Pinke Spaßposts im Netz

Mediagram Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger gibt sich auf Instagram als gut gelaunte Dreifach-Mutter, die in High-heels Zügen nachläuft.

(c) Screenshot

Jeder Instagram-Auftritt hat seine Grundtonalität. Bei Neos-Parteichefin Beate Meinl-Reisinger ist die laut und fröhlich. Die pinke Spitzenkandidatin gibt sich in Zeitungsinterviews und Wahlduellen durchaus hart und angriffig, auf ihrem Instagram-Profil aber lässt sie vorwiegend die lebenslustige berufstätige Mutter raushängen, die auch im Wahlkampfstress nie die Nerven verliert.

Dass sie drei Töchter und die dritte erst im April zur Welt gebracht hat, lässt sie mal mehr, mal weniger dezent einfließen. Bringt ja vielleicht ein paar zusätzliche Sympathiepunkte bei manchen. Sie zeigt ihre Mädchen nie mit vollem Antlitz, nur von hinten oder angedeutet. Zum Beispiel wenn sie das Baby vor oder während einer Neos-Teambesprechung mit der Flasche füttert oder sich mit den Großen „auf zum Kirtag“ macht.

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Atemlos in Alt Aussee

Meinl-Reisinger war Anfang September, wie beinah alle Spitzenkandidaten, beim Altausseer Kirtag auf Wählertuchfühlung. Einen kleinen Startvorteil hat die Wienerin dort vor dem ebenfalls angereisten Werner Kogler und vor Pamela Rendi-Wagner, ihre Familie besitzt in Aussee ein Wochenendhaus. Vielleicht ließ sie sich deshalb dazu überreden, der Kapelle im großen Bierzelt zu Helene Fischers „Atemlos“ den Takt vorzugeben. Ja, Beate Meinl-Reisinger geht auf Instagram auch dahin, wo es mitunter etwas weh tut.

Und dann wird es wieder ernster. Tags darauf war nämlich Schulbeginn, und für ihre älteste Tochter der erste Schultag am Gymnasium, wie ihre knapp 13.000 Instagram-Follower erfuhren. Auf Instagram sind die Neos-Chefin und ihr Team besonders fleißig im Erstellen von Storys. Aktuell kann man der Spitzenkandidatin auf diesem Kanal auf Schritt und Tritt durch den Wahlkampf folgen, hinter die Kulissen von Fernsehstudios bei den Wahlduellen und unterwegs von A nach B durch Österreich. Da rennt die Chefin schon mal mit High Heels durch einen Bahnhof, um noch den richtigen Zug zu erwischen (was gelang, zumindest fürs Video) und gesteht, dass sie sich im Wahlkampf nicht nur gesund ernährt (und hält dann den Papiersack eines bekannten Burger-Restaurants vors Gesicht). Vor ein paar Wochen stand sie in einer großen Garage vor verschlossenem Tor, sagte „Sesam, öffne dich“, und das Tor tat, wie von ihr befohlen. Das war entweder gut inszeniert oder das Zufallsglück einer Kandidatin, die allen zeigen will: „Bei uns läuft's wie geschmiert.“

All das zeigt sie übrigens auch ihren 44.000 Facebook-Freunden, denn die Politikerin fährt eine Synchronstrategie: Fast alles wird da wie dort geteilt. Die Story-Funktion gibt es ja seit einiger Zeit auch auf Facebook.

Eine weitere BMR-Spezialität neben den Storys sind die vielen direkten Videos und Botschaften an potenzielle Wähler oder konkrete Personen des öffentlichen Lebens, von Lotte Tobisch bis Sebastian Kurz oder an ihren Mann, dem sie am Ende ihrer Mutterschutzzeit dafür dankte, dass er sich um Tochter Nummer drei kümmern wird. Dazwischen zeigt sie sich immer wieder im Half-Selfie-Profil (also nur Scheitel, Augen und Nase) an verschiedenen Orten Österreichs oder zeigt Blödelfotos von offiziellen Fotosessions.

Auch mit ihrem Vorgänger, Matthias Strolz, zeigt sie sich immer wieder in betonter Freundschaftlichkeit, wie zuletzt am Rand des Forums Alpbach

Fazit: Ein Gute-Laune-Auftritt einer Parteichefin, der bestimmt viel Arbeit macht und sogar oft authentisch wirkt. Dennoch ruft er die Frage hervor: Lohnt sich ein solcher Aufwand wirklich?

Im Mediagram nächsten Montag: FPÖ-Parteichef Norbert Hofer.

Zur Person

Beate Meinl-Reisinger (*April 1978 in Wien) ist Gründungsmitglied der Partei Neos und seit Juni 2018 Parteichefin, sie übernahm die Funktion von Matthias Strolz. Die studierte Juristin begann ihre politische Karriere bei der Wirtschaftskammer Österreich als als stellvertretende Geschäftsführerin bei „Frau in der Wirtschaft“, später war sie u.a. Refeferint für Frauen-, Familien- und Integrationspolitik im Kabinett von Staatssekretärin Christine Marek (ÖVP) und baute ab 2012 die Neos auf. Sie ist dreifache Mutter und verheiratet. 

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