"Krone"-Talk mit Kanzler erstmals im "echten" Fernsehen

TV-Notiz Kanzler Kurz und Landeshauptmann Doskozil waren zu Gast im neuen "Krone"-Studio, um über Europa zu diskutieren. Gerade nach der jüngsten ORF-Aufregung wirkte das ungewöhnlich sanft.

Das Thema des Gesprächs, gut ein Monat vor der EU-Wahl: "Wohin steuert Europa?
Das Thema des Gesprächs, gut ein Monat vor der EU-Wahl: "Wohin steuert Europa?
Das Thema des Gesprächs, gut ein Monat vor der EU-Wahl: "Wohin steuert Europa? – (c) Screenshot

Ein neues Studio und erstmals ein "echter" Sendeplatz: Am Mittwochabend lief die Polit-Talkshow #brennpunkt, die bisher nur online bei krone.tv zu sehen war, im linearen Fernsehen. Die Premiere fand bei n-tv Austria statt, einem neuen Fenster der RTL-Gruppe. Das Format, in dem "Krone"-Kolumnistin Katia Wagner mit Politikern und Prominenten diskutiert, gibt es bereits seit Frühjahr 2018 - und wird auch gerne von hochrangigen Vertretern der Bundesregierung besucht.

Die Zusammensetzung der Gäste war auch am gestrigen Mittwoch bemerkenswert. Moderatorin Wagner begrüßte etwa Bundeskanzler Sebastian Kurz, den man sonst eher selten in TV-Diskussionssendungen sieht. Ihm gegenüber saß der gut gebräunte SPÖ-Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Peter Doskozil. Der beim Thema der Sendung - "Wohin steuert Europa?" - nicht unbedingt der erste Politiker war, an den man gedacht hätte. Die Runde komplettierten „Krone“-Kolumnist Klaus Woltron und Medienberater Peter Pelinka.

Die Unterschiede zu Diskussionssendungen von ORF oder Puls 4 - ganz zu schweigen von den jüngsten Politiker-Interviews in der "ZiB 2" - wurden schnell offensichtlich. Denn während man auf diesen Sendern oft sehr aufgeheizte Gespräche erlebt, ging es im "Krone"-Talk auffallend ruhig zu. Stilistisch waren es vor allem in der ersten Hälfte eher einzelne Monologe als ein Dialog. Die Gäste wurden de facto nie unterbrochen. Wobei Wagner dem Bundeskanzler (in etwas unsicherem Ton) auch die eine oder andere kritische Frage stellte.

Die Sichtweisen auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der EU schienen mangels Zuspitzung auch eher ähnlich. Jeder der vier Herren führte aus, dass man die EU insgesamt verbessern müsse. Man gab sich nicht fatalistisch, aber auch nicht unkritisch. Kurz plädierte erneut für ein "Europa der Subsidiarität", die großen Fragen sollten gemeinsam gelöst werden.

Zwischen Kurz und Doskozil wurde es lediglich bei der Frage des Freihandels ein wenig lebhafter. "Ich habe immer den Eindruck, wenn sich die Amerikaner etwas wünschen, dann erstarren wir vor Ehrfurcht und laufen ihnen nach", sagte Doskozil. Dass er noch anfügte, das sei auch bei Ceta so gewesen, amüsierte Kurz: "Ceta war ja gar nicht mit den Amerikanern." Ansonsten gab es keine echten Kontroversen, was einige Zuschauer sicher als wohltuend empfinden.

Gerade nach den Eklats der vergangenen Wochen (vor allem bei den politischen Interviews der "ZiB 2") war der Unterschied im Stil jedenfalls eklatant. Wo die einen die Höflichkeit loben, werden andere wohl Oberflächlichkeit erkennen.

Gäste:

  • Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP)
  • Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ)
  • „Krone“-Kolumnist Klaus Woltron
  • Medienberater Peter Pelinka

Die Sendung zum Nachschauen >>>

 

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