TV-Preis Goldene Kamera wird eingestellt

Mehr als 50 Jahre wurde die Goldene Kamera verliehen, im kommenden Jahr wird es das letzte Mal sein.

´Golden Camera´ Awards Ceremony
´Golden Camera´ Awards Ceremony
Klimaaktivistin Greta Thunberg bekam heuer einen Sonderpreis und nutzte ihre Redezeit für einen Appell – (c) REUTERS (Hannibal Hanschke)

Die Goldene Kamera als jährliche Preisgala im deutschen ZDF soll abgeschafft werden. Am 21. März 2020 werde die 55. Verleihung die "vorerst letzte TV-Show", teilte die Funke Mediengruppe mit. Moderiert werden soll sie von Thomas Gottschalk. Den Fernseh- und Filmpreis gibt es seit 1966.

Gegründet wurde der Preis von der Fernsehzeitschrift "Hörzu", die bis 2014 zum Verlag Axel Springer gehörte. Die Rechte gingen mit dem Verkauf der "Hörzu" von Springer ("Bild", "Welt") an Funke ("WAZ") über. Seit 1994 war die Preisgala jedes Jahr im ZDF zu sehen.

Die Quoten gingen stark zurück

Die Einschaltquoten waren zuletzt stark zurückgegangen. So waren 2010 noch mehr als fünf Millionen Zuschauer dabei, in diesem Jahr nur noch 2,4 Millionen.

Die Sehgewohnheiten der Zuschauer haben sich über die Jahrzehnte geändert, wie Jochen Beckmann, Geschäftsführer der Funke Zeitschriften sagte. Es sei Zeit, neue Optionen für die Marke Goldene Kamera auszuloten. "Mit dem YouTube Goldene Kamera Digital Award haben wir bereits ein Format, das auf die fortschreitende Digitalisierung in der Mediennutzung ausgerichtet ist."

Der falsche Ryan Gosling

Die Gala erlitt einen Image-Schaden, als die ProSieben-Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf es 2017 schafften, ein Double von Ryan Gosling auf die Bühne der Live-Show zu schleusen.

Vor acht Jahren war die Sportmoderatorin Monica Lierhaus nach zwei Jahren Kampf gegen ihre schwere Erkrankung überraschend wieder vor TV-Kameras getreten. Vor 13 Jahren bekam Showmaster Rudi Carrell, gezeichnet von seiner schweren Krankheit, den Preis fürs Lebenswerk. Es war sein letzter Fernsehauftritt.

Greta Thunberg las den Promis die Leviten

In diesem Jahr hatte die Gala aus Berlin für Aufsehen gesorgt, weil die Klimaaktivistin Greta Thunberg vielfliegenden Prominenten die Leviten las. Sie wurde mit einem Sonderpreis in der Kategorie Klimaschutz geehrt. Es sei eine komische Welt, in der Kinder ihre Ausbildung opfern müssten, um gegen die Zerstörung ihrer Zukunft zu protestieren, sagte Thunberg. Und in der sich Stars nicht für Umwelt- und Klimaschutz engagierten, weil sie "dann nicht mehr um die Welt fliegen könnten, um ihre Lieblingsrestaurants, Strände und Yogaseminare zu besuchen". 

Der Preis ist eine kleine Nachbildung der ersten funktionstauglichen elektronischen Fernsehkamera der Welt, der sogenannten Farnsworth, die 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin zum Einsatz kam.

(APA/dpa)

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