"Spooks" (ZDF.neo): "24" für Erwachsene

Endlich hat es die britische Agenten-Serie "Spooks" ins deutschsprachige Fernsehen geschafft. Die Serie zeigt: Im knallharten Spionage-Geschäft sind Ein-Mann-Armeen verzichtbar.

(c) REUTERS (Fred Prouser)

Während die BBC-Serie "Spooks" in Großbritannien am Mittwoch in ihre bereits achte Saison startet, hat es die erfolgreiche Agenten-Serie jetz auch ins deutschsprachige Fernsehen geschafft. Bislang war die britische Serie nur auf dem Bezahlsender FOX zu sehen. Angenommen hat sich dieses schamlos vernachlässigten Juwels der digitale ZDF-Ableger ZDF.neo - von dem sich vor allem die deutschen Privatsender bedroht fühlen. So kritisierte RTL den aus dem ZDF-Dokukanal hervorgegangenen Sender, der am 1. November gestartet ist, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" als "indifferenzierten Jugendfamilienmusikunterhaltungskanal".

Mit Sendungen wie "Spooks" will ZDF.neo die Ziel-Gruppe der 25- bis 49-Jährigen TV-Seher erobern. Dafür wird das verstaubte Dokukanal-Konzept über Bord geworfen - ohne aber das Standbein Doku zu vernachlässigen.

Am Programm stehen weitere vielversprechende Serien wie "In Plain Sight - In der Schusslinie" und "GSI - Spezialeinheit Göteborg". ZDF.neo könnte damit ein Coup gelingen - etwa mit "Spooks". So werden die Mitglieder des britischen Inland-Geheimdienstes MI5 genannt. Das Format erinnert zwangsläufig an das US-Vorbild "24" rund um den Agenten Jack Bauer - allein die eingesetzte Splitscreen-Technik drängt den Vergleich auf. Damit enden die Parallelel aber auch schon.

Während "24" seine Spannung aus der mitunter schwer unrealistischen Echtzeit-Dramatik zieht, kommt das britische Format wesentlich ruhiger und langsamer rüber. Das Jack Bauer-Motto "Speed kills" ist den britischen TV-Machern fremd - ebenso wie das Konzept eines Agenten als Ein-Mann-Armee. Bei der BBC steht das Team im Vordergrund. Es sind Menschen, die da agieren - mit all ihren Gefühlen, Träumen und Problemen. Keine Superhelden. Es ist fast ein wenig wie "24" für Erwachsene.

Gelungene Charakterstudien vor dem Hintergrund aktueller Bedrohungsszenarien zeigen Spionage als knallhartes Geschäft, in dem Einzelgänger keinen Platz haben. Schon in Folge eins wird klar: Nahezu jedes Mittel ist recht. Spannung baut sich aus der Lösung eines Informations-Puzzles auf. Authentizität entsteht durch scheinbar banale Alltagsdialoge, die durch den fließenden Tausch von Identitäten stets doppelbödig sind. Aber auch durch entlaufene Katzen, die selbst perfekt geplante Überwachungs-Operationen zum Scheitern bringen können. Der Teufel steckt im Detail - ständig muss mit dem Unerwarteten gerechnet werden.

Und damit passt die BBC-Serie ideal in das Sender-Konzept von ZDF.neo. Hier sollen junggebliebene Erwachsene angesprochen werden, die sich unterhalten wollen, gleichzeitig aber kein Problem damit haben, die Welt als Ort komplexer Beziehungen zu begreifen.

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