Twitter verpasst Trump einen Maulkorb. Ja dürfen die das?

SubtextDer Kurznachrichtendienst stellt ab sofort hetzerische Tweets von Politikern unter Quarantäne. Für Republikaner ist das Zensur „wie in China“.

Ab sofort stellt Twitter hetzerische Tweets von prominenten Politikern unter Quarantäne (im Bild: Der Twitter-Account von Donald Trump im April 2019).
Ab sofort stellt Twitter hetzerische Tweets von prominenten Politikern unter Quarantäne (im Bild: Der Twitter-Account von Donald Trump im April 2019).
Ab sofort stellt Twitter hetzerische Tweets von prominenten Politikern unter Quarantäne (im – Der Twitter-Account von Donald Trump im April 2019). / Bild: (c) APA/AFP/EVA HAMBACH

Wer auf Twitter eine frühere Mitarbeiterin als „durchgeknallten Abschaum“ bezeichnet, kann seine pointierte Beschreibung nicht lang unters Volk bringen – die Meldung wird alsbald gelöscht. Es sei denn, der Troll hat 62 Millionen Follower und ist als Herr des Weißen Hauses der mächtigste Mensch der Welt. So einer kann den Kurznachrichtendienst auch nutzen, um mit einem Wrestling-Video zu Gewalt gegen CNN-Reporter aufzurufen oder dem „kleinen Raketenbauer“ in Nordkorea mit dem atomaren Erstschlag zu drohen. Schon seltsam: Seinen Hass hinauszurotzen und andere brutal einzuschüchtern bleibt einfachen Nutzern verwehrt. Aber wer damit den größten Schaden anrichten kann, der darf. Freilich: Was ist die Alternative? Twitter ist nun einmal das beliebteste Medium von Politikern, die ihre Anhänger mit markigen Sprüchen bei Laune halten. Und die breite Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, was ihren Anführern durch den Kopf geht – gerade dann, wenn es empörend ist. Zumindest bis jetzt.

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen