Zensur in Kuba

Das kommunistische Kuba versucht eine neue, unabhängige Digital-Zeitung zu blockieren. Sie war nur drei Stunden frei. Doch kann staatliche Repression "14ymedio" langfristig verhindern?

 

Kubas berühmteste Bloggerin, Yoani María Sánchez Cordero, die seit Jahren kritisch mit dem Regime ihres Landes umgeht, fordert die KP-Führung auf einer neuen Ebene heraus. Sie hat am Mittwoch eine Digital-Zeitung ins Netz gestellt, darin haben auch prominente Befürworter aus aller Welt die Aktion begrüßt. Berichte, Kommentare, Reportagen sind geplant. Ein Projekt der Aufklärung mit hoher Qualität ist im Entstehen. Die Regierung reagierte rasch, unterwanderte die erste Ausgabe. Wer in Kuba www.14ymedio.com aufrief, landete auf einer Seite, die das herrschende System lobt, die Chefin der neuen Zeitung verunglimpft. Geldgier wird ihr vorgeworfen, Umgang mit finsteren Imperialisten.

Seit der kommunistischen Revolution, die mit Fidel Castros „Bewegung des 26. Juli“ 1953 begann und ihn 1959 an die Macht brachte, wird die freie Presse in Kuba systematisch unterdrückt. Das geht inzwischen nicht mehr so einfach. Die Verbreitung oppositioneller Netz-Zeitungen kann man kurzfristig verhindern, doch es gibt für sie viele Schleichwege, die inzwischen zur Verfügung stehen – per Mobiltelefon, Mail oder diverse Speichermedien.


Generación Y, der 2007 geschaffene Blog dieser mutigen Philologin aus Havanna, die mit einem regimekritischen Journalisten verheiratet ist, wirkt zumindest in der virtuellen Realität mächtig. Die 38-Jährige berichtet darin über die Zustände in ihrem Land, das findet weltweit Aufmerksamkeit, so wie u.a. ihre Artikel für die „Huffington Post“ und ihr Blog „Cuba Libre“ für das spanische Weltblatt „El País“. Dagegen kann Kubas Regime, das erst von Fidel Castro, seit 2008 von dessen Bruder Raúl angeführt wird, wenig ausrichten – außer es geht direkt gegen die Journalistin vor. (Nachdem Sánchez aus einem zweijährigen Exil in der Schweiz 2004 wegen Heimweh zurückkehrte, wurde sie Jahre lang regelmäßig am Ausreisen, etwa zu Kongressen oder Preisverleihungen, behindert.)

Die von fast einem Dutzend Journalisten gemachte Internet-Zeitung aber, die zwei- bis dreimal pro Woche erscheinen soll, richtet sich gezielt an die Bevölkerung der Insel. Das ist für die Castros richtig unangenehm. Sánchez sieht sich nicht so sehr als Dissidentin, sondern als unzufriedene Bürgerin. So gab es in der ersten Ausgabe kritische Reportagen über Kriminalität und Spitäler in Havanna, Oppositionelle kamen zu Wort. Und der Präsident? Raúl Castros Politik kam gar nicht gut weg.

norbert.mayer@diepresse.com

diepresse.com/mediator

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2014)

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