''Talk im Hangar''

Wie parteiisch ist der ORF? Über linke Journalisten und rechte Wünsche

TV-Notiz Die FPÖ habe nicht das Personal, um den ORF umzufärben, klagte Andreas Mölzer in einer TV-Diskussion zum "Streitfall ORF". Worauf läuft eine solche Meinung hinaus? Und wem schadet sie?

V.l.n.r: Norbert Bolz, Andreas Mölzer, Michael Fleischhacker, Florian Klenk und Kathrin Stainer-Hämmerle.
V.l.n.r: Norbert Bolz, Andreas Mölzer, Michael Fleischhacker, Florian Klenk und Kathrin Stainer-Hämmerle.
V.l.n.r: Norbert Bolz, Andreas Mölzer, Michael Fleischhacker, Florian Klenk und Kathrin Stainer-Hämmerle. – (c) Screenshot

Wenn man die Parteilichkeit anderer zum Thema macht, sollte man seine eigenen Diskussion ausgewogen führen. Um eines vorauszuschicken: Das ist Servus TV am gestrigen Donnerstag gut gelungen. Wie steht es nun also um die Unabhängigkeit des ORF, wie kann und soll er mit den heftigen Angriffen der FPÖ umgehen und was bezweckt die Partei eigentlich damit? Fragen wie diese standen im Zentrum beim "Talk im Hangar".

Frappant war dabei die Ehrlichkeit (oder auch Unverblümtheit) des ehemaligen FPÖ-Europaparlamentariers Andreas Mölzer. Er bestätigte den harten Griff seiner Partei, als Argument zitiert er das Zuschauerinteresse: 60 Prozent der Bevölkerung hätten die Mitte-Rechts-Regierung gewählt, sie hätten auch ein Recht auf deren Themen und Meinungen im Fernsehen.

Linker Grundton bei den Öffentlich-Rechtlichen?

Gibt es so etwas wie einen linken Medien-Mainstream? „Falter"-Chefredakteur Florian Klenk wurde von Mölzer dafür ausgelacht, dass er es negierte und mit Zeitungen wie der "Krone", "Heute", "Österreich" und dem "Kurier" begründete. Er verstehe, dass der FPÖ eine relevante Nachrichtensendung wie die "ZiB 2" zuwider sei, sagte Klenk, weil diese mit den Online-Echokammern wie zum Beispiel "FPÖ TV" konkurriere, die sich die FPÖ aufgebaut habe. Wir würden eine Rückkehr der Parteipropaganda erleben - und der ORF sei das Korrektiv.

Ist es so einfach? Dass in der "ZiB 2" harte Fragen an Politiker aller Couleurs gestellt werden, konnte man in den vergangenen Wochen jedenfalls bemerken (als Beispiel dienen das Gespräch mit Johannes Voggenhuber oder das mit Thomas Drozda). Der deutsche Medienwissenschaftler Norbert Bolz, der nicht ganz zufällig rechts vom Moderator und damit neben Mölzer saß, sah aber etwas anderes als das politische Interview im Mittelpunkt: Er ortet einen (linken) Grundton, eine Stimmung, die bei ARD und ZDF von den Unterhaltungssendungen bis in die Nachrichten reiche.

Zu wenig rechte Journalisten

Ein Befund, der als Stoff für eine eigene Diskussion reichen würde. Doch kann man jemals einen völlig farblosen ORF erreichen? Und wer wünscht ihn sich? "Will die FPÖ einen unabhängigen ORF oder einen, in dem sie mehr Einfluss hat?", fragte Moderator Michael Fleischhacker dann auch. Mölzers Antwort, die so offen wohl selten formuliert wurde: "Es kann keine Umfärbung geben, weil man rein von den Akteuren, von den Journalisten, nicht die Leute hätte." Zu wenig rechte Journalisten also. Derselben Meinung ist Bolz: "Man wird an der Tatsache, dass die meisten Journalisten rot-grün sind, nichts ändern."

Worauf diese Meinungen hinauslaufen? Auf eine völlige Abwertung des Berufs des Journalisten. Die Annahme, dass generell nur fair berichte, wer eine bestimmte parteigetriebene Meinung zu einem Thema habe, ist eine Diskreditierung. Diese freilich kann Parteien nutzen.

Ganz so schnell sollte man den Vorwurf trotzdem nicht abtun. Weil nicht wenige Menschen das Gefühl haben, dass es Dinge gibt, über die sie nichts erfahren. "Der Begriff Lügenpresse ist Blödsinn", sagte Bolz - was es aber durchaus gebe, sei eine "Lückenpresse". Ein Vorwurf, der schwer zu greifen ist, dem sich der Journalismus aber stellen muss. Bolz sieht etwa die sehr späten Berichte zur Silvesternacht in Köln als "Urszene des Vertrauensverlusts".
Haben die Medien die Vertrauenskrise also (ausschließlich) selbst produziert? Die Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle stellt dem Vertrauensverlust in die öffentlich-rechtlichen Medien ein anderes Argument entgegen: "Was sinkt, ist das Vertrauen ins System generell."

Starke Thesen, gute Fragen, kein Geschwurbel: Die Diskussion kann man jedenfalls als Bereicherung in der derzeit so präsenten Mediendiskussion sehen.

Gäste:

  • Andreas Mölzer, Publizist, ehem. Europaparlamentarier der FPÖ
  • Florian Klenk, Chefredakteur „Der Falter“
  • Norbert Bolz, Medienwissenschaftler
  • Kathrin Stainer-Hämmerle, Politologin

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