Dickens' böser Geizhals wird gut im Theater der Jugend

„Frohe Weihnacht, Mr. Scrooge“, der Klassiker von Charles Dickens, keck und temperamentvoll im Theater der Jugend mit Bernhard Dechant in der Titelrolle. Das Publikum war begeistert.

(c) Theater der Jugend

Was gibt es Schöneres, als vor dem Christfest von der Läuterung der Bösen zu träumen? Die letzte „Scrooge“-Verfilmung war von Disney und in 3-D, mit Jim Carrey, in der Regie von keinem Geringeren als Robert Zemecki: optisch opulent, aber mäßig innovativ. Thomas Birkmeir hat fürs Theater der Jugend „A Christmas Carol“ – wie der Roman im Original heißt – nach Charles Dickens erfinderischer bearbeitet.

Markus Emil Felkel hat inszeniert und Andreas Lungenschmid eines seiner schlichten, dennoch originellen Bühnenbilder gebaut, mit raschen Verwandlungen und Projektionen. Die Aufführung ist laut und poppig. Bei der Premiere brach ein Bub in Tränen aus und musste mit seiner Mama heimgehen, nachdem der grausig-grünliche Mr. Marley, verstorbener Geschäftspartner von Ebenezer Scrooge, aus der Standuhr gesprungen war und seinem einstigen Mitstreiter von der Ödnis des Jenseits berichtete. Die meisten Kinder aber schienen gebannt und amüsiert von dieser modernisierten Version mit viel Musik.

Vor allem Bernhard Dechant, der ein wenig Klaus Kinski ähnlich sieht, ist großartig als Geldverleiher, der am Weihnachtsabend mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Der Weihnachtsgeist Johnny Karma (hinreißend: Mathias Schlung) entführt Scrooge auf eine Reise und konfrontiert ihn mit dem Verfall seines Charakters. Die meisten Schauspieler müssen rasant zwischen mehreren Rollen hin- und herspringen. Trotz ihres zeitgemäßen Anstrichs und mancher Passagen zum Lachen bleibt die Geschichte berührend. Erstaunlich, wie man aus diesem viel strapazierten Stoff immer neue Funken schlagen kann. Das Publikum applaudierte begeistert. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2012)

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