Waldi & Harry "Olympische Spiele" (ARD): Wenig Witze, viel Info

Warum die Olympia-Show von Schmidt und ARD-Sportkommentator Hartmann trotz einiger Hänger sehenswert ist.

Harald Schmidt und Waldemar Hartmann in 'Waldi und Harry'
Harald Schmidt und Waldemar Hartmann in 'Waldi und Harry'
(c) ARD

Da sage noch einer, das ORF-Olympia-Studio sei kitschig geraten. Denn die deutsche ARD hat mit ihrem Studio für die Wiederauflage von „Waldi & Harry" - Sportkommentator Waldemar Hartmann mit Comedian Harald Schmidt waren schon bei den Winterspielen 2006 als olympische Nachberichterstatter im Einsatz - vor allem eines gemacht: Es überladen. Mit überdimensionalen Vasen voller chinesischer Schriftzeichen, einer Löwen-Büste (ist die vom ORF geliehen?) und, am schlimmsten, einem pompös-kitschigen „Kaiser von China"-Thron. In den müssen sich die deutschen Medaillengewinner für ein Erinnerungsfoto setzen, in schicke Kimonos gehüllt.

Aber das nur nebenbei. „Waldi & Harry" versucht einiges auf einmal zu sein: Die Spiele witzig zu kommentieren (gelingt eher weniger) und ungewöhnliche Zugänge zu Olympia zu finden (gelingt viel besser). So gibt es, hat man die ersten Einleitungs-Witzchen der beiden Moderatoren („Wir wünschen Boris Becker zur Verlobung eine Besenkammer voll Liebe und Glück") überstanden, Beiträge, die tatsächlich recht interessant sind. Neben wirklich guten Zeitlupen- und Unter-Wasser-Aufnahmen (in dem Fall der Synchronspringer) wird dem Zuseher auch eine Art Behind-the-Scenes geliefert: Wie sieht das Vogelnest-Stadion im Regen aus, wenn dort gerade umgebaut wird (ziemlich mies) zum Beispiel. Schmidt lässt sich im Auto durch Pekings (hochgefährliches, wie man sehen kann) Straßennetz führen - und stellt fest: „Kein einziges blödes Fähnchen hängt hier trotz Olympia". Das überrascht angesichts der chinesischen Werbe-Maschinerie dann doch.
Auch die Gespräche, die „Waldi & Harry" mit den Studiogästen führen, sind, sofern man sich für Sport interessiert, informativ und laufen deutlich entspannter ab als die üblichen Interviews gleich nach den Wettbewerben.

Zwischendurch hat die knapp einstündige Sendung ein paar Hänger. Wenn etwa der deutsche Tischtennis-Star Timo Boll gegen Schmidt (der die ganze Sendung über auffallend ruhig ist) eine Partie Tischtennis spielen muss und sich Schmidt dabei, nona, blamiert, ist das Humor à la öffentlich-rechtlich. Schmidt ist dabei durchaus bewusst, dass das für Boll, der ja seine Olympia-Bewerbe noch bestreiten muss, wohl eher in die Kategorie Zeitverschwendung fällt. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr die Arbeit mit Laien runterzieht". Boll widersprach nicht.

Trotzdem: Wer sich sehr für die Olympischen Spiele interessiert und nach (teils ungewöhnlicher) Rundherum-Berichterstattung sucht, ist bei „Waldi & Harry" richtig. Wer eher nur wegen Schmidt und weniger wegen der sportlichen Bewerbe einschaltet, weil er sich eine Gag-Dichte wie zu Schmidts besten Zeiten erhofft, wird enttäuscht.

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