Die SPÖ geht im ORF in Stellung

Der SP-Kandidat Karl Amon, derzeit Chefredakteur im ORF-Fernsehen, soll heute zum Radiodirektor bestellt werden. 2011 könnte er ORF-General werden. Nikolaus Pelinka ist zuversichtlich: „Es wird sich ausgehen.“

Karl Amon
Karl Amon
(c) Michaela Bruckberger

Bist zuletzt war es eine Zitterpartie: Karl Amon, derzeit Chefredakteur im ORF-Fernsehen, dürfte heute vom ORF-Stiftungsrat zum Hörfunkdirektor gekürt werden. Die Stimmen der 15 SPÖ-Räte waren ihm sicher. Der rote „Freundeskreis“-Leiter Nikolaus Pelinka zeigte sich im Gespräch mit der „Presse“ zuversichtlich: „Es wird sich ausgehen.“ Amon hat sich jedenfalls kurz vor Ende der Ausschreibung am Dienstagabend beworben. Wie die Allianz für ihn genau aussehen würde, war bis zuletzt offen. Ohne Stimmen aus der Unabhängigen oder anderer im Gremium vertretener Parteien hat die SPÖ im 35-köpfigen Stiftungsrat nicht die nötige einfache Mehrheit. Die wird von den abgegebenen Stimmen errechnet – sind alle da, braucht es 18 für eine Direktorenwahl. Woher könnten die fehlenden Stimmen kommen, zumal die ÖVP sich bis zuletzt partout weigerte, Amon zu unterstützen?

FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger schloss gegenüber der „Presse“ aus, dass er oder der FPK-Rat Siggi Neuschitzer für Amon stimmen würden. Betriebsrat Gerhard Moser, der keinem „Freundeskreis“ zugerechnet wird, wollte sich auf Anfrage nicht deklarieren. BZÖ-Rätin Huberta Gheneff hielte Amon für einen guten Radiodirektor – will aber vermeiden, dass alle freien Posten „ausschließlich mit SPÖ-Wunschkandidaten“ besetzt würden. Sie sagte der „Presse“, sie lege sich vor der Sitzung nicht fest – ORF-General Alexander Wrabetz müsse erst die Kosten für die Rochade offenlegen (der bisherige Radiodirektor Willy Mitsche erhält einen gut dotierten Beraterposten).

 

Küberl: TV-Chefredakteur „hochpolitisch“

Auch Caritas-Direktor Franz Küberl – als Kirchenvertreter einer der nur vier Unabhängigen im Gremium – will erst in der laufenden Sitzung entscheiden. „Ich mache das davon abhängig, wie man mit den Baustellen im ORF umgeht“, so Küberl am Mittwoch. Es sei „keine Frage“, dass Amon „sicher ein vernünftiger Hörfunkdirektor“ wäre – durch dessen Abgang werde aber der Posten des TV-Chefredakteurs frei und dessen Besetzung sei, „Stichwort: Mück“, eine „hochpolitische Angelegenheit“: „Der Chefredakteur ist mindestens so wichtig wie ein Direktorenposten“, er sollte also „außer Streit“ stehen. Küberl erinnert seine Kollegen im Stiftungsrat auch an ihre Verantwortung: „Der ORF gehört nicht der Kirche, nicht der SPÖ, nicht der ÖVP – wir sind nur treuhänderisch tätig“ – im Interesse des ORF und der Gebührenzahler.

Die ORF-Wahl im kommenden Sommer wirft ihre Schatten voraus: Beobachter meinen, die Bestellung zum Hörfunkdirektor sei für Amon und die SPÖ nur eine „Testwahl“: Amon werde als SP-Kandidat in das Rennen um den ORF-Genraldirektorenposten gehen. Dann wäre der Posten des Radiodirektors wieder frei – den könnte laut derzeitigen Personal-Planspielen der Direktor des Landesstudios Burgenland, Karlheinz Papst, bekommen. Dafür könnte, so die Gerüchte, die Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Brigitte Kulovits-Rupp (SP), im Burgenland Direktorin werden.

Als TV-Chefredakteur hat sich unterdessen „ZiB2“-Anchorman Armin Wolf ins Spiel gebracht: Er will sich bewerben. Der derzeitige stellvertretende Innenpolitik-Chef der TV-Information Fritz Dittlbacher gilt ebenso als Kandidat wie TV-Chronik-Chefin Brigitte Handlos. Der eben erst zum Radio-Chefredakteur bestellte Stefan Ströbitzer wird auch bereits für höhere Weihen gehandelt – als Fernsehdirektor. Was einmal mehr die ÖVP vor den Kopf stoßen würde. Die Zeichen im ORF stehen also auf Sturm.

ZUR PERSON

Karl Amon (*31.12. '49, St. Pölten) studierte Wirtschaft und begann 1978 in der ORF-Parlamentsredaktion. Er war in der ORF-Wirtschaft, in der Innenpolitik, stv. Leiter der „ZiB2“, Chefredakteur im Landesstudio Wien, Radio-Chefredakteur, zuletzt TV-Chefredakteur. [APA/ORF/Milenko Badzic]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2010)

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