Geld, Freud und Panik: Der Feuilleton-Rückblick 2011

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THEATER

GOLD: Platonov. Der Lette Alvis Hermanis inszenierte am Akademietheater Anton Tschechows Drama mit ungeheurer Präzision.

SILBER: Immer noch Sturm. Peter Handkes starkes Drama bei den Salzburger Festspielen, von Dimitier Gotscheff poetisch umgesetzt.(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
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THEATER

BRONZE: Krieg und Frieden. Burgtheater-Chef Matthias Hartmann setzt im Kasino Leo Tolstois Roman nach langen Proben opulent um.

SCHROTT: "Die Kunst der Unterhaltung" von Jan Lauwers im Akademietheater. Ein fast alles versprechender Titel - und dann nichts dahinter.

URGESTEIN: Winterreise. Elfriede Jelinek in Hochform, wie Johan Simons in den Münchener Kammerspielen bei der Uraufführung zeigte.(c) APA/GEORG SOULEK/BURGTHEATER (GEORG SOULEK/BURGTHEATER)
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FILM

GOLD: Eine dunkle Begierde. Ein Kammerspiel um Freud und Jung als großes Gesellschaftsbild: David Cronenbergs kluge Analyse der Moderne.

SILBER: King Kongs Tränen. Bester Austrofilm des Jahres. Peter Kerns Kunstbetrieb-Exorzismus, eine surreale Tragikomödie.

BRONZE: Winnie Puuh. Stilecht, schlau und klassisch schön: Das neue Puuh-Abenteuer war das übersehene Animationsmeisterwerk 2011.(c) AP (Liam Daniel)/Sony Pictures Classics
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FILM

SCHROTT: Justin Bieber - Never Say Never. Lobpreis des seelenlosen Produkts in nutzlosem 3D: der ärgste Horrorfilm dieses Jahres.

URGESTEIN: Terence Malick, Werner Herzog. "Tree of Life" & "Höhle der verlorenen Träume": radikal persönliche Industriekinoentfremdung.(c) Paramount
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KLASSIK

GOLD: Christian Thielemann. "Frau ohne Schatten" in Salzburg, "Ring" an der Staatsoper, Bruckner im Musikverein - Jubel allenthalben.

SILBER: "Daphne". Die Strauss-Oper in der Staatsoper, exzellent besetzt, einer der schönsten möglichen Opernerfahrungen.

BRONZE: Liszt in Raiding. Mit drei Festivals rückten die Brüder Kutrowatz rechtzeitig zum 200. Geburtstag das Franz-Liszt-Image zurecht.(c) ASSOCIATED PRESS (PIER PAOLO CITO)
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KLASSIK

SCHROTT: "Gogol". Uraufführungen um jeden Preis tun nicht gut. Das Theater an der Wien, sonst erfolgreich, stürzt mit Lera Auerbach ab.

URGESTEIN: Georges Prêtre, der 86-jährige, ewig junge Maestro modellierte mit den Philharmonikern Schubert in höchster Intensität.(c) APA/ANDREAS PESSENLEHNER (ANDREAS PESSENLEHNER)
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POP

GOLD: Ja, Panik. Befindlichkeitslyrik revisited. Mit "DMD KIU LIDT" gelang den Exil-Burgenländern ein 15-minütiges Meisterstück.

SILBER: James Blake. Die Stimme durch die Maschine: Der junge Engländer ließ seinen Gesang auf neue, geisterhafte Weise entgleisen.

BRONZE: The Rapture. So geht retro gut: "How Deep Is Your Love", Disco-House mit Endstation Gospel. Plus irrwitzigem Saxofon.(c) Christoph Voy
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POP

SCHROTT: "De Luxe"-Editionen. So geht retro gar nicht. Besonders die Pink-Floyd-Boxen sind teuer, protzig geist- und lieblos.

