"The Good Wife": Amerikas Stehauf-Weibchen

Eine Frau kehrt von Herd und Heim zurück in ihren alten Anwalts-Job: Julianne Margulies in der preisgekrönten Serie "The Good Wife" über Schuld, Scham und Stolz. Mittwochs auf ProSieben.

Good Wife: Panjabi und Margulies
Good Wife: Panjabi und Margulies
(c) ProSieben

Sie halten Händchen, der Ehemann und seine Frau, bis er das Podium betritt und vor laufenden Kameras seine Verfehlungen eingestehen muss. Prostituierte und veruntreutes Geld zwingen ihn zum Rücktritt. Amerika liebt die Reue - ob bei John Edwards, Tiger Woods oder im jüngsten Fremdgeh-Skandal um Sandra Bullocks Ehemann Jesse James. Man will den Fehlgeleiteten am Pranger sehen, dann - dafür aber umso größer - darf er wieder aus der Asche auferstehen. In "The Good Wife" steht  aber nicht der entgleiste Mann, ein Staatsanwalt (Chris Noth), im Mittelpunkt, sondern seine Frau (Julianne Margulies), die ihm nach seiner Pressekonferenz eine Ohrfeige verpasst und in der Stille zurückbleibt.

Die Hausfrau und Mutter Alicia Florrick kehrt nach zwölf Jahren in ihren alten Job als Anwältin zurück - im Testlauf. Die Anfängerin 40 Plus muss sich gegen einen frischgebackenen College-Absolventen (Matt Czuchry) durchsetzen. Diese Konstellation, gepaart mit dem tausendfach erprobten Gerichts-Serien-Modell (Fall, Verhandlung, Gerechtigkeit), hat durchaus Zugkraft.

Den Figuren hängt, zumindest am Beginn der Serie, noch ein wenig Klischee an: Da ist der nette Kollege mit Dackelblick (Josh Charles), den sie von früher kennt. Die junge, selbstbestimmte Powerfrau (Archie Panjabi), die trotz der Unterschiede eine Freundin wird. Aber da ist auch die Chefin (Christine Baranski), die gern eine Mentorin für ihre weiblichen Mitarbeiter wäre, die Konkurrenz mit ihnen aber scheut und so ein Grundproblem weiblicher Führungskräfte auf den Punkt bringt. Ihr Hündchen heißt übrigens "Justice".

Der Skandal bildet den Rahmen, wird nicht explizit ausgereizt, ist aber stets präsent. Von einem Video, in dem der Ehemann die Zehen einer Prostituierten lutscht, ist die Rede, von ehemaligen Geliebten, die ihre Enthüllungen verkaufen. Warum sie ihn nicht verlassen hat, wird sie gefragt. "Ich war ... unvorbereitet", sagt Margulies, die ihrer Figur auch etwas Desperate-Housewife-ähnliches gibt: Immer gefasst bleiben, immer die Kontrolle behalten. Die Schauspielerin wurde für ihre Darstellung der Betrogenen mit einem Golden Globe ausgezeichnet.

Wie wird man mit der Scham fertig, die nicht die eigene ist? "Schminken Sie sich. Ziehen Sie sich hübsch an. Nicht für sich. Aber solche trivialen Dinge sind jetzt das Wichtigste", rät die gute Ehefrau ihrer Mandantin. Die Männchen und Weibchen, die nach dem Zusammenbruch des schönen Scheins wieder aufstehen, die liebt Amerika besonders.

"The Good Wife", Mittwochs um 22.10 Uhr auf ProSieben

 

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