehr eine gut geölte Zweckgemeinschaft. Beide haben stets die Stimme des kleinen Mannes im Sinn. Jetzt aber ist dieses Verhältnis erst einmal zutiefst gestört, zumindest lassen das die Titelzeilen und Kommentare zu Strache und Gudenus erkennen: „Wie dumm kann man sein?“, „Strache ins Rathaus? Die nächste Schnapsidee“.

Wobei, freundliche Annäherungen zwischen der „Krone“ und der Rest-FPÖ gibt es auch jetzt: Die Zeitung hat die Partei dank eines Leserhinweises am Sonntagabend bei einem „geheimen Treffen“ in einem Lokal entdeckt, durch die Fenster in den Gastraum gefilmt, wo man Herbert Kickl, Norbert Hofer, Manfred Haimbuchner und auch H.-C. Strache gesehen hat, und sich dann zu erkennen gegeben. Das Ergebnis war ein Gruppenfoto mit lauter freundlich lächelnden FPÖlern (ohne Strache) und „das erste Interview mit Norbert Hofer als designiertem FPÖ-Chef“. Denn beide Seiten wissen auch jetzt: Sie brauchen einander.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2019)

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