ÖVP: „Stiftungsräte sind doch keine Parteisoldaten“

Nachdem Gerhard Zeiler ausgeschieden sei, hätte die ÖVP ihren Stiftungsräten die Wahl von Alexander Wrabetz freigestellt, sagt Generalsekretär Hannes Rauch. Um Posten sei es der Partei dabei nicht gegangen.

(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Die Presse: Wie kann es eigentlich sein, dass die ÖVP Alexander Wrabetz monatelang für unwählbar hält und ihn dann plötzlich sieben ÖVP-nahe Stiftungsräte wählen?

Hannes Rauch: Die Wahl des Generaldirektors geht faktisch nur mit der SPÖ. Selbst wenn alle anderen Parteien gegen Alexander Wrabetz gewesen wären, hätte er eine Mehrheit hinter sich gehabt. Das ist die politische Realität.

Die ÖVP beugt sich also der Mehrheitsmeinung, wenn sie merkt, dass sie sich nicht durchsetzen kann.

Es geht nicht um Parteipolitik, sondern um den ORF. Nachdem wir gesehen haben, dass ein anderer Kandidat – etwa Gerhard Zeiler, der auch kein ÖVPler ist, aber der erfolgreichste Medienmanager Europas – keine Mehrheit bekäme, haben wir den Stiftungsräten gesagt: Ihr müsst euch selber entscheiden, ob ihr Wrabetz wählen könnt. Jetzt geht es darum, dass er das Unternehmen in eine gute Zukunft führt.

Klubobmann Karlheinz Kopf meinte noch in der Vorwoche: Mit Wrabetz werde die Fehlentwicklung des ORF fortgesetzt. Da fragt man sich: Ist das eine Einzelmeinung in der ÖVP, oder hat sie sich nicht bis zu den Stiftungsräten durchgesprochen?

Die Stiftungsräte sind doch keine Parteisoldaten. Und das Ergebnis war, dass sieben aus unserem Freundeskreis für den Herrn Wrabetz waren und fünf sich der Stimme enthalten haben. Damit ist die Sache erledigt. Die Mehrheit der Stiftungsräte hat dem amtierenden Generaldirektor eine zweite Chance gegeben.

Bei allem Respekt, Herr Rauch: Dass die Stiftungsräte unabhängig sind, wäre mir neu.

Dann ist es für Sie neu, aber in der ÖVP ist es so.

Seit wann?

Jetzt ist es so, und ich finde das gut. Wir haben immer gesagt, wir wollen den ORF entpolitisieren.

Es schaut aber so aus, als wäre es der ÖVP wichtiger, ihr nahestehende Journalisten an wichtigen Stellen im ORF unterzubringen, als zu ihrer Meinung zu stehen.

Da kann ich nur Zeiler zitieren, der gesagt hat: Der ÖVP ist es nie um Posten gegangen.

Sie können ausschließen, dass es der ÖVP nicht um Posten gegangen ist?

Das schließe ich aus. Ich finde es außerdem unappetitlich, Journalisten immer einer Partei zuzuordnen. Auch im ORF muss es möglich sein, dass Journalisten ihre Arbeit machen. Ich ordne Sie ja auch nicht einer Partei zu.

Die Realität im ORF sieht anders aus, das wissen wir beide.

Ich bin Optimist und deshalb sicher, dass meine Meinung künftig die Realität sein wird.

Glauben Sie, dass sich in der Ära Wrabetz II vieles ändern wird?

Wir gehen davon aus. Der Info-Bereich funktioniert sehr gut, aber ich glaube, dass im Programm noch einiges zu tun ist. In Zukunft ist Pluralität gefragt – das erhoffen wir uns neben einer positiven wirtschaftlichen Fortführung des Unternehmens.

Was würden Sie im Programm tun?

Ich bin Generalsekretär der ÖVP und nicht Programmmanager des ORF. Da gibt es sicher Experten, die ein Programm aufstellen können, das Herrn und Frau Österreicher begeistert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2011)

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