Thomas Gottschalk: Ein Berufsjugendlicher wird 60

Seine Schmähs sind nicht besonders witzig, sein betont buntes Outfit überrascht nicht mehr. Trotzdem ist Thomas Gottschalk gerade in Österreich sehr beliebt. Eine Annäherung zum sechzigsten Geburtstag.

Thomas Gottschalk Berufsjugendlicher wird
Thomas Gottschalk Berufsjugendlicher wird
Gottschalk – (c) Reuters (JOHANNES EISELE)

Im Sechs-Wochen-Rhythmus ist er in den Wohnzimmern deutschsprachiger Fernsehzuseher zu Gast. So ihn die Couchpotatoes am Samstagabend überhaupt noch in ihre vier Wände lassen. Aber auch wenn die Quoten der Fernsehshow „Wetten, dass. . .“, die im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, kontinuierlich sinken, bleibt Thomas Gottschalk so etwas wie eine Konstante im Dschungel der Sing- und Tanzshows.

Seit 1987 moderiert er die Wettshow (mit einer kleinen Pause zwischen 1992 und 1994, in der Wolfgang Lippert eingesprungen ist), im Vorjahr hat er sich die blonde Michelle Hunziker als Komoderatorin dazugeholt und sich dadurch steigende Quoten erhofft. Die Hoffnung hat sich nicht unbedingt erfüllt, am 28. März sahen insgesamt 9,61Millionen zu. Das ist immer noch viel und mehr als Konkurrent Dieter Bohlen zur gleichen Zeit am privaten Sendeplatz einfahren konnte, aber es ist viel weniger als früher.

21 Jahre an der Spitze einer Fernsehshow, da glauben auch die Gelegenheitsseher der Sendung, den blond gelockten Gottschalk mit der großen Nase irgendwie zu kennen: sein Faible für bunte oder unmöglich gemusterte Anzüge, lackierte Schuhe und Altherrenschmähs; seine immer gut gelaunte Art zu moderieren und die anzüglichen Witze, die er sich nicht verkneifen kann; auch den einen oder anderen Grabscher auf die Schenkel seiner weiblichen Couchgäste ist man längst gewöhnt. Umso erstaunlicher, dass der 1,92 Meter große geborene Münchner, der am 18. Mai 60 wird, gerade in Österreich immer noch so beliebt ist. Weil er der kleinste gemeinsame Nenner ist, der Jung (wenn auch immer weniger) und Alt vor den Fernseher bringt. Und die Jungen wissen gar nicht mehr, dass Gottschalk eigentlich durch Komödien wie „Die Supernasen“ oder „Zwei Nasen tanken super“ an der Seite von Mike Krüger bekannt geworden ist. Beliebt ist er aber vielleicht auch deshalb, weil er die Zuneigung für den kleinen Alpenstaat südlich von Bayern, anders als ähnlich prominente deutsche Moderatoren, wie etwa Günter Jauch, zärtlich erwidert.


Häufiger Gast in Österreich. Gottschalk ist erklärter Österreich-Fan. Er kommt nicht nur zwei-, dreimal pro Jahr mit dem „Wetten, dass. . .“-Wanderzirkus in die größeren Landeshauptstädte (zuletzt war der Tross am 27. März in Salzburg), er ist auch sonst oft und privat im Land. Im Februar ist er dem Privatsender ATV zur Rettung der Opernball-Berichterstattungsquote beigestanden. Dominic Heinzl war nur wenige Wochen vor dem Großereignis zur öffentlich-rechtlichen Konkurrenz gewechselt, was ATV einigermaßen zittern ließ. Auf Einladung seines guten Freundes und ATV-Eigentümers Herbert Kloiber hat er mit und vor den Kameras den „Tanz der blassen Promikinder“, wie er den Ball nannte, besucht. Frack- und Tanzprobe im Hotel Sacher, ein Dinner mit Opernball-Lady Desirée Treichl-Stürgkh davor und ein Besuch beim Würstelstand zum Abschluss inklusive. Die Zuseher haben es ihm gedankt, die Quote war passabel, die Kritiken durchwegs positiv.

Auch beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel ist Gottschalk Stammgast, bei den Festspielen in Salzburg sowieso. Der Autohersteller Audi, Großsponsor beider Ereignisse, lädt den Moderator jedes Jahr erneut dazu ein. Für Gottschalk und seine Frau Thea gehört ein mehrtägiger Besuch der Festspiele zum Sommerprogramm. Wer Salzburg nur im Sommer besucht, könnte beinahe glauben, Gottschalk wohnt hier. Vielleicht kommt Gottschalk auch deshalb so gern, weil er weiß, dass er beinahe fürstlich empfangen wird. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler lädt die Gottschalks gern vor der Opernpremiere in ihr Büro zum Champagnerempfang. Nur die erwünschten Fotografen werden dann vorgelassen. Ohne Gedränge, ohne störende Autogrammjäger.

Nicht in Salzburg, sondern im kalifornischen Malibu leben die Gottschalks mit ihren Söhnen Roman und Tristan. Vielleicht ist das auch die Erklärung, warum der Moderator noch immer nicht amtsmüde zu sein scheint und auch noch die anhänglichsten Fans zu handeln weiß. Zu Hause in Malibu (er)kennt man ihn nicht. Zu Hause in Malibu fragt man ihn auch nicht, wann er endlich das „Wetten, dass...“-Mikro abgibt. In Deutschland hingegen ist das seit Mitte der 90er die häufigste Frage von Journalisten an ihn, wie das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ in einer Statistik- und Zitatensammlung zu Gottschalks Geburtstag bewies. Interessanterweise wird er das in Österreich nur selten gefragt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2010)

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