Quotenmänner und das Wesen der Hausfrau: Satirikerinnenshow "fahrlässig" im ORF

TV-Notiz Ein Komikerinnenteam übernimmt den "Pop-Up"-Programmslot in der ORF-Dienstagnacht - und seziert aus weiblicher Sicht die Arbeitswelt. Mit dabei: Stefanie Sargnagel und Lisa Eckhart.

DIE.Nacht  PopUp
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"Weißt du vielleicht eine gute männliche Architektin?" – (c) ORF (Philine Hofmann)

Ein Mann sollte bei der Präsentation ihres Entwurfs schon dabei sein, beratschlagen die Architektinnen. „Wegen der Außenwirkung.“ Aber wer käme in Frage? Die meisten sind doch bei ihren Kindern. Und zu gut aussehen dürfte der Kandidat auch nicht – dann würde sich ja keine mehr konzentrieren können! Na gut, ein Mann ist gerade im Raum, den könnte man doch fragen. „Weißt du vielleicht eine gute männliche Architektin?“, geht die Frage an den muskulösen Assistenten im Tanktop, der gerade Kaffee serviert. Er druckst herum, bevor er hervorbringt, dass er selbst doch vielleicht geeignet wäre, immerhin habe er seine Masterarbeit im einschlägigen Fach geschrieben. Der Süße! Die Frau im blauen Kleid lächelt gnädig. „Mach dir keine Sorgen, wir finden was, was besser zu dir passt.“ Irgendwas mit Hämmern und Nägeln vielleicht. Nur so ein Gesicht soll der Herr nicht machen – das ist doch schade um sein schönes Lächeln!

Bürosexismus in einem umgekehrten Universum: Der Sketch gehört zu den gelungeneren Teilen der ersten Folge der neuen ORF-Satiresendung „fahrlässig“. Das Komikerinnenteam rund um Regisseurin Esther Rauch will sich Folge für Folge einem anderen Thema aus weiblicher Sicht widmen, im Auftakt ging es um die Arbeitswelt – und dabei unter anderem um einige Dinge, über die immer öfter und lauter geredet wird, seit es Wörter dafür gibt: Bodyshaming, Mansplaining, Mother-Blaming . . . Aber keine Sorge! Lexikalische Versiertheit im zeitgenössischen feministischen Diskurs ist hier nicht nötig, die Komikerinnen wissen Besseres, als sich mit Begrifflichkeiten aufzuhalten.

Sie zeigen lieber in kurzen Clips (mit Gerit Scholz, Franziska Singer und Pippa Galli) wie entnervend eine Autofahrt sein kann, wenn der Mann dauernd von daheim anruft, weil er keine Ahnung hat, wie er die Monster unter dem Bett der Kinder bekämpfen soll (mit Monsterspray, natürlich!), und wenn das Navi alles auf Mandarin sagt (aber wie soll man den Nachwuchs sonst auf die Zukunft vorbereiten, wenn nicht mit frühkindlicher Sprachförderung!). Oder wie absurd Influencer-Youtube-Videos sind, wenn man sie auf die Spitze treibt.

Sargnagels Zeichentrick-Selfie und Salondamen-Poesie

Dazu lässt Stefanie Sargnagel ein Zeichentrick-Lama mit ziemlich gelben Zähnen ein Selfie-Video drehen, in dem es großgoschert schwadroniert, dass es jetzt eine neue Geschäftsidee hat, die „100 Prozent fresh and awesome“ ist. Die Kabarettistin Lisa Eckhart säuselt als Salondame im seidenen Mantel feinsinnige Verse über das Wesen der Hausfrau und die philosophische Einordnung von Ausbeutung am Arbeitsplatz. Und Silvia Ponce Marti liefert satirische Musikvideos, wie sie auch auf Youtube beliebt sind (und fixer Bestandteil von vielen Satiresendungen, von Böhmermann bis Saturday Night Live).

Diese 20 Minuten sind oft recht pointiert, stellenweise sehr treffend, im Schnitt leider trotzdem eher mittellustig. Das ist okay: Der ORF will mit seinem neuen Dienstagnacht-Konzept Neues ausprobieren – und schauen, was beim Publikum ankommt. Dass er dafür neue Themen und Gesichter auf den Bildschirm holt, ist schön. Bleibt zu hoffen, dass er sie nicht gleich wieder fallen lässt. Für „fahrlässig“ gibt es am 13. November um 23 Uhr eine zweite Chance, danach gehören zwei Dienstage den FM4-Komikern Hannes Duscher und Roland Gratzer („Top1“).

>>> Zum "fahrlässig" Beitrag in der TV-Thek

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