Nach OGH-Urteil: „Schauplatz“: Redakteur Moschitz spricht

ORF-Redakteur Eduard Moschitz wehrt sich gegen die schweren Vorwürfe und erklärt die gängige Praxis im ORF, Aufwandsentschädigungen zu zahlen. Der OGH hat in dem Verfahren zugunsten des Senders entschieden.

Nach OGHUrteil bdquoSchauplatzldquo Redakteur
Nach OGHUrteil bdquoSchauplatzldquo Redakteur
(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Der ORF atmet auf. Das Verfahren gegen den Sender rund um die „Am Schauplatz“-Sendung, bei der zwei jugendliche Skinheads zu einer FPÖ-Veranstaltung begleitet wurden, hat der OGH zugunsten des Senders und mit einem klaren Bekenntnis zum Redaktionsgeheimnis entschieden. Eduard Moschitz, der zuständige Redakteur, kann zumindest teilweise aufatmen. Zwar will die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt weiterhin wegen Wiederbetätigung gegen ihn ermitteln, aber er darf nun nach einer neunmonatigen Schweigepflicht seine Sicht der Dinge schildern. Auch wenn der ORF betont, man habe Moschitz nie einen Maulkorb umhängen wollen, ihm nur geraten, sich nicht zum laufenden Verfahren zu äußern.

 

Die Presse: Hätten Sie im vergangenen Jahr irgendetwas anders gemacht?

Eduard Moschitz: Ich würde vermutlich nicht noch einmal in den abgesperrten Bereich gehen, in den mich ein FPÖ-Mitarbeiter bei der Parteiveranstaltung in Wiener Neustadt gebeten hat. Nur, was wäre passiert, wenn ich dort nicht hineingegangen wäre? Dann hätte man vielleicht gesagt, der Moschitz ist feig. Das Ziel war, von zwei jungen Burschen, die arbeitslos sind und Neonazis sind, zu erfahren, was sie so an dem Strache fasziniert. Ich wusste ja, dass die immer wieder auf seinen Veranstaltungen waren.

 

Gibt es etwas, das andere Beteiligte, etwa der ORF, anders hätten machen sollen?

Das Problem war, dass es der ORF von Anfang nicht ausreichend geschafft hat, ein eigenes Bild der Geschehnisse darzustellen. Die andere Seite hat ein Bild gezeichnet, das nicht gestimmt hat. Und ich hatte nicht ausreichend Gelegenheit, darauf zu reagieren. Aber nachdem ich jetzt Interviews geben darf, kann ich das zumindest jetzt tun.

Welcher Vorwurf hat Sie am härtesten getroffen?

Die Anstiftung zur Wiederbetätigung. Selbstverständlich würde mir das nie einfallen. So etwas macht man mit jungen Menschen nicht. Das war weder meine Absicht noch ist es passiert. Punkt.

 

Wenn ohnehin alles mit rechten Dingen vorgegangen ist, wäre es nicht auch eine Möglichkeit gewesen, die Bänder freiwillig herauszugeben?

Das klingt sehr naiv von Ihnen. Weil was wäre passiert, hätten wir die Bänder herausgegeben? Der Strache hätte alle Bänder für manipuliert erklärt. Das hätte den Steuerzahler sehr viel Geld gekostet.

Die Staatsanwaltschaft hat gestern postwendend erklärt, weiter wegen Wiederbetätigung gegen Sie zu ermitteln.

Dazu kann ich nicht viel sagen. Ich nehme zur Kenntnis, dass es so ist.

 

Stimmt es, dass Sie den Burschen Geld für den Dreh bezahlt und Fahnen gekauft haben?

Strache behauptet, ich hätte ihnen T-Shirts mit Hakenkreuzen gekauft. Das ist natürlich nicht passiert. Wir hatten ausgemacht, dass wir zu einem Armyshop fahren und sich der eine Bursche einen Pulli kauft. Das war nicht mein Geld, sondern das Geld, das sie für den Dreh bekommen haben. Die Schwierigkeit bei solchen Reportagen ist: Sie müssen den Menschen vertrauen. Wenn ausgemacht ist, dass er sich einen Pullover kauft in einem Armyshop und er lehnt es dann ab und wir gehen woanders hin und er greift dort zu einer anderen Sache – was hätte ich tun sollen, die Kamera ausschalten und sagen, so war das nicht ausgemacht? Das Geld hat schon ihm gehört, das war nicht mehr in meiner Verfügungsgewalt.

 

Wie viel Geld haben die beiden bekommen?

Weniger als 500 € für mehrere Monate Arbeit.

 

Wie ist die Praxis des ORF bei Reportagen?

Prinzipiell zahlen wir nichts. Aber wir machen Langzeitbeobachtungen und Milieustudien, und da geht es darum, authentisches Material zu bekommen. Sie können da nur eine kleine Aufwandsentschädigung geben.

Es gibt nun einen Verhaltenskodex für ORF-Mitarbeiter. Was wird künftig erlaubt sein, was nicht?

Den hatten wir intern immer schon, er war nur nie verschriftlicht. So wie ich meine Sendung gemacht habe, war das auch nach diesem Kodex korrekt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2010)

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