ORF-Report: Ein leiser Minister und die Gretchenfrage der Bildungspolitik

TV-NotizEin Interview mit Susanne Schnabl ist auch nicht angenehmer als eins mit Armin Wolf. Was sagt der ÖVP-Bildungsminister dazu, dass so viele Jugendliche nicht ordentlich lesen, rechnen und schreiben können?

Ein Showman ist Heinz Faßmann jedenfalls nicht.
Ein Showman ist Heinz Faßmann jedenfalls nicht.
Ein Showman ist Heinz Faßmann jedenfalls nicht. – (c) Screenshot

Vielleicht hat sich ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann das Gespräch mit Susanne Schnabl etwas anders vorgestellt. Immerhin sollte es um das Thema Lehrlinge gehen, und hier gilt Österreich – auch wenn es aktuell etwas hakt – als Musterschüler. Doch, wie das Leben so spielt, die Lehrlingsfrage wird am Dienstag Abend im ORF-„Report“ sehr schnell zur Gretchenfrage der Bildungspolitik: Warum bloß können so viele Schüler nicht ordentlich lesen, schreiben und rechnen?

In einem ausführlichen und gut recherchierten Beitrag zum Lehrlingsdilemma klagen die Betriebe, dass das Niveau so stark gesunken ist, dass sie Nachhilfe geben müssen. Und Vorarlberger Jugendliche erzählen (der ORF verzichtet diesmal auf Untertitel), dass das schon super sei, dass ihnen alles nochmal genau erklärt wird.

Der Minister muss sich berechtigte Fragen gefallen lassen: „Warum und wie kommen diese Schüler überhaupt zu einem Schulabschluss?“ Mit klaren Antworten und frischen Ideen kann Faßmann nicht wirklich punkten. Er bleibt vage, weicht aus. Wobei: Für das Bildungsdilemma gibt es wohl ad hoc auch keine Lösung.

„Das ist etwas, das wir verbessern müssen“

Dafür vieles, was man verbessern muss. Der Minister spricht leise, ein besonders großes Ego wird keinesfalls sichtbar. Die Schulpflicht soll künftig durch eine Bildungspflicht ersetzt werden – und Jugendliche nur dann vor dem 18. Lebensjahr von der Schule abgehen dürfen, wenn sie genug können. Aber wie das in der Praxis aussehen soll (sitzen dann 17-Jährige mit 13-Jährigen in einer Klasse?), kann Faßmann auch (noch) nicht beantworten. Er denke an ein Kurssystem.

Dass die Pflichtschule in Städten zur „AMS-Vorfeldorganisation“ (© Niki Glattauer) werde, sieht der Minister jedenfalls nicht so. Er verweist auf separate Deutschförderklassen, die es ab Herbst geben wird. Dass es Berichten zufolge für die Integration dieser Schüler künftig weniger Geld geben wird, ergibt natürlich ein – gelinde gesagt - schiefes Licht.

Wie kommt das? Auf die 80 Millionen im Integrationstopf hätten unterschiedliche Ministerien zugegriffen, erklärt Faßmann. „Was im Bildungsministerium jetzt passiert, ist, dass das, was vorher über den Integrationstopf finanziert wurde, in das Regelbudget aufgenommen wird. Also eigentlich eine strukturelle Verbesserung.“ Die Kritik der Opposition sei ihm deshalb nicht klar.

Wird es nun diese 80 Millionen für Integration nächstes Jahr noch geben? „Das Geld hat kein Mascherl“, weicht Faßmann aus. Ob es nun künftig mehr Förderlehrer oder weniger geben wird, kann er noch nicht sagen. Was nach der Einladung Faßmanns im “Report“ jedenfalls klar wird: Ein Interview mit Susanne Schnabl ist für Politiker auch nicht angenehmer ist als eins mit Armin Wolf.

Die Sendung kann im Nachhinein hier angesehen werden >>>

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