TV-Kritik

"Tatort" Bremen: Auferstehung von den Toten

Ein abgetrennter Finger und ein Kommissar mit Hormonstau: In "Zurück ins Licht" wird von den Bremer "Tatort"-Ermittlern Stedefreund und Lürsen ermittelt - und geküsst.

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"Tatort: Zurück ins Licht" – Radio Bremen/Michael Ihle

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

8,5 von 10 Punkten

Worum geht's in "Zurück ins Licht"?

Ein abgetrennter Finger und die Blutspuren an seinem Auto lassen die Bremer Kommissare Lürsen und Stedefreund nach dem ehemaligen Chef eines Pharmaunternehmens suchen, der seit fast einem Jahr verschwunden ist. Hat er sich abgesetzt, wie seine Frau behauptet? Oder ist ihm etwas zugestoßen? Und was hat die karrieregeile Pharma-Referentin Maria Voss damit zu tun, die vor Monaten einen schweren Unfall nur knapp überlebte und sich jetzt in kauzigen Selbstgesprächen auf ein wichtiges Vorstellungsgespräch vorbereitet?

Worum geht's noch?

Wie manipulierbar sind wir eigentlich? Lassen wir uns von Vortragenden täuschen, die uns zurufen: "Wir aber sind besser!". Von Menschen, die sich eine Nadel in die Handfläche stechen und erklären, Schmerz sei nichts anders als "entfesselte, bedingungslose Entschlossenheit"?  Fallen wir auf Charisma herein? Auf Macht? Oder auf rot geschminkte Lippen und aufreizendes Gehabe?

Wer ermittelt?

Inga Lürsen (Sabine Postel) ist der besonnene Teil des Bremer Ermittlerduos. Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) gerät diesmal nämlich in hormonelle Turbulenzen: Er will seine Beziehung zur emotionsarmen BKA-Kollegin Linda Selb vertiefen, lässt sich gleichzeitig aber von Maria Voss verführen - und steht am Ende da wie ein begossener Pudel.

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Linda Selb (Luise Wolfram) und Stedefreund (Oliver Mommsen) – Radio Bremen

Was gefällt?

Was für exzentrische Frauenfiguren! Nadeshda Brennicke (die ab November in Sabine Derflingers Film "Anna Fucking Molnar" in die Kinos kommt) ist die Idealbesetzung einer Sirene: Ihre Anna Voss ist verführerisch und psychisch labil, hochstaplerisch und immer an der Kippe. Nicht minder auffällig ist die Linda von Louise Wolfram: Eine schräge, kommunikationsgestörte Persönlichkeit - und trotzdem liebenswert, wie sie da aus dem Schlaf aufgeschreckt in der Tür steht, im Pyjama und mit peinlichen Socken: "Geben sie mir eine Minute 13!" Schwupp, schon ist sie einsatzbereit!

Regisseur Florian Baxmeyer und Kameramann Hendrik A. Kley zoomen sich ganz nah an die beiden. Man meint fast, den Döner-Geruch selbst in der Nase zu haben, wenn Linda den Kollegen Stedefreund küsst. Mit flotten Schnitten werden Film und Erkenntnis vorangetrieben, dringt Baxmeyer immer tiefer ein, vor allem in die Psyche von Anna. Wo hört die Begeisterung auf, wo fängt der Irrsinn an? 

Wo hakt's?

Kommissar Stedefreund lässt sich von einer Verdächtigen um den Finger wickeln wie ein Teenager mit Hormonstau! Und mit Linda spricht er über Elternschaft. Echt jetzt?!?

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