"Spuren des Bösen": Ermittler Brock rollt durch den Tiefpunkt seines Lebens

TV-NotizMit dem Feldstecher ermittelt Heino Ferch in seiner Paraderolle im ORF. Katrin Bauerfeind ist ihm in „Sehnsucht“ eine kongeniale Komplizin.

Spuren des Boesen - Sehnsucht
Spuren des Boesen - Sehnsucht
Psychologin Klein (Katrin Bauerfeind) hilft Richard Brock (Heino Ferch) bei der Aufklärung eines Mordfalls. – ORF

Nein, Richard Brock (Heino Ferch) hat wieder keine gute Laune. Wie sollte er auch? Schließlich ist er in der siebten Ausgabe der Thriller-Reihe „Spuren des Bösen“ angeschossen worden. Daran laboriert der Psychiater und Verhörspezialist nun also in Ausgabe Nummer Acht: In „Sehnsucht“ hantelt er sich mit Schmerzensseufzern aus dem Bett und macht dann griesgrämig im Rollstuhl ein paar Meter - vom Kühlschrank zum Fenster zur Kaffeemaschine und zurück zum Fenster, von wo aus er mit dem Feldstecher Frauen ausspäht. Und einen Mord beobachtet. Oder glaubt, einen gesehen zu haben . . . Doch statt einen Notruf bei der Polizei abzusetzen (er ist eben noch traumatisiert), schickt er seinen Freund, den Taxler (Gerhard Liebmann), hinüber, um Nachschau zu halten.

So geht los, was doch kein typischer Ferch-spielt-den-verstockten-Brock-Krimi ist. Die kammerspielartige Situation (Regie: Andreas Prochaska), die weitgehend ohne Action auskommt, entwickelt einen faszinierenden Sog. Das Vis-à-Vis-Haus eröffnet Einblicke in verschiedenste Lebensszenarien, die Brock mit unverhohlener Neugier beobachtet und schonungslos analysiert. Über das Mehrparteinhaus nimmt er Einblick in die sozialen Biotope hinter den Vorhängen - das hat was. Gleichzeitig rückt sein eigenes Biotop überdeutlich ins Blickfeld: Unrasiert, traumatisiert und alkoholgetränkt rollt er durch den Tiefpunkt seines Lebens und wirkt dabei nicht tough, sondern selbstmitleidig. Man meint den Krankenzimmer-Mief zu riechen, schon bevor er eine volle Windel als Beweismittel neben die Sachertorte in den Kühlschrank legt.

Katrin Bauerfeind als forsche Psychiaterin

Doch Drehbuchautor Martin Ambrosch hat nicht nur einen tieftraurigen Kriminalfall geschrieben, er gönnt Brock just im Moment größter Not Lichtblicke (er wird Opa!), eine kongeniale Komplizin (Katrin Bauerfeind kommt als forsche Psychiaterin auf Hausbesuch und erledigt für den Rollstuhlfahrer die unerlaubte Ermittlungsarbeit) und sogar den Anflug eines wohlwollenden Lächelns für seine frisch verliebte Haushaltshilfe Anni (Gerda Drabeck). Aber eine ganze 180-Grad-Wendung geht sich nicht aus. Der Grantscherm bleibt ein Grantscherm. Ermittler Brock als Sympathler - das wäre denn auch ein zu harter Stilbruch!

25. August, 20.15 Uhr, ORF 2

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