Stiftungsrat-Vorsitzende: Bedenken gegen Direktor

Die Leiterin des obersten ORF-Gremiums hat sich bei der Wahl der Landesdirektionen der Stimme enthalten. Es gebe Unvereinbarkeiten "leitender Mitarbeiter mit Programmverantwortung".

StiftungsratVorsitzende Bedenken gegen Direktor
StiftungsratVorsitzende Bedenken gegen Direktor
(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)

Am Donnerstag segnete der ORF-Stiftungsrat die vier zentralen und neun Landesdirektoren, die Generaldirektor Alexander Wrabetz vorgeschlagen hatte, ab. Die Vorsitzende des obersten ORF-Gremiums, Brigitte Kulovits-Rupp, enthielt sich bei der Kür der Landesdirektoren jedoch ihrer Stimme. Am Freitag erklärte sie ihr Verhalten im Gespräch mit der APA damit, dass sie "erhebliche Bedenken über das Geschick eines Kandidaten im Hinblick auf Personalführung und den sensiblen Umgang mit der Genehmigung von Nebenbeschäftigungen" habe. Konkret gehe es um Unvereinbarkeiten über Nebenbeschäftigungen "leitender Mitarbeiter mit Programmverantwortung", sagte sie. Namen nannte Kulovits-Rupp allerdings keine. Sie erklärte aber, dass sich ihr in einem Landesstudio "Fragen gestellt hätten".

Kritik an Direktoren in Tirol, Kärnten und der Technik

Im Vorfeld der Bestellung gab es gleich an mehreren Kandidaten Kritik: So wird der ehemalige VP-Landesgeschäftsführer und Landtagsabgeordnete Helmut Krieghofer Landesdirektor in Tirol. Bis vor kurzem saß der nun Beförderte im Stiftungsrat und stimmte im August für Wrabetz' Wiederwahl.

Wegen der Kritik an Krieghofer hatten sich auch die Stiftungsräte Martin Embacher (Grüne), ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser und Betriebsrätin Christiana Jankovics der Stimme enthalten.

Moser begründete die Enthaltung außerdem mit der schiefen Optik in Kärnten, wo Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) in "herzerfrischend offener" Manier die Bestellung von Karin Bernhard per Presseaussendung ankündigte. Mit seiner Enthaltung sei er außerdem den "massiven Widerständen der Belegschaft" gegen die Bestellung des Tiroler Landesdirektors gefolgt.

Auch gegen Technik-Direktor Michael Götzhaber gibt es Bedenken: Hinter der Hand zweifeln Stiftungsräte an seiner Qualifikation für die weitreichenden Aufgaben in der aufgewerteten Direktion für Technik, Online und Neue Medien. Außerdem ist er als roter Zentralbetriebsrat politisch punziert. Und er war als Stiftungsrat ebenfalls an Wrabetz' Wiederwahl beteiligt.

Keine Aussprache mit Redakteuren

Kritik übte Kulovits-Rupp am Freitag auch an den ORF-Redakteuren. Dabei geht es um die wiederholte und vehement vorgetragenen Vorwürfe der Redakteure gegenüber dem ORF-Stiftungsrat. Die Vorsitzende des Greiums bezeichnete die Redakteurssprecher als "selbstgerecht und selbstherrlich". Ein besonderer Dorn im Auge ist der Stiftungsratsvorsitzenden, dass Details aus einem klärenden Gespräch zwischen dem Redakteursrat und den Stiftungsräten am vergangenen Montag "binnen Minuten und extremst einseitig in Zeitungsredaktionen landeten". Sie bezeichnete die andauernde Kritik als "öffentlichen Autoimmunkonflikt". Ein Gespräch der Gremien werde es in dieser Form jedenfalls nicht mehr geben.

(APA/Red.)

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