URGESTEIN: PJ Harvey. "Let's England Shake": Die alte Hippietochter überraschte mit einem verstörend konkreten Album über Kriegsgräuel.(c) Island/Universal
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LITERATUR

GOLD: Der Hase mit den Bernsteinaugen. In einem Zug zu lesen - Edmund de Waals toller Familienroman ist mit Herzblut geschrieben.

SILBER: Die Schmerzmacherin. Dieses Buch zählt zu den besten von Marlene Streeruwitz - sprachlich souverän und auch noch spannend.

BRONZE: Das Gespenst des Kapitals. Joseph Vogls umfangreicher Essay über die Krise - in dieser Wirtschaftskrise durchaus erhellend.(c) APA/ANDREAS PESSENLEHNER (ANDREAS PESSENLEHNER)
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LITERATUR

SCHROTT: Lebenslauf. Alice Schwarzers Autobiographie liest sich, als hätte die Autorin Namedropping nötig. Hat sie nicht.

URGESTEIN: Der Tunnel. 1995 war der dickleibige Roman von William H. Gass die Sensation in den USA. Nun gibt es ihn endlich auf Deutsch.(c) AP (Michael Probst)
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BILDENDE KUNST

GOLD: "Geld und Schönheit - Banker, Boticelli ...", Palazzo Strozzi, Florenz: aktuelles Thema, perfekt recherchiert - es zahlt sich aus.

SILBER: "Dürer - Cranach - Holbein" im KHM: Die Renaissance hatte heuer Renaissance, glanzvoller Abschied von KHM-Galeriechef K. Schütz.

BRONZE: "Provokation und Melancholie" im Leopold Museum: Gegenwartskünstler bekamen viel Raum und Freiheit, auf Schiele zu reagieren.(c) AP (FABRIZIO GIOVANNOZZI)
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BILDENDE KUNST

SCHROTT: "Magritte" in der Albertina, ein Beispiel der Banalität der x-ten Mega-Retrospektive. Kein neuer Zugang, viel zu groß.

URGESTEIN: Franz West bekam den Goldenen-Lebenswerk-Löwen der Biennale Venedig - und bot seinen Freunden eine tolle Plattform.(c) EPA (HERBERT NEUBAUER)
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KULTURPOLITIK

GOLD: Agnes Husslein, Belvedere-Chefin, punktete mit spannenden Ausstellungen (Klimt, Kubismus) und eröffnete das "21-er Haus".

SILBER: Thomas Drozda. Der Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen balanciert Wien teuren Musical- und Opernkonzern schlau.

BRONZE: Helga Rabl-Stadler. Salzburgs Festspiel-Präsidentin reparierte mit Energie das vom Osterfestspiel-Skandal ramponierte Image.(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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KULTURPOLITIK

SCHROTT: Der ORF tanzt nach der Pfeife der Parteien: Politische Couleur scheint wichtiger zu sein als qualitätsvolle moderne Medienarbeit.

URGESTEIN: Georg Springer, Chef der Bundestheater-Holding. Wer wird nach 2014 diesen allseits gewandten Taktiker ersetzen?(c) AP (Ronald Zak)
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FERNSEHEN

GOLD: "Boardwalk Empire". Die US-Serie über die Zeit der Prohibition mit Steve Buscemi ist Serienunterhaltung auf Spielfilmniveau.

SILBER: "Fauner Consulting". Die Webserie aus Österreich (ab 10. Jänner jeden Dienstag, 20.15 Uhr) ist neurotisch, witzig - und jederzeit abrufbar.

BRONZE: ORF3. Noch lange nicht perfekt. Aber so kommt der ORF der Erfüllung des viel beschworenen Kulturauftrags zumindest nahe.(c) AP (Macall B. Polay)
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FERNSEHEN

SCHROTT: "Chili". Nicht scharf, sondern schal schmeckt Dominic Heinzls Society-Format; steht zu Recht auf Kathrin Zechners Abschussliste.

URGESTEIN: "Willkommen Österreich": Der Late-Night-Talk mit Ster-/Grissemann bleibt das Beste, was ORF-Comedy zurzeit zu bieten hat.(c) ORF (Milenko Badzic)
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