ORF-Doku zu Lichtnahrung: Sollen sie doch Licht essen

Der ORF strahlte die Pseudo-Doku „Am Anfang war das Licht“ aus. Er hätte es besser wissen müssen.

ORFDoku Lichtnahrung Sollen doch
ORFDoku Lichtnahrung Sollen doch
(c) ORF

Lichtnahrung? Schon davon gehört? Möglicherweise vor zweieinhalb Jahren, da lief die Dokumentation „Am Anfang war das Licht“ von P. A. Straubinger in den Kinos – und wurde von Wissenschaftlern und Medien umgehend zerpflückt. Die Aussage, der Film zeige Menschen, die sich sozusagen von Licht und Liebe ernähren, war nämlich falsch. Punkt. Falsch. Der Yogi, der angeblich keinen Bissen mehr zu sich nimmt: Er wurde von einem Kamerateam beim Essen im Restaurant ertappt. Die Australierin, die keine Nahrung und kein Wasser mehr zum Leben brauche: Unter medizinischer Aufsicht war sie nach wenigen Tagen gefährlich dehydriert. Andere Versuche wurden unter dubiosen Bedingungen durchgeführt – etwa mit einem Arzt, der erklärte, der Urin, der sich in der Harnblase eines Lichtessers angesammelt hatte, wäre von der Blasenwand absorbiert worden (die wahrscheinlichere Lösung des Mirakels: Der Mann hat in die Badewanne gepinkelt). Die Gesellschaft für kritisches Denken wählte diese „Doku“ folgerichtig zum herausragendsten Unfug des Jahres 2011.

Der ORF musste all dies gewusst haben. Man fragt sich, worüber man sich mehr ärgern soll: dass er für diesen Unfug Geld ausgegeben hat oder dass er ihn auch noch gesendet hat (in der Kulturschiene!) und geglaubt hat, er erfülle seine Pflicht als öffentlich-rechtlicher Sender, wenn er anschließend eine Diskussion ausstrahlt. In der P. A. Straubinger (übrigens Filmkritiker für Ö3) immerhin zugeben musste, dass er das eine oder andere oben erwähnte Faktum schlicht unterschlagen hat: Sonst wäre die Dokumentation zu lang geraten, meinte er.

Vor diesen entlarvenden Aussagen hatte er freilich lange Zeit, über die Rückschrittlichkeit der Wissenschaft zu lamentieren, die neue Erkenntnisse und neue Fragen mit allen Mitteln bekämpfe: Dabei sind die Wissenschaftler unter den allerersten, die zugeben, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die sich (noch) nicht erklären lassen: Eben das treibt sie ja an.

ORF-Chef Wrabetz hat sich inzwischen von dem Film distanziert: Dieser sei „inhaltlicher Schwachsinn“. Ein Argument könnte er noch für den ORF ins Treffen führen: Der Film hatte starke Fürsprecher. Die österreichische Filmbewertungskommission verlieh ihm tatsächlich das Prädikat „besonders wertvoll“, laut Jugendmedienkommission ist er für Jugendliche ab zwölf geeignet.

 

E-Mails an: bettina.steiner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2013)

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