Branchenranking: Wie ein Land seine Journalisten ehrt

Das Branchenmagazin "Extradienst" suchte online nach den Journalisten des Jahres. Der "Journalist" zum sechsten Mal mit einer Jury.

Branchenranking Land seine Journalisten
Branchenranking Land seine Journalisten
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Weil Österreich keinen Pulitzerpreis hat, fühlt sich Verleger Christian W. Mucha auf den Plan gerufen. Er sieht es als seine Aufgabe dem Land, „in dem die Arbeit der Journalisten nirgends anerkannt wird", ein neues Branchenranking zu schenken - das einzig transparente, wie er findet. Sein „Extradienst" suchte im Jänner online nach den „besten Journalisten Österreichs", die in der aktuellen Ausgabe, die morgen, Freitag, erscheint auf 20 Seiten präsentiert werden. Technische Anfangsschwierigkeiten wurden ausgemerzt: Kurz nach Start der Votingphase hatten zwei Kandidaten in der Kategorie Programmchef Radio insgesamt über 700.000 Stimmen während die Nominierten in den anderen Kategorien nur auf 300 bis maximal 2000 Stimmen kamen. "Die 700.000 Stimmen mussten wir wegen massiver Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe elimineren", sagt Mucha zur "Presse". Für das Endergebnis verantwortlich sind letztlich 26.000 abgegebene Stimmen.
 
Die je drei Nominierten in den 19 Kategorien wurden durch „eine qualitative Erhebung" in der Branche ermittelt, so Mucha: Über 100 Manager des Landes seien gefragt worden, wer im Vorjahr journalistisch aufgefallen ist. Dass es auch kleinere Medien, wie der „Kärntner Monat" (Wolfgang Kofler gewinnt in der Kategorie Chefredakteur Magazin weit vor Christian Rainer von „Profil") oder weniger bekannte Redakteure auf die ersten Plätze geschafft haben, findet Mucha gut. Er wollte regionalen und kleinen Medien, sowie privaten Radio- und TV-Sendern dieselbe Chance geben wie den großen und dem ORF. Den Vorwurf bei ihm werde nur nominiert, wer Inserent ist, schmettert er ab: „Bei mir inserieren fast alle und die die nicht inserieren sind trotzdem oft auf den vordersten Plätzen zu finden. Es geht mir nicht ums Geld - ich bin schon reich!"

Muchas Konkurrent, der „Österreichische Journalist", lässt seit sechs Jahren eine 20-köpfige Jury von Chefredakteuren die Besten der Branche ermitteln - die Sieger 2010 werden am 23. Februar im Studio 44 geehrt. Die oft geäußerte Kritik, hier würden die immer gleichen Medienmacher die immer gleichen Kandidaten wählen, teilt „Journalist"-Chef Georg Taitl nicht. Würde man künftig Mehrfach-Gewinner ausschließen, „würden uns die guten Leute ausgehen", sagt er.

Auch wenn die innig verfeindeten Branchenblätter wechselseitig betonen, von den Ranking-Methoden des anderen nicht viel zu halten, kommen sie hie und da zu ähnlichen Ergebnissen: Die „Salzburger Nachrichten" sind im „Extradienst" beste Tageszeitung. Der Chef der Zeitung, Andreas Koller, ist bei der Konkurrenz „Journalist des Jahres".

"Extradienst"-Sieger:

  • Tageszeitung: Salzburger Nachrichten
  • Magazin: News
  • Chefredakteur Tageszeitung: Richard Schmitt, Heute
  • Chefredakteur Magazin: Wolfgang Kofler, Kärntner Monat
  • Innenpolitik: Kurt Kuch, News
  • Außenpolitik: Gudrun Harrer, Der Standard
  • Wirtschaft: Andrea Hodoschek, Kurier
  • Chronik: Christoph Budin, Kronen Zeitung
  • Kultur: Gert Korentschnig, Kurier
  • Kolumne: Michael Fleischhacker, Die Presse
  • Sport Print: Wolfgang Weisgram, Der Standard
  • Sport TV: Elisabeth Auer, ATV
  • Programmchef TV: Oliver Svec, Plus4
  • Programmchef Radio: Thomas Lederer, Hit FM
  • TV-Nachrichten: Armin Wolf, ORF
  • Radiomoderator: Alex Nausner, Antenne
  • Society Print: Lisa Trompisch, Heute
  • Society TV: Kerstin Rhuri, ATV
  • Talkmaster: Johanna Setzer, Puls 4

 
"Journalist"-Sieger:

  • Journalist des Jahres: Andreas Koller, Salzburger Nachrichten
  • Chefredaktion: Hubert Patterer, Kleine Zeitung
  • Wirtschaft: Michael Nikbakhsh, Profil
  • Innenpolitik: Andreas Koller, SN
  • Investigation: Florian Klenk, Falter
  • Kultur: Frido Hütter, Kleine Zeitung
  • Außenpolitik: Raimund Löw, ORF
  • Kolumnisten: Rainer Nikowitz, Profil
  • Unterhaltung: Karl Hohenlohe, Kurier, ORF
  • Sport: Christoph Zöpfl, Oberösterreichische Nachrichten
  • Foto: Robert Jäger, APA

      Sonderpreise:

  • für das Lebenswerk Alfred Treiber, ehemals Ö1
  • für TV Wolfgang Pütz, Programmdirektor Servus TV
  • für Online-Auftritt: Robert Misik
  • und Andreas Unterberger

 

(awa)

